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Mitgliederversammlung der Europäischen Humanistischen Föderation (EHF)

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In Utrecht (Niederlande) trafen sich in diesem Jahr Humanistinnen und Humanisten aus Europa, um ihre zukünftige Politik zu planen. Dies geschah vor dem Hintergrund erneuter Angriffe reaktionärer religiöser Organisationen wie „European Dignity Watch“ oder des evangelikalen „European Centre for Law and Justice“, die der EHF militante Anti-Religiosität und Intoleranz unterstellten.
Montag, 11. Juni 2012

Diese feindselige Haltung stehe entgegen den Menschenrechten wird behauptet. Die Delegierten der EHF erkennen eine neue Strategie einiger religiöser Gruppen darin, mit dem Verweis auf die Menschenrechte die „Diskriminierung der Religion" anzuklagen. Das dies eine völlige Umkehrung der Realität darstellt, ist dieser Verwirrungstaktik immanent.

Die Mitgliederversammlung der EHF einigte sich auf ein Positionspapier zur Drogenpolitik, in der die Europäischen Humanisten fordern, dass die bisherige „verheerend gescheiterte" Verbotspolitik beendet wird und sie sich besser an den liberalen Lösungen wie in den Niederlanden orientieren sollte. Das entsprechende Grundlagenpapier hatte die EHF bereits im Januar vorgelegt, als sie auf ein Dokument der Europäischen Kommission reagierte, in dem die Justizkommissare ein entschlosseneres Vorgehen gegen Drogenhandel und -konsum fordern (COM (2011) 689/2).

Außerdem verständigten sich die Delegierten auf eine gemeinsame Haltung zur Verweigerung aus Gewissensgründen z.B. bei Ärzten, die ablehnen bestimmte medizinische Eingriffe – häufig bei Frauen – vorzunehmen. Das Recht auf Selbstbestimmung in Gewissensfragen darf nicht grundsätzlich mit dem Recht der Selbstbestimmung anderer kollidieren, so das Papier. In Fällen, wo nationale Regelungen durch die Berufung auf Gewissensfragen in großem Maße unterlaufen werden, etwa beim Recht auf medizinische Behandlung (Künstliche Befruchtung, Abtreibungen, Sterbehilfe), müsse auch über eine Einschränkung der individuellen Berufung auf Gewissensfragen nachgedacht werden.

Nach einem langen Streit um Gelder für die Stammzellenforschung im Europaparlament positionierte sich die EHF außerdem zur Forschungsförderung der Europäischen Union. Demnach soll die Freiheit der Wissenschaft verteidigt werden, gegen den Wunsch vieler Religionsgemeinschaften die gerade bei Fragen der Reproduktionsmedizin diese Freiheit beschränken wollen. Die ausführlichen Erklärungen können auf der Homepage der EHF gelesen werden.

Besonders erfreulich war die Aufnahme von Verbänden aus Dänemark, Portugal, der Schweiz, Frankreich und Griechenland. Dabei ist besonders die Ligue de l'Enseignement aus Frankreich mit ihren zwei Millionen Mitgliedern hervorzuheben. Der langjährige EHF-Vorsitzende David Pollock kandidierte nicht mehr und wurde mit großer Dankbarkeit für seine geleistet Arbeit verabschiedet. Neuer Vorsitzender ist Pierre Galland vom Centre d'Action Laique aus Belgien. Aus Deutschland gehören Renate Bauer (Stellvertretende Vorsitzende) und Werner Schultz dem neuen Vorstand an.

Der Mitgliederversammlung schloss sich ein Kongress der holländischen Humanisten unter dem Motto Humanism and Resilience an. Der Begriff Resilience (dt. Widerstand) war für viele Teilnehmende ungewöhnlich, hat aber für die Niederländer eine große Bedeutung. Er bezieht sich auf die Stärkung der humanistischen Identität, der Widerstandsfähigkeit gegenüber Dogmatismus und Fundamentalismus.

Die vielen Workshops, Vorträge und Diskussionen zeigten, welche Dynamik in den unterschiedlichen humanistischen Verbänden existiert und wie viel voneinander gelernt werden kann. Besonders positiv erlebten alle, dass der starke Humanistische Verband der Niederlande wieder intensiv an der internationalen Diskussion teilnimmt. Er hatte sich in den vergangenen Jahren vorwiegend auf seine nationalen Aufgaben konzentriert.