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Gegenrede: Wir sind nicht die neue C-Partei!

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Der Wahl der EKD-Präses Katrin Göring-Eckardt zur Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen rief ein starkes Medienecho hervor. Doch sind die Deutungen plausibel oder spiegelt sich in dieser Wahl nicht vielmehr die tiefe Krise des Konservatismus?
Dienstag, 13. November 2012
Robert Zion

Robert Zion

Die Über- und Fehlinterpretationen des Grünen Urwahl-Ergebnisses von Cicero bis Spiegel Online waren zu erwarten. Sie haben alle eines gemeinsam: Die vollständige Ignoranz gegenüber unserem politischen Programm. Eine interessante Methode einer bestimmten Richtung der Presse, sich der unliebsamen Aspekte eine Programm- und Konzeptpartei zu entledigen.

Die CDU braucht kein Programm, sie braucht „Haltungen“ und „Werte“. Und dahin wollen sie uns haben. Eine Art CDU mit „ökologischen Haltungen und Werten“. Aber Ökologie und soziale Gerechtigkeit ist ohne rationale Analyse und entwickelte Programmatik nicht zu haben. Und darum werden sie ihre Wunsch-Grünen nie bekommen.

Medienmeinungen Spiegel Online: „Die Grünen entstanden bekanntlich als eine Partei des Wertewandels, also der Fortentwicklung von kirchlich-klerikalen, spießigen Disziplin- und Ordnungsnormen hin zu libertären, individualistischen, säkularisierten und freigeistigen Orientierungen. Mittlerweile aber ist ein weitreichender Wandel des Wertewandels zu beobachten.“  die tageszeitung: „Nur so wie die Theologin und Pfarrersgattin macht frau Karriere in einer bürgerlichen Partei und in einem Staat, der sich zwar säkular nennt, aber in dem die Kirche vielfach das Sagen hat.“ Frankfurter Rundschau: „Göring-Eckardts Triumph freut vor allem viele junge Realos, die auf einen Generationenwechsel nach 2013 setzen.“ Cicero beim Vergleich mit Angela Merkel: „Göring-Eckardts ausgleichender Stil, auch ihre offene Rückbindung auf Werte, können ein Gegenmodell zu der Christdemokratin darstellen.“

Weil ihnen mit ihrem Welt-, Wirtschafts- und Gesellschaftsbild der fünfziger Jahre das Bürgertum wegläuft, versuchen sie es neu zu konstruieren. Aber wir reden von einer auseinanderfallenden Gesellschaft, von Wachstumskritik und Umbau der Industriegesellschaft, von gesellschaftlicher Liberalität und wirklicher Selbstbestimmung, davon, die Außenpolitik der Friedens- und Entwicklungspolitik unterzuordnen, von Verteilungsgerechtigkeit und Vermögensbesteuerung, von einem europäischen Bundesstaat – ich habe noch lange nicht alles aufgezählt.

Es wird sich sehr viel verändern müssen, damit vieles, was uns wichtig ist, auch so bleibt. Diese Entkernungs- und Übernahmeversuche spiegeln am Ende nur die tiefe Krise des Konservativismus wieder. Darauf fallen wir nicht rein, sollten alle Strömungen bei uns nicht hereinfallen.