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gottesdienste.ARD.de ist ein neuer Service auch für Kirchenkritiker

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Auf einer neuen Internetseite bietet die ARD in Zusammenarbeit mit der evangelischen und der katholischen Kirche seit der vergangenen Woche einen neuen Service an. Erwin Kress vom Humanistischen Verband Deutschlands meint, dieses „zusätzliche Bonbon” der ARD für Kirchenmitglieder passe weder in die Zeit noch zum ARD-Budget. Ein Kommentar.
Montag, 2. Dezember 2019
Hinweistafel Gottesdienste

Hinweistafel für Gottesdienste; Foto: Ritter-pitter (CC BY-SA 3.0)

Auf der neuen Internetseite gottesdienste.ARD.de sollen Termine und Mediathek-Beiträge für Gottesdienste, das Wort zum Sonntag und Sendungen zum Thema Religion schön übersichtlich aufbereitet werden. Da freut sich der religiöse Mensch, wenn er denn danach sucht. Und es freuen sich auch die Kritiker der dort ersichtlichen Vielzahl von religiösen Verkündigungssendungen in öffentlich rechtlichen Medien. Nun hat man einen schnellen Überblick, welcher Aufwand hier mit den Rundfunkbeiträgen aller getrieben wird.

Da kann manch einer zum Kirchenhasser werden.

Der Staat hat sich gegenüber Religionen und Weltanschauungen neutral zu verhalten. Dies gilt auch für öffentlich-rechtliche Medien. Religion darf im öffentlichen Raum und auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk stattfinden. Sie ist Teil des Lebens vieler Menschen in unserer Gesellschaft. Gibt es Regeln? Im WDR-Gesetz heißt es:

„Den Evangelischen Kirchen, der Katholischen Kirche und den jüdischen Kultusgemeinden sind auf ihren Wunsch angemessene Sendezeiten zur Übertragung gottesdienstlicher Handlungen und Feierlichkeiten sowie sonstiger religiöser Sendungen einzuräumen.“ Dies gilt ähnlich für andere Landesrundfunkgesetze.

Drei Fragen stellen sich hier:

  • Ist die Beschränkung auf die Kirchen und die jüdische Gemeinde nicht überholt?
  • Was sind „angemessene Sendezeiten“ angesichts ständig weniger werdender Kirchenmitglieder?
  • Wo findet die vom Grundgesetz gebotene Gleichstellung von Religionen und Weltanschauungen statt?

Konfessionsfreie Menschen, die sich einer humanistischen Weltanschauung verbunden fühlen, kommen in den öffentlich-rechtlichen Medien kaum vor, wenngleich sie einen zunehmenden Teil unserer Bevölkerung ausmachen: Ein Drittel der Menschen in Deutschland ist konfessionsfrei.

Ich erwarte, dass die Verantwortlichen der öffentlich-rechtlichen Medien sich von der Liebedienerei gegenüber Kirchen frei machen und der weltanschaulichen Vielfalt in unserer Gesellschaft besser Rechnung tragen.

Erwin Kress

Erwin Kress (Foto: Evelin Frerk)

Zum Autor: 

Erwin Kress, geb. 1948, ist Dipl.-Physiker, ehem. Leitender Angestellter in der Industrie, Präsident des Humanistischen Verbandes Nordrhein-Westfalen und Präsidiumsmitglied des HVD Bundesverbandes, wo sein Hauptarbeitsgebiet der Bereich Autonomie am Lebensende ist.