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„Menschen sind ein Produkt der Evolution auf der Erde“

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Als erster Deutscher startete Sigmund Jähn am 26. August 1978 in den Weltraum. 35 Jahre nach dem Beginn seiner Reise zur sowjetischen Raumstation Saljut 6 sagt der Raumfahrer Jähn, statt andere Planeten besiedeln zu wollen, sollten die Menschen lieber lernen, humanistisch zu leben und aufhören, ihren Planeten zu zerstören.
Montag, 26. August 2013
Foto: T. Hummitzsch

„Je mehr wir die Erde ausbeuten, desto schlimmer wird es doch“. | Foto: T. Hummitzsch

Buzz Aldrin, einer Ihrer amerikanischen Raumfahrer-Kollegen, plädierte vor einem Jahr in der Zeitschrift MIT Technology Review für die Besiedlung des Welltraums. Aldrin meinte, es sei die einzige Chance für die Menschheit, langfristig zu überleben. Teilen Sie seine Meinung?

Ich neige eher dazu, zu sagen, dass der Mensch die Spitze einer evolutionären Entwicklung des Lebens auf der Erde ist. Man muss sich nur vorstellen wie eng begrenzt unsere Möglichkeiten sind, in denen wir leben. Schon ab 5.000 bis 6.000 Meter Höhe ist auf der Erde die Grenze des Lebens ohne technische Hilfsmittel erreicht. Wir sind auch an einen relativ engen Lebensbereich Bereich bei Temperaturen, Atemluft usw. gebunden. Wenn da nun jemand sagt, wir sollen auswandern nach dem wir die Erde kaputt gemacht haben – so scheint das ja gedacht – bin ich skeptisch. Die Schönheit der irdischen Natur einzutauschen für eine technische Welt „unter einem Glasdach“ halte ich nicht für wünschenswert.

Ich glaube, es ging bei Buzz Aldrin auch ein bisschen mehr in die Richtung sicherzustellen, dass es menschliche Populationen außerhalb der Erde gibt. Denn es könnte auch der – nicht sehr wahrscheinliche, aber auch nicht unmögliche – Fall eintreten, dass einmal wieder ein großer Asteroid auf der Erde einschlägt. Wir haben ja bisher nur diesen einen, ziemlich verletzlichen Planeten als Lebensraum.

In unserem Planetensystem gibt es da keine Chance für ein Leben unter normalen irdischen Bedingungen. Auf dem Mars herrschen andere Bedingungen, auf der Venus mit 500 Grad Temperatur sowieso. Also müssten wir weiter denken, an einen Planeten der irgendwo einen anderen Stern umkreist. Allerdings ist der nächste Stern mehr als 4 Lichtjahre von uns entfernt

Und wenn Sie davon sprechen, dass Asteroiden unseren Lebensraum zerstören könnten: Das ist ein aktuelles Thema. Es gibt ja bereits Forschungen in der Richtung, wie sich Asteroiden ablenken lassen damit sie die Erde nicht treffen. Das halte ich auch für ein gutes Ziel, denn ich habe das Territorium des Einschlages eines kleinen Himmelskörpers von 1906 im Gebiet der Tunguska in Sibirien gesehen. Und ich kann sagen, es war schon eine Glückssache für die Menschen, dass da nicht mehr passiert ist und der kleine Himmelskörper über einer fast unbewohnten Gegend heruntergekommen ist.

In der Richtung hat die Forschung und auch die bemannte Raumfahrt sichere Perspektiven, darüber denken auch die Amerikaner verstärkt nach. Vor dem Flug zum Mars will man erst einmal einen Asteroiden anfliegen und nach Möglichkeit auch auf ihm landen.

Irgendwann sollten die Menschen einmal humanistisch leben. Wenn es gelingt, die Geburtenraten zu beherrschen, dann ist die Erde der ideale Platz zum Leben. Allerdings muss man dann auch die alten Losungen aufgeben. Je mehr wir die Erde ausbeuten, desto schlimmer wird es doch. In Verhaltensweisen oder Ideologien wie „Kauft, Leute, kauft, auch wenn ihr es wegschmeißt“ liegt doch der Ursprung solcher Gedanken, dass wir die Erde irgendwann irgendwohin hin in das All verlassen müssen.

Da sind doch die Ideen vom Terraforming auf dem Mars, um ihn lebensfreundlicher zu machen. Die Menschen sollen Habitate errichten und von dort aus beginnen, die Umgebung zu verändern. Sicherlich lässt sich die Gravitation nicht ändern. Aber es geht hier doch um die Herstellung von begrenzten Regionen, in denen Menschen leben können.

Ich habe da früher auch von solchen Ideen gelesen und in diese Richtung gedacht. Heute sage ich mir: Die Menschen sind ein Produkt der Evolution auf der Erde. Die Erde ist ihr natürlicher Lebensraum. Das schließt nicht aus, dass Menschen andere Planeten besuchen und vielleicht im Interesse der Erde auf ihnen tätig werden.

Was heißt es denn, humanistisch zu leben?

Sich nicht gegenseitig umzubringen, sondern friedlich miteinander zu leben. Das meine ich, wenn ich davon rede, dass Menschen humanistischer miteinander leben sollten.