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Auftrag Mission

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Papst Benedikt XVI. machte in seinem "Wort zum Sonntag" unmissverständlich deutlich, dass er nicht nur diejenigen zurückgewinnen will, die sich von der katholischen Kirche entfernt haben, sondern auch die Konfessionsfreien in Deutschland missionieren will.
Sonntag, 18. September 2011
Wort zum Sonntag - Papst

Das Oberhaupt der katholischen Kirche Papst Benedikt XVI., der in der kommenden Woche durch Deutschland reist, durfte seinem Tross mit ca. 60 Limousinen bereits ein Wort zum Sonntag vorausschicken. Er freue sich auf Berlin und „besonders auf die Rede im Bundestag", sagte er in der ARD am Samstagabend, um anschließend anzudeuten, worum es ihm gehe. Seine Reise sei kein „religiöser Tourismus und noch weniger eine Show". Vielmehr ist seine Reise, wie zu erwarten war, eine Missionierungstour. Dies wird aus seinen Worten deutlich.

Es solle „darum gehen, dass Gott wieder in unser Blickfeld tritt, dieser oft ganz  abwesende Gott, dessen wir doch so sehr bedürfen." Damit scheint der Papst auf die sich von der katholischen Kirche abwendenden Deutschen zu zielen. Dies werden immer mehr. Die Austrittszahlen lagen im vergangenen Jahr unter dem Eindruck der zahlreichen Missbrauchsskandale in katholischen Einrichtungen oder durch katholisches Personal erstmals höher als die Zahlen der Taufen.

Der Papst nahm in seinem Wort zum Sonntag aber auch auf die konfessionsfreien Deutschen Bezug: „Wir müssen die Wahrnehmungsfähigkeit für Gott, die in uns da ist, wieder neu entwickeln. [...] Darum wollen wir uns in diesen Tagen mühen, dass wir Gott wieder zu Gesicht bekommen, das wir selber Menschen werden, von denen ein Licht der Hoffnung in die Welt hereintritt." Aus diesen Worten wird deutlich, dass Papst Benedikt XVI. nicht nur verlorenes Terrain zurückerobern, sondern auch neues gewinnen will. De selbst erteilte Auftrag lautet Missionierung.

Die Errungenschaften von Wissenschaft, Technik und Vernunft, die Papst Benedikt XVI. zum Arsenal der „Diktatur des Relativismus" zählt, deutete er in seiner Ansprache zum göttlichen Handwerk um: „Wir können die Welt technisch nützen, weil sie rational gebaut ist. In dieser großen Rationalität der Welt ahnen wir etwas von dem Schöpfergeist, von dem sie kommt." Dass die katholische Kirche künftig wissenschaftliche Erkenntnisse und technische Möglichkeiten zum Beispiel in medizinethischen und Bildungsfragen berücksichtigt, ist nicht zu erwarten. Sätze wie diese klingen nur einfach nach der Moderne, die der katholischen Kirche in vielen Fragen fehlt.

Humanistischer Verband Deutschlands fordert Debatte um öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Benedikt XVI. war der zweite Papst nach Johannes Paul II., der das Wort zum Sonntag in der ARD halten durfte. Der Humanistische Verband nahm die Tatsache, dass ihm fast 25 Jahre nach seinem Amtsvorgänger dieselbe Möglichkeit eingeräumt wurde, zum Anlass, eine Debatte um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und dessen gesellschaftliche Ausrichtung einzufordern. Die gesellschaftliche Vielfalt habe sich seither enorm geändert und daran müssten sich auch die öffentlich-rechtlichen Sender anpassen, heißt es in einer aktuellen Erklärung. Die früher nachvollziehbare Institution müsse als „überkommene Privilegierung" bezeichnet werden, „die wohl nicht mehr wirklich mit der kulturellen und der weltanschaulichen Vielfalt des Landes, sondern nur noch machtpolitisch legitimiert werden" könne.

Der Verband machte aber deutlich, dass er nicht grundsätzlich gegen die öffentliche Meinungsäußerung durch Vertreter von Weltanschauungsgemeinschaften in solchen Formaten des öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist. Diese könnten im Gegensatz zur Rede vom Papst im Bundestag, die der Verband neben vielen anderen Organisationen kritisiert, durchaus gut begründet werden.

Allerdings sei die einseitige Konzeption des Sendeformats „Ausdruck einer unzeitgemäßen und diskriminierenden Dominanz" Menschen hätten nicht nur an Vorträgen von Vertretern der christlichen Kirchen ein berechtigtes Interesse, sondern auch an regelmäßigen Wortmeldungen von nichtreligiösen und andersgläubigen anerkannten Denkern.  Dazu sagte HVD-Präsident Frieder Otto Wolf:

Hier müsste sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk den Bedürfnissen und tatsächlich vorhandenen Interessen in unserer Gesellschaft wohl endlich öffnen. Für mich sind jetzt jedenfalls keine plausiblen Gründe ersichtlich, warum diese prominent platzierten Angebote mit ihren Vorschlägen zur Sinnstiftung auf die Gruppe von Menschen beschränkt sein sollten, welche einem christlichen Glauben folgen.