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Was wirklich für die katholische Kirche beschämend ist

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Mit der Abschaltung des Hass-Portals kreuz.net können die nichtkirchlichen Initiativen im Kampf gegen diese Katholiban-Seite einen weiteren Etappensieg verbuchen. Während die Deutsche Bischofskonferenz dazu bislang beharrlich schweigt, hat Kardinal Lehmann von Mainz in einem Beitrag für sein Bistumsblatt dazu Stellung bezogen. Polemik eines kreuz.net-Opfers zu Kardinal Lehmanns jüngsten Äußerungen.
Donnerstag, 6. Dezember 2012
Karl Lehmann kreuz.net

Herr Lehmann, Verleumdung und Gewaltdrohungen gegen Homosexuelle sind ein kriminelles Verhalten, selbst wenn Ihr Oberhaupt solche Menschen als „nicht vollwertig" betrachtet!

Erfreulich ist dabei, dass Lehmann nun auf den Druck der veröffentlichten Fakten hin, einräumt, dass erst die aus der LGBT-Community stammenden Kreisen und Personen gestarteten Kampagnen und die dadurch ausgelöste öffentliche Diskussion dem Hass-Portal kreuz.net ein vorläufiges Ende bereitet haben. Auch erkennt er richtig, dass die bis zur Stunde anhaltende Verweigerungshaltung der deutschen Bischöfe, die extrem schwulenfeindlichen Hintermänner des Hassportals ausfindig zu machen, "für die Kirche beschämend" ist. Schon vor Wochen warnte die Süddeutsche Zeitung:

Man könnte erwarten, dass die Kirche jene selbstverständlich unterstützt, die die Urheber der Volksverhetzerseite jagen. Aber da der schwule Gmünder-Verlag 15000 Euro als Belohnung für stichhaltige Hinweise ausgelobt hat, halten sich die Bischöfe zurück - als würde ihnen ein Schild von der Mitra fallen, wenn sie den Ermittlungen Segen spendeten. Sie gehen das Risiko ein, düpiert zu werden: Denn wie beschämend wäre es, wenn eine Schwulen-Initiative den reaktionären katholischen Sumpf trockenlegte?

Um noch einmal die Fakten klarzustellen: Lehmann und seine Kollegen im Bischofsamt haben in der Vergangenheit immer weggeschaut und nicht geforscht, wer hinter kreuz.net steht. Eine Distanzierung von kreuz.net erfolgte erst aufgrund antisemitischer Äußerungen, die dort neurotisch zelebrierte Homophobie hat dabei nie eine Rolle gespielt. Durch die lediglich trockene verbale Distanzierung von diesem Portal, verbunden mit dem Unwillen wirklich etwas dagegen zu tun, musste doch in der Öffentlichkeit der Eindruck entstehen, dass die Bischöfe kreuz.net nicht ungern sehen. Oder dieses zumindest tolerieren. Das wie Lehmann als Güte und Milde auszulegen, trägt den Ruch des Scheinheiligen!

Das Selbsturteil „beschämend" scheint also voll zuzutreffen. Im gleichen Atemzug holt Kardinal Lehmann aber zudem zu einem unglaublichen Gegenschlag aus: Man sei bei dem Kampf gegen kreuz.net „nicht immer zimperlich mit der Wahrheit umgegangen" behauptet er. Irgendwelche Nachweise für diesen Vorwurf fehlen. Vermutlich sieht der Kardinal diese gegeben bei der nach der Abschaltung des Portals auf Schwesterseiten von kreuz.net einsetzende Kampagne gegen jene, die kreuz.net vorläufig gestoppt und einen Mitarbeiter enttarnt haben. Ganz ähnlich wie diese ultra-konservativen Seiten bagatellisiert Lehmann sogleich das Problem kreuz.net auf unerträgliche Weise: „Das beklagenswerte Verhalten nur weniger wurde mit einem großflächigen Sumpf gleichgesetzt. Die ganze Kirche sei verlottert." Herr Lehmann: Bei dem was auf kreuz.net geschehen ist, handelt es sich nicht einfach um „beklagenswertes Verhalten". Verleumdung und Gewaltdrohungen gegen Homosexuelle sind ein kriminelles Verhalten, selbst wenn Ihr Oberhaupt solche Menschen als „nicht vollwertig" betrachtet!

Mit solchen Aussagen legt der Kardinal die Grundlage dafür, dass es „beschämend" für die Kirche weitergeht. Die Illusion, mit dem vorläufigen Ende der Internetseite kreuz.net und dem ernsten Gespräch mit einem Mitarbeiter, sei das Problem kreuz.net gelöst, ist mehr als gefährlich. Die kreuz.net-Ideologie lebt weiter! Schon jetzt rüsten katholische Medien und Blogger ganz gewaltig verbal auf, um das schlechte eigene Gewissen angesichts des „beschämenden" Verhaltens zu überspielen: Nach einer kurzen Distanzierung von kreuz.net folgen sogleich übelste Beschimpfungen und Unterstellungen gegen jene, die Hintermänner, Mitarbeiter usw. enttarnt und so das Katholiban-Portal zum Schweigen gebracht haben. Kreuz.net hat eben eine ganze Armee kleinerer Schwestern, die jetzt deren Aufgabenfeld, Mitarbeiter usw. übernehmen. Mit seinen Aussagen liefert Lehmann diesen Gruppen unfreiwillig den Waffenschein für ihr Treiben.

Die Gegner von kreuz.net erwarten vermutlich nicht irgendein Lob von Lehmann und seinen Kollegen. Was sie und auch ich als Opfer der kreuz.net-Hetze aber erwarte ist, dass die Bischöfe endlich ihren Aufgaben nachkommen. Bagatellisieren Sie nicht weiter das in der Tat gefährliche Phänomen eines Katholiban-Katholizismus auch in Deutschland! Handeln Sie endlich dort, wo Katholiken im Namen des Katholizismus in Homophobie, Antisemitismus, faschistoiden Antimodernismus propagieren! Fangen Sie an nachzufragen, wo es in Ihrer eigenen Lehre ungute Traditionen gibt, die diesen Haltungen grundlegen! Nur wenn Sie jetzt eindeutige Schritte in diese Richtung unternehmen, können Sie verhindern, dass eines Tages der verbale Hass zur realen Tat schreitet!

(Name und Anschrift des Autors sind der Redaktion bekannt)