Direkt zum Inhalt

Regenwald retten mit Öko-Pornos

Druckversion
Ficken für den Regenwald? Na gut, warum auch nicht. Es gab schon sehr viel weniger noble Beweggründe, sich und seine Freunde beim Kopulieren aufzunehmen und die Filmchen dann gegen Bares ins Netz zu stellen. Der Film "Fuck for Forest" erzählt von einem anrührend naiven Projekt.
Montag, 13. Mai 2013
Fuck for Forest

Dan (links) und Kaajal (rechts) machen Morgengymnastik im Adamskostüm. | © Neue Visionen Filmverleih

Fuck For Forest ist ein gemeinnütziges Projekt, bei dem genau das auf dem Plan steht: Ficken für den Regenwald. Der gleichnamige Film ist eine Dokumentation über eine Gruppe junger Aktivisten, die ihre Leidenschaften Umweltschutz, Kunst und Vögeln, zusammenbringen. Vor mittlerweile sieben Jahren hat der polnische Regisseur Michał Marczak einige der beteiligten (Lebens)Künstler drei Monate lang begleitet und konnte die Kritiker, trotz Kontroversen um die Methoden der 2004 in Norwegen gegründeten gemeinnützigen Vereinigung, begeistern. Beim Internationalen Filmfestival in Warschau gewann er mit seinem Beitrag den Preis für den besten Dokumentarfilm.

Der Film ist weniger ein Portrait des Projekts selbst, als das seiner Mitglieder. Bevor man als Zuschauer irgendetwas über Fuck For Forest erfährt, lernt man die Protagonisten auf sehr intime Weise kennen - und das hat, anders als man vermuten könnte, wenig damit zu tun, dass man sie nackt und in Positionen sieht, in denen die meisten Menschen nicht so gerne gesehen, geschweige denn für ein selektiv interessiertes Publikum aufgezeichnet werden möchten. Marczak begleitet die norwegisch-schwedisch-deutsche Truppe von Bergen nach Brasilien und dabei durch ihren Berliner Alltag zwischen WG-Leben, PR-Aktionen und ihrer eigentlichen Arbeit - nämlich sich gegenseitig bei der Ausübung der freien Liebe zu filmen und zu fotografieren. Der polnische Regisseur beweist ein gutes Händchen dabei, diese Momente in Szene zu setzen. So konfrontativ und demonstrativ ungehemmt sich die Gruppe oft nach außen gibt, so unaufgeregt und unaufdringlich sieht man die jungen Aktivisten bei ihren sexuellen Praktiken. 

Fuck for Forest 2

Live-Sex für den guten Zweck. Tommy und Kaajal bei einer Performance in Berlin. | © Neue Visionen Filmverleih

Die Dokumentation kommt mit Originalton, wenigen Kommentaren aus dem Off und streckenweise gänzlich ohne Worte aus. Die Musik begleitet das Geschehen genauso hintergründig, auch wenn sie in einigen Momentaufnahmen den Eindruck künstlich verstärkt, dass es sich bei dem ein oder anderen Regenwald-Retter selbst um ein zartes Pflänzchen handelt, dass der Rettung bedarf.

Fuck For Forest ist ein Film über einen alternativen Lebensentwurf. Selbst wenn man bei der Naivität Bauchschmerzen bekommt, mit der die Porno-Aktivisten mit ihrem mittlerweile stattlichen Vermögen an Spendengeldern in den südamerikanischen Dschungel ziehen um den "kleinen Indianern" das Land zu schenken, auf dem sie seit Generationen leben, kann man sich von der Lebensfreude, dem Leiden des eigenen irdischen Daseins und der kindlichen Unbekümmertheit dieser Neuzeit-Blumenkinder anstecken lassen. Der Film berührt durch die Nähe zu den Protagonisten und die Unverfälschtheit ihrer unterschiedlichen und durchaus auch mal aneinander geratenden Persönlichkeiten. 

Fuck for Forest 3

Auf zu neuen Ufern: Dan auf dem Weg in den Regenwald. | © Neue Visionen Filmverleih

Marczak ist ein intimes Porträt von Menschen gelungen, die mit viel gutem Willen auszogen um bedrohte Artgenossen ihrer eigenen Spezies vor dem Aussterben zu retten. Dabei muss man sich oft fragen, ob sie mit der mangelnden Unverkrampftheit im Umgang mit ihrer eigenen Sexualität und ihrem, zugegeben oft fehlgelenktem, aber dennoch leidenschaftlichen Engagement nicht selbst zu einer bedrohten Art gehören.

Nicht nur äußerlich unterscheiden sich die Öko-Porno-Darsteller vom Rest des Schwarms, der morgens um 8 Uhr ins Büro fährt und sich, wenn überhaupt, erst nach Feierabend verwirklicht. Doch spätestens das Scheitern an sich selbst, die Sehnsucht nach Zuneigung, Identität und Sinn im eigenen Schaffen, reiht die bunten, halbnackten Blumenkinder wieder ein in die Spezies eines eventuell befremdeten oder peinlich berührten Zuschauers. 

Wen das nicht mit den Augen rollen lässt, der wird mit Fuck For Forest einen sehenswerten Film vor sich haben.

Fuck for Forest Filmplakat

Fuck For Forest. Ab dem 13. Juni 2013 in den deutschen Kinos.

Internetseite zum Film.