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Vier Mädchen, vier Entscheidungen, vier Schwangerschaften

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Der Film „Vierzehn“ begleitet vier Teenager in ihrer Schwangerschaft bis zur Geburt ihrer Kinder. Die Teenager: das sind Lisa, Steffi, Fabienne und Laura. Der Film zeigt, wie es ist, verliebt zu sein, körperliche Nähe zu verspüren, sich auszuprobieren und das erste Mal zu erleben. Und was es bedeutet, zu verhüten oder zu glauben, beim ersten Mal passiert schon nichts.
Mittwoch, 29. Mai 2013
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Mädchen mit Babypuppen | © Kinderfilm GmbH

Lisa, Steffi, Fabienne und Laura sind jung, verliebt und haben Sex. Es wird schon nichts passieren, denken sie. Und doch passiert es: eine ungewollte Schwangerschaft tritt ein. Die vier Vierzehnjährigen können es nicht glauben, wollen verdrängen. Sie haben nicht mit einer Schwangerschaft gerechnet, sie nicht geplant. Zunächst hoffen sie, dass der Schwangerschaftstest ein falsches Ergebnis angezeigt hat oder dass sich die Schwangerschaft durch „Tritte“ in den Bauch auflöst.

Hier sind die Mädchen stark gefragt, sie brauchen Vertrauen zu sich selbst, ohne dabei den Blick auf das Ganze zu verlieren. Die Frage steht im Raum: abtreiben oder die Schwangerschaft austragen? Alle vier Mädchen beschließen, trotz unterschiedlicher Haltungen ihres sozialen Umfeldes, die Kinder auf die Welt zu bringen. Der Film Vierzehn, der im letzten Jahr auf der Berlinale in der Generationenreihe gezeigt wurde und seit letzter Woche in den Kinos zu sehen ist, zeigt rührend und sensibel die Veränderungen der Teenager. Er zeigt ihre Ängste, Zweifel und Freude in Bezug auf ihre Schwangerschaft. Er beleuchtet ihre Situation in der Schule, Elternhaus und Partnerschaft. Er lässt uns Einblicke gewinnen in Geburt, Familienleben und Trennungen. Er regt an, nachzudenken, über Mutterschaft, Vaterrolle, Verantwortung, Verhütung und Paarbeziehung.

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Fabienne ist eines der in "Vierzehn" vier porträtierten Mädchen | © Kinderfilm GmbH

Teenagerschwangerschaften sind in unserer Gesellschaft mit starken Vorurteilen behaftet. Jugendliche, die sich mitten in der Adoleszenz befinden, wollen rebellieren, sich vom Elternhaus lösen, gerne auf Partys gehen, rauchen, trinken und Sexualität erleben. Und diese Jugendlichen sollen Verantwortung für ein Kind übernehmen können? Eine Vielzahl von Anforderungen bewältigen? Jugendliche sollen sich Einfinden in die Gesellschaft der Erwachsenen und ihre eigene Identität ausbilden. Es ist eine großer emotionaler Veränderungsprozess, ein Hin und Hergerissen sein zwischen jugendlichen Wünschen und den Anforderungen und der Verantwortung, die ein Leben mit einem Kind in sich birgt.

Jede Schwangerschaft stellt eine Herausforderung an den Einzelnen und an das werdende Elternpaar dar. Der neue kleine Mensch macht aus der Zweierbeziehung eine Familie, aus dem Liebespaar ein Elternpaar. Der kleine Mensch braucht Liebe, Zeit, Zuneigung, Energie und greift stark in unseren sensiblen Lebensraum ein. Der Übergang zur Elternschaft ist ein prozesshaftes Geschehen, welcher neue Aufgaben mit Chancen und Risiken in sich birgt.

Die Intention der Regisseurin für diesen Film sei es gewesen, zu zeigen, dass die Mädchen in ihrer Situation nicht alleine sind. Es ist ihr an vielen Stellen gelungen. Jedoch wäre es wünschenswert gewesen, den Zuschauern zu eröffnen, welche konkreten Hilfen Jugendliche auf ihren Weg der Entscheidung in Anspruch nehmen können, wo sie Rat, Unterstützung und Entlastung erfahren können.

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Die Mädchen geben alles. Lisa mit Baby in der Schule | © Kinderfilm GmbH

Dennoch: die Kamera ist immer nah dran, schonungslos ehrlich und ohne Vorurteile. Ein Film, der zeigt, dass es nicht einfach ist, mit 14 ein Kind zu bekommen. Und trotzdem geben die Jugendlichen alles, um ihrer neuen Aufgabe gerecht zu werden und wachsen durch die neuen Anforderungen an einigen Stellen über sich hinaus. Diese Veränderungsprozesse begleitet die Regisseurin Cornelia Grünberg mit großer Empathie. Sie liefert uns einen Dokumentarfilm, der zu einem Gespräch zum Thema Schwangere Minderjährige einlädt, auch mit Jugendlichen.

Gespannt können wir auf den nächsten Film von Cornelia Grünberg sein, der den Titel Achtzehn trägt und den Weg der volljährigen Protagonistinnen von Vierzehn dokumentiert.

Vierzehn Plakat

Cornelia Grünberg: Vierzehn. 90 Minuten. FSK: k.A.

Trailer "Vierzehn"