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Medien: BBC neutral genug beim Thema Religion?

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Im Vereinigten Königreich wird über die Neutralität der Berichterstattung des Senders BBC diskutiert. Terry Anderson, Präsident der National Secular Society, kritisierte einen übergroßen Etat für religiöse Themen und äußerte Befürchtungen, dass die Senderleitung gegenüber den Forderungen der Kirche von England und anderen Religionsgemeinschaften einknicken könnte. Auch in Deutschland befindet sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk immer wieder in einer entsprechenden Kritik.
Montag, 15. Oktober 2012
TV-Zentrale der BBC. Foto: Mike Fleming / CC-BY-SA

TV-Zentrale der BBC in London. Foto: Mike Fleming / CC-BY-SA

Werden religiöse Themen in der BBC-Berichterstattung unparteiisch behandelt oder hat der Sender in der Vergangenheit gegen das Gebot der Neutralität verstoßen? Darüber wird derzeit im Vereinigten Königreich diskutiert.

Denn am vergangenen Mittwoch wurde bekannt, dass jetzt eine neue Überprüfung der Unparteilichkeit der Berichterstattung durchgeführt werden soll. Lord Patten, Vorsitzender des Rundfunkrats der BBC, begründete die Entscheidung mit entsprechenden Vorwürfen, die zuvor an den Sender gerichtet wurden.

Darin heißt es, die Berichterstattung sei nicht stets neutral genug gewesen. Die BBC soll tendenziös und zum Vorteil liberaler Positionen berichtet haben. Erst kürzlich warf die Boulevardzeitung Daily Mail der BBC in einem Kommentar beständige Attacken auf das Christentum vor.

Patten erklärte weiter, es werde bei der Prüfung um Themenbereiche gehen, wo die Menschen besonders darauf achten, dass der Sender eine korrekte Arbeit macht. „Wir denken es ist sehr wichtig, auf diese Kritik zu hören – nicht weil sie notwendigerweise zutreffend ist, sondern weil sie reale und interessante Sorgen widerspiegelt“, so Patten. Der Sender ist seinen eigenen Grundsätzen nach verpflichtet, alles zu tun, um Unparteilichkeit der BBC zu sichern.

Geprüft werden sollen nun die Inhalte der vergangenen fünf Jahre, die sich mit Religion, Immigration, der Europäischen Union und ähnlich kontroversen Themen befassten. Der Prüfungsbericht soll im kommenden Frühjahr vorgelegt werden.

„Wir befürchten, dass die BBC sich dem Druck der Kirche von England und anderen beugen wird und die Bedeutung der Religion in unserem nationalen Rundfunk stärker hervorheben wird“, sagte Terry Anderson, Präsident der National Secular Society, in einer ersten Stellungnahme zur angekündigten Prüfung. Bereits jetzt finanziere die BBC das Ressort „Religion und Ethik“ mit mehr als zehn Millionen Pfund jährlich, obwohl die sendereigenen Erhebungen häufig eine kaum messbare Publikumsmenge registrierten.

Sanderson erinnerte außerdem an die umfassende Berichterstattung, mit der die BBC den Besuch des katholischen Papstes Benedikt XVI. im September 2010 begleitet habe. Trotzdem Meinungsumfragen zeigten, dass ein ganz überwiegender Großteil der Bevölkerung dem als Staatsbesuch deklarierten Ereignis völlig gleichgültig gegenüber stand, habe es bei der BBC eine „erbärmliche Anbiederung und völlig unverhältnismäßige Berichterstattung“ gegeben.

Vorausgegangen war ein Besuch des BBC-Generaldirektors Mark Thompson im Vatikan. Der Rundfunkratsvorsitzende Patten selbst agierte als Sprecher der Nachrichtensendung Newsnights. Die Arbeit der BBC sei ein Paradebeispiel dafür gewesen, inwieweit der Sender einen falschen Ansatz bei religiösen Themen besitze, so Sanderson. Er drückte seine Hoffnung aus, dass die Untersuchung zu dem Ergebnis komme, dass religiöse Themen ein Interesse von eindeutigen Minderheiten darstellen und die Berichterstattung das widerspiegeln werde.

Auch in Deutschland gibt es immer wieder Kritik an öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, weil sie die Religionsgemeinschaften zu stark privilegieren würden. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Rolf Schwanitz äußerte zuletzt im Januar 2012 entsprechende Vorwürfe.

Als unangemessen beurteilte er die Besetzung des Medienrates in Sachsen. Zwar umfasst der ganz überwiegende Großteil der Bevölkerung konfessionsfreie Menschen, doch  „ihre weltanschauliche Vertretung wird quasi in die Hände von Religionsvertretern gelegt. Das ist absurd und zeigt die faktische Missachtung der mehrheitlich in Sachsen vertretenen Weltanschauungen.“

Ähnlich kritisch äußerte sich im Mai der Geschäftsführer des Humanistischen Verbandes Berlin-Brandenburg, Manfred Isemeyer. „Es ist nicht länger hinnehmbar, dass einzelne religiöse Organisationen überproportional im Rundfunkrat vertreten sind, während Humanisten und Konfessionsfreie keine entsprechende Interessensvertretung im Rundfunkrat besitzen“, so Isemeyer in einer Stellungnahme zur Reformdiskussion im Berliner Senat. Er forderte deshalb eine konsequente Neubesetzung des Rundfunkrates des RBB.

Auch die ARD wurde im Zuge der kontroversen Reise von Papst Benedikt XVI. nach Deutschland 2011 deutlich kritisiert, weil sie dem umstrittenen Kirchenoberhaupt unter anderem den Redeplatz beim „Wort zum Sonntag“ eingeräumt hatte. HVD-Präsident Frieder Otto Wolf bemängelte damals die „einseitige Konzeption“ des Formats und plädierte für eine Reform, damit „einer unzeitgemäßen und diskriminierenden Dominanz“ von kirchlichen Vertretern im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ein Ende gesetzt wird. Es gebe allen Grund, dass mehr als fünf Jahrzehnte nach Einrichtung des Sendeplatzes auch „nichtreligiöse und andersgläubige Bürgerinnen und Bürger eine ihren Anschauungen entsprechende Plattform zur regelmäßigen Wortmeldung“ erhalten, so Wolf.

Doch von kirchlicher Seite gibt es ebenfalls Kritik an den Sendern. So berichtete am Sonntag das Kölner Domradio, dass Religion nach Ansicht der Literaturwissenschaftlerin Claudia Stockinger in der beliebten Krimi-Serie „Tatort“ nicht lustig und humorvoll genug dargestellt wird. Stockinger hatte 400 Folgen auf religiöse Themen und Motive hin untersucht und wurde gestern für die Arbeit mit dem mit 2.000 Euro dotierten Bad Herrenalber Akademiepreis ausgezeichnet.