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Rezensionen

Fuck for Forest Filmplakat
Ficken für den Regenwald? Na gut, warum auch nicht. Es gab schon sehr viel weniger noble Beweggründe, sich und seine Freunde beim Kopulieren aufzunehmen und die Filmchen dann gegen Bares ins Netz zu stellen. Der Film "Fuck for Forest" erzählt von einem anrührend naiven Projekt.
Helmut Witz: Adorno
Helmut Wietz' Comic „Der Tod von Adorno“ ist in seinem pseudoavantgardistischen Anspruch eine Zumutung für jeden Comicfan und ein Beleg dafür, dass man nicht alles, was man in seinen revolutionären Zeiten begonnen hat, auch beenden muss.
Beyer_Lust: Flughunde
Wie erzählt man vom lärmenden Brand des Zweiten Weltkriegs? Marcel Beyer fand in seinem als Sprachkunstwerk gerühmten Roman „Flughunde“ die richtigen Worte. Die preisgekrönte Comiczeichnerin Ulli Lust hat den Roman nun in noch besseren Bildern als Comic adaptiert.
Jared Diamond: Vermächtnis
Ein Universalgelehrter ist der amerikanische Evolutionsbiologe Jared Diamond zweifelsohne. Nach seinen umwerfenden Studien über die Schicksale menschlicher Gesellschaften und der Gründe ihres Sterbens oder Überlebens legt er mit „Vermächtnis“ eine Art Resümee seiner anthropologischen Studien vor, in der er erklärt, was wir von den traditionellen Gesellschaften lernen können.
Heinemann: Populäre Wissenschaft
Um es gleich zu sagen: Ein hervorragendes Buch. Der Autor klärt uns darüber auf, wie es einigen Hirnforschern und Medienleuten in den letzten Jahren gelungen ist, die Hirnforschung zur populären Leitwissenschaft unserer neoliberalen Gesellschaft zu machen. Diese Geschichte ist viel spannender als alles, was uns die Hirnforschung in den letzten zwanzig Jahren an angeblich neuen Erkenntnissen präsentiert hat.
Armin Krishnan: Gezielte Tötung
Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat bestätigt, dass die Bundesregierung in den USA wegen des Kaufs von Kampfdrohnen angefragt hat. Der Sicherheitsexperte Armin Krishan legt mit „Gezielte Tötung“ eine schonungslose Analyse der Drohnentechnologie und ihrer verheerenden Potentiale vor, die das Bild einer düsteren Zukunft zeichnet. Möglicherweise, so Krishnan, steuern wir auf die alptraumhafte Zukunft eines ‚Terminator-Planeten’ zu.
Kaldor: Unsere beste Waffe ist keine Waffe
Die Rede von den „Neuen Kriegen“ ist zu einer der meist zitierten Floskeln des internationalen politischen Diskurses verkommen. Zwei Neuerscheinungen lassen diese Floskel in einem neuen Licht erscheinen und regen die Diskussion um kriegerische Konflikte und ihre Lösungen im 21. Jahrhundert neu an. Im ersten Teil unserer Doppelrezension stellen wir „Unser beste Waffe ist keine Waffe“ von Mary Kaldor und Shannon D. Beebe vor.
Andrew Feinstein: Waffenhandel
Von 1997 bis 2001 repräsentierte der in Kapstadt geborene Andrew Feinstein den ANC in der südafrikanischen Nationalversammlung. Mittlerweile lebt der weiße Journalist in London. Sein Blick hinter die Kulissen des weltweiten Waffenhandels ist erhellend und schockierend.
Yanko Tsvetkov: Atlas der Vorurteile
Jeder sieht die Welt mit eigenen Augen. Dieses Prinzip hat Yanko Tsvetkov auf Landkarten angewandt. Entstanden ist dabei ein „Atlas der Vorurteile“ mit tiefgründigen Welt- und Denkbildern, die Klischees als unreflektierte Bequemlichkeiten entlarven.
Richard Rickelmann: Tödliche Ernte
Hühner- und Schweinemast in riesigen Anlage, gentechnisch veränderte Pflanzen, üppige EU-Agrarsubventionen, die v.a. Großbetrieben nützen – das sind nur einige Stichpunkte, die der Agrar- und Lebensmittelindustrie einen schlechten Ruf verschafft haben. Der frühere ‘stern‘-Reporter Richard Rickelmann belegt in seinem Sachbuch ‘Tödliche Ernte‘, dass die Lage noch weit schlimmer ist als die Stimmung der meisten Konsumenten.
Jochen Schmidt: Schneckenmühle
Unser Autor Stefan Möller ist mit Jochen Schmidt und seinem Roman "Schneckenmühle" noch ein letztes Mal ins DDR-Ferienlager gefahren und erinnert sich an diese unbeschwert-aufregende Zeit, in der die Unterhaltungen von Pubertierenden aus einer magischen Mischung aus Halbwissen, Klugscheißen, Sexismus, Mythen und Unbedarftheit bestanden, vorgetragen mit der Chuzpe, die man aufbringt am Übergang zwischen Kindheit und Erwachsenwerden. Keine Ostalgie, sondern Kindheitserinnerung!
Paradies Glaube Filmplakat
Als erster Filmemacher wurde der Österreicher Ulrich Seidl innerhalb eines Jahres mit drei verschiedenen Filmen zu den drei wichtigsten Europäischen Filmfestspielen in Cannes, Venedig und Berlin eingeladen. Im Rahmen einer Sondervorstellung bei der Berlinale konnte man die drei Filme erstmals am Stück sehen.
Was bleibt
Eine Familie bricht auseinander und ihre einzelnen Bestandteile werden auf sich selbst zurückgeworfen. In dem Film "Was bleibt" von Hans-Christian Schmidt werden die Abgründe in unserer sicheren Existenz ausgemessen, auch wenn am Ende einige Fragen im Raum stehen bleiben.
Birk Meinhardt: Brüder und Schwestern
Birk Meinhardt erzählt in seinem monumentalen Roman „Brüder und Schwestern“ vom Leben der „Arbeiterklasse“ in der DDR und vom Auf- und Abladen der Schuld in einer Kompromissgesellschaft, in der das größte Vergehen darin bestand, den Drang nach Freiheit zu verspüren.
Anna Weidenholzer: Der Winter tut den Fischen gut
Die Wiener Schriftstellerin Anna Weidenholzer lässt in ihrem poetischen Roman „Der Winter tut den Fischen gut“ ein Leben rückwärts laufen und entblößt dabei das entwürdigende System der modernen Arbeitswelt. Das Online-Voting zum Messepreis hat die Wiener Autorin mit ihrem Debütroman schon gewonnen.
Ralph Dohrmann: Kronhardt
Auf über 900 Seiten mal eben die gesamte bundesrepublikanische Geschichte abhandeln, dazu noch die große Weltgeschichte und ein paar Ausflüge zurück ins Kaiserreich und zu den Nazis. Man kann nicht behaupten, dass es Ralph Dohrmann mit seinem ersten Roman "Kronhardt" klein angehen lassen hat. Das Ergebnis ist allerdings nur in Teilen gelungen.
Lisa Kränzler: Nachhinein
Im vergangenen Jahr gewann Lisa Kränzler überraschend den 3sat-Preis beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt. Mit ihrem Auszug „Willste abhauen“ aus ihrem vor wenigen Wochen erschienenen Roman über zwei ungleiche Mädchen überzeugte sie die Jury. Nun könnte sie mit „Nachhinein“ einen weiteren Preis gewinnen.
David Wagner: Leben
Essayistisch reflektiert David Wagner sein „Leben“ mit einer seine Leber zerstörenden Autoimmunerkrankung und die Auseinandersetzung mit der lebensrettenden Organtransplantation und schwankt dabei zwischen Genialität und Langeweile.
Götz Aly: Die Belasteten
200.000 Menschen wurden im Zuge der nationalsozialistischen Euthanasie-Aktionen zwischen 1939 und 1945 ermordet. Götz Aly hat die Geschichte dieser Massenmorde untersucht und mit seiner Studie „Die Belasteten“ den Opfern den Gedenkstein gesetzt, der ihnen bis heute verweigert wird.
Wolfgang Streck: Gekaufte Zeit
Der Direktor des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung Wolfgang Streeck beschreibt in seiner Frankfurter Adorno-Vorlesung die Ursprünge der gegenwärtigen Krisen, die er als Resultat der langen neoliberalen Transformation des Nachkriegskapitalismus beschreibt. Allerdings fehlt ihm die Phantasie für zukunftsfähige Lösungsansätze.