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Konfessionslosigkeit und kirchliche Ratlosigkeit

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Die „Konfessionslosigkeit in unserer Gesellschaft“ war Thema einer Tagung der Evangelischen Akademie Baden in Herrenalb am letzten Februarwochenende 2012. Wie der Austragungsort vermuten lässt, stand dabei im Vordergrund, welche Herausforderungen sich aus der Konfessionslosigkeit für die (evangelischen) Kirchen ergeben. Eingeladen waren interessante Referenten, die auch in der säkularen Szene einen Namen haben.
Montag, 19. März 2012
Konfessionslosigkeit

Welche Herausforderungen ergeben sich aus der zunehmenden Konfessionslosigkeit in der Bevölkerung für die Kirchen? Diese Frage stand im Zentrum der Tagung Spirituell? Ja! – Aber wozu Kirche? Konfessionslosigkeit in unserer Gesellschaft, die Ende Februar in Bad Herrenalb stattfand. Eingeladen waren u.a. Nils Opitz-Leifheit und Joachim Kahl. Neue Erkenntnisse für die säkulare Community habe es jedoch nicht gegeben, so unser Autor Joachim Grebe. Aber der Reihe nach...

Nils Opitz-Leifheit hatte in der ersten Runde Gelegenheit, die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten für die Trennung von Staat und Religion – Laizistinnen und Laizisten in der SPD vorzustellen. Er zeigte gesellschaftliche Trends auf, die schon bis heute zu einem beträchtlichen Mitglieder- und Bedeutungsschwund bei den Kirchen geführt haben. Er prognostizierte, dass in ca. zehn Jahren nur weniger als die Hälfte der deutschen Bevölkerung den großen christlichen Kirchen angehören werden und der Anteil der Konfessionslosen, der jetzt schon ca. ein Drittel beträgt,  weiter ansteigen wird. Das Verhältnis von Staat und Kirchen müsse neu bestimmt werden mit dem Ziel einer konsequenteren Trennung und einer absoluten Neutralität des Staates gegenüber den Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften. Der Kürze halber sei auf die elf Hauptforderungen der SPD-LaizistInnen auf deren Homepage verwiesen.

Der frühere Kirchenjurist der Badischen Landeskirche Prof. Dr. Jörg Winter unterstützte die Forderung nach der Neutralität des deutschen Staates auf der Grundlage entsprechender Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts. Er plädierte jedoch gegen einen strengen Laizismus im Sinne des französischen Modells, der sich freiheitsfeindlich auswirke. Er sprach sich für eine religionsfreundliche und –fördernde Laizität aus. Hinsichtlich der Staatsleistungen, die er auch für überprüfungswürdig hielt, wies er auf die notwendige Initiative des Bundesgesetzgebers hin. Wo das Christentum theoretisch oder praktisch einen Vorrang bisher beansprucht habe, sei dies durch Maßnahmen mit dem Ziel einer Gleichbehandlung zu korrigieren.

Welche Rolle kann eine humanistische Spiritualität künftig spielen?

Der Philosoph Dr. Dr. Joachim Kahl war eingeladen als „ein Hauptvertreter eines dialogfähigen atheistischen Humanismus", so der Flyer zur Veranstaltung. Seine Bekanntheit auch in Kirchenkreisen ist begründet in dem erfolgreichen Buch Das Elend des Christentums oder Plädoyer für eine Humanität ohne Gott (1968) und in dem späteren Buch Weltlicher Humanismus. Außerdem steht er für diejenigen Konfessionslosen, die sich im Humanistischen Verband Deutschlands (HVD) und ähnlichen freidenkerischen Organisationen zusammengeschlossen haben. Er hat den HVD mit gegründet. Er umriss seine Position als einen säkularen Humanismus in Wort und Tat und plädierte dafür, die Religion als religiöses Kulturerbe zu bewahren, d.h. zu musealisieren. Der Mensch sei kein Ebenbild Gottes, sondern ein vorbildloses Geschöpf der Natur, Produkt einer Evolution durch Irrtum und Zufall. Es gehe darum, sich erträglich einzurichten für ein kurzes Gastspiel auf einem Staubkorn im Weltall. Er plädierte für ein Leben in Würde und Schönheit, mit Anstand, Melancholie und Humor – ohne religiöse Überwölbung und Heilsmythen. Seinen „klassischen" A-Theismus leitete er aus einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Theodizee-Problem und dem Schöpfungsmythos her, um dann den mit Spannung erwarteten Einblick in eine atheistische Spiritualität (vgl. diesseits 1/2012) zu geben. In einer Interpretation des Gedichtes Abendlied von Gottfried Keller arbeitete er die Versöhnung mit einem endgültigen Tod, aber auch das Ja zum Leben mit einer epikureischen Haltung heraus. „Abschiedlichkeit und Lebensintensität durchdringen sich in den tiefen Gefühlen einer weltlichen Spiritualität."

Mit "individuellen Zeremonien" versucht die Kirche, Konfessionslose an ihre Angebote zu binden

Martina Görke-Sauer deckte mit ihrem Beitrag einen weiteren Aspekt der Konfessionslosigkeit ab. Als freie Theologin gestaltet sie unter dem Motto Des Menschen Wille ist sein Himmelreich individuelle Zeremonien – und zwar im „weltlichen", „diesseitigen" Segment, ohne religiösen Inhalt im Sinne etwa des Christentums. Die Zeremonien beziehen sich überwiegend auf die großen Lebenspassagen, die traditionell in kirchlichem Rahmen begangen wurden:  Begrüßung eines Kindes in der Welt, Erwachsenwerden, Begründung einer Lebenspartnerschaft und Abschied von Verstorbenen inklusive Trauerbegleitung. Es dürfen aber auch andere Anlässe sein wie herausgehobene Geburtstage, Auszug und Einzug aus Wohnungen, Richtfest, Trennungsrituale und was immer die Kundschaft feierlich begehen will. Allgemein sprach Martina Görke-Sauer von Orientierungs- und Wendepunkten des Lebens. Die Art der symbolischen Handlungen und die Örtlichkeit werden mit den Kunden so ausgehandelt, dass dies sich in ihrer individuellen Befindlichkeit und Lebensgeschichte ganz persönlich angesprochen fühlen. Die Menschen, die dem Ereignis beiwohnen sollen, werden nicht nach Konvention oder geprägtem (kirchlichen) Ritual ausgewählt, sondern nach dem Kriterium, wer nach dem Herzen dazu gehört. Sie werden dann in geeigneter Weise möglichst lust- und gefühlvoll in das Zeremoniell eingebunden. Gegenüber herkömmlichen „gebundenen"  Ritualen fehlen bei den „freien" Ritualen Tradition, Gewohnheit und Sicherheit in einem vertrauten Organisationskontext. Der Bedarf nach „freien" Ritualen wird aber gerade von Menschen artikuliert, die sich in den Angeboten der Kirchen nicht mehr zu Hause fühlen, die religiösen Inhalte ablehnen oder auch nur vergessen haben und die auf eine besondere Würdigung ihrer Individualität aus sind. Martina Görke-Sauer räumte ein, dass in diesem Feld eine Gefahr von Aktionismus, (Selbst-)Inszenierung, Individualität um jeden Preis und inhaltlicher Beliebigkeit existiere – eben ein Markt der unbegrenzten Möglichkeiten. Die Trauung eines Nudistenpaares während eines Fallschirmabsprungs würde ihren Rahmen jedenfalls sprengen, aber sicher nicht die Trauung in Badekleidung im Strandkorb, sagte sie. Zu erwähnen ist sicher noch, dass viele Beerdigungsinstitute Trauerfeiern mit ihrem eigenen Personal bestreiten, so dass dann weder kirchliches Personal noch private Zeremonienmeister gefragt sind – wohl nicht zuletzt aus Kostengründen. 

Konfessionslosigkeit Tagung

Was können die Säkularen. Einmal mehr präsentierte Dr. Andreas Fincke sein in Kirchenkreisen exklusives Wissen

Dem Pfarrer und Publizisten Dr. Andreas Fincke fiel die Rolle zu, die „selbst für Insider verwirrende Szene der Atheisten, Freidenker und Humanisten" vorzustellen. Er folgte dabei seinem bekannten Aufsatz Klein – aber einflussreich, Anspruch und Wirklichkeit kirchenkritischer Organisationen, der im Februar 2011 in der Herder Korrespondenz erschienen ist. Er konnte dabei auf seine Zeit bei der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen zurückgreifen. Fincke hält den Humanistischen Verband Deutschlands für die interessanteste Neugründung in der Szene, weil er sich nicht auf die klassischen Felder der Kirchenkritik reduzieren lasse. Vielmehr zeige sich, zumal in Berlin, auch die Kompetenz, ein den Kirchen vergleichbares breites Angebot zu unterbreiten: Akademiearbeit zur Selbstverständigung und theoretischen Grundlegung, Präsenz in den Medien zu aktuellen Themen, klare ethische Orientierung im Sinne von Barmherzigkeit und Solidarität, Angebot eines zum Religionsunterricht alternativen und offenbar attraktiven Lebenskundeunterrichts, Trägerschaft für eigene Sozialarbeit (u.a. Beratung div. Klientelgruppen, Kindertagesstätten, Hospize, Patientenverfügung). Der Giordano Bruno Stiftung (gbs) und ihren Aktivitäten bescheinigte er eine erstaunlich wirksame Präsenz in den Medien und Einflüsse bis in die politischen Parteien hinein. Auf die wichtigen Plattformen Humanistischer Pressedienst (hpd), Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid)  und unkonventionelle Medienauftritte wie wissenrockt.de und diesseits.de ging er ebenso ein wie auf die SPD-Laizisten und die neue laizistische Piratenpartei. Fincke konstatierte, die säkularen Humanisten hätten sich wohl mit ihren geringen Mitgliederzahlen arrangiert, seien aber trotzdem eine wichtige Strömung bei den Konfessionslosen mit zunehmendem Einfluss in der Öffentlichkeit. Wenn es medial wirksamere Leitungsfiguren gäbe, könnte auch die öffentliche Wahrnehmung noch deutlich zunehmen. Er empfahl den christlichen Kirchen dringend, diese Entwicklungen nicht länger zu ignorieren sondern einen aktiven Dialog zu eröffnen. Die Kirche müsse das Christentum – nicht zuletzt auch den Atheisten, Zweiflern und zunehmend Unkundigen in den eigenen Reihen – neu erklären, weil Inhalte und die Kommunikationsformen von vielen Zeitgenossen nicht mehr verstanden würden. Er sah die entscheidende Trennlinie in der deutschen Gesellschaft nicht zwischen den Christen und den engagierten Atheisten bzw. Humanisten, sondern zwischen den humanistisch engagierten Menschen mit verschiedenen Begründungskontexten auf der einen Seite und den Menschen, denen „alles wurscht" sei oder die sich in diffuse Patchwork-Religionen flüchteten.

Zwischen "Absage an das Primat der Vernunft" bis "radikale persönliche Freiheit" - Die apokalyptische Wirkung der Aufklärung aus Kirchensicht

Studienleiter Dr. Gernot Meier beleuchtete als Theologe und Kulturwissenschaftler weitere Aspekte der Konfessionslosigkeit. Er sah – im Anschluss an die Theoretiker der „Postmoderne" – folgende gesellschaftlichen Trends, die hier nur stichwortartig angesprochen werden sollen: Absage an das Primat der Vernunft, Verlust des autonomen Subjektes, Ablehnung universaler Wahrheitsansprüche, radikale persönliche Freiheit, Sektoralisierung der Gesellschaft, Eklektizismus,  Vieldeutigkeit, Codemixing, Aufgabe von Kohärenzansprüchen, Fragmentierung. Er unterstrich die riesige Bedeutung der Internetwelten zumal in der Form der Social Media. Als positives Beispiel nannte er das Projekt Wikipedia als Ausdruck einer „Schwarmintelligenz", das sich gegen alle skeptischen Voreinschätzungen durchgesetzt habe. An dem „viralen Marketing", dem Weiterreichen von Informationen – auch weltanschaulichen Inhaltes – über Facebook, Twitter und ähnliche Medien, komme auch die Kirche nicht vorbei. Das Teilen von Information und Gemeinschaft über viele Grenzen hinweg und Inventionen durch gemeinschaftliche Arbeit seien positive Merkmale der neuen Entwicklung.

Dem verwunderten – weil teilweise schon recht betagten - Teilnehmerkreis der Evangelischen Akademie führte Dr. Gernot Meier „neu ausgehandelte Formen der Zugehörigkeit, Teilnahme und Partizipation" auch für den Bereich religiöse Gemeinde, religiöse Bewegung und religiöse Projekte vor. Bizarr mag einem erscheinen, wenn man als Avatar am Gottesdienst in einer auf dem Bildschirm abgebildete Trickfilmkirche teilnehmen kann, um – bei entsprechender Ergriffenheit – aufzustehen und „Amen" oder „Halleluja" zu rufen. Statt einen Pilgerweg selbst zu erwandern, kann man in einer Kirche Videoinstallationen betrachten, die – untermalt von gregorianisch klingender Musik – einem eine Art von Pilgergefühl vermittelt. Im Hamburgprojekt werden beispielsweise in Filmtheatern Kulturevents veranstaltet, die Videokunst, Lifemusik, Discogefühl und Raps und Songs mit religiösen Botschaften vermischen (Gott ist mein DJ) und eine Nachbereitung mit dem Predigt-Podcast in der Bahn ermöglicht. Diese Erscheinungen und entsprechende Auftritte in den Social-Media-Kanälen werden teilweise gefördert von charismatischen freikirchlichen Strömungen, die damit außer den eigenen Mitgliedern auch missionarisch den Bereich der Konfessionslosen erreichen wollen. Daneben gibt es aber auch unter dem Stichwort Emerging Churches Gemeinschaftsbildungen, die sich den klassischen Konfessionen nicht zuordnen lassen und neue Formen der religiösen Inhalte und Formen ausprägen.

Was können die Kirchen von Humanisten und Säkulare lernen?

Den Schlüssel-Vortrag aus Sicht der Kirche dürfte Dr. Matthias Kreplin gehalten haben, der bei der Evangelischen Landeskirche Baden das Referat Verkündigung in Gemeinde und Gesellschaft leitet. Er stellte die Gretchenfrage, wie die Kirchen die Herausforderungen der Konfessionslosigkeit meistern könnten. Die zu bewältigenden Phänomene benannte er wie folgt:

  • Multioptionalität wie in den jungen Zeiten des Christentums – Wahl des Gottes bzw. der Weltanschauung, die dem Individuum am besten „gefällt"
  • Individualismus und Freiheit auf Kosten der Großorganisationen – Verlust traditioneller Gemeinschaft
  • Synkretismus und Eklektik – wie Matthias Kreplin selbst einräumt in guter historischer Tradition des Christentums selbst mit der Aufnahme vieler Inhalte, Begriffe, Symbole und Rituale aus dem religiösen und philosophischen Umfeld
  • Geringes Bedürfnis nach Kohärenz in Fragen des Glaubens und der Lebensführung
  • Skeptische bis agnostische Grundhaltung – was wahr ist, kann man nicht wissen; man kann sich auf nichts verlassen, man lebt gleichzeitig widersprüchliche Optionen.

Kreplin hob abschließend die große Bedeutung der organisierten Religionsgemeinschaften und explizit auch der Weltanschauungsgemeinschaften für eine humane Gesellschaft hervor. Er sah eine gemeinsame Aufgabe in der jeweiligen Verantwortung für die Traditionsweitergabe, die Kultur- und Wertevermittlung und insbesondere in der Sozialethik, also der Solidarität mit den Schwachen, der Gerechtigkeit und den Anstrengungen für den Frieden. Die Religionsausübung sei selbstredend nur in den Grenzen der Grund- und Menschenrechte zulässig. Eine solche Religionsausübung sei auch – übereinstimmend mit Prof. Dr. Jörg Winter – für einen Staat förderungswürdig unter Wahrung der Gleichbehandlung. Die mehr oder weniger praktischen Antworten von Dr. Matthias Kreplin und den Seminarteilnehmern auf die oben beschriebenen Phänomene sollen in diesem Bericht nicht weiter vertieft werden. Für die humanistische Organisationswelt könnte allerdings ein häufig benutzter Begriff noch Anlass zum Nachdenken geben:

Welche „Eingangsschwellen" erleben die Konfessionslosen bei ihren Orientierungsversuchen auf dem Markt der Religionen, Weltanschauungen und Heilsversprechen. Und dass die Botschaft in die konkrete Situation gesprochen sein soll, orientiert an den Fragen und Kommunikationsmöglichkeiten des Gegenübers, gilt sicher auch nicht nur für die Kirchen.

Praktisch widerlegt: "Keine Ethik ohne Gott"

Aus der Sicht des Chronisten ist noch bemerkenswert, dass der Akademiedirektor Dr. Jan Badewien in seinem Gottesdienst am Sonntagmorgen sehr ausführlich Jean Paul mit seiner Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab zu Wort kommen ließ. Nietzsche wurde mit seiner Toterklärung Gottes ausführlich zitiert. Die evangelische Kirche kennt diese Alternative sehr gut (Abteilung Zweifel & Co.) und erkennt mittlerweile auch an, dass der Satz „Keine Ethik ohne Gott" längst praktisch durch die theoretischen und praktischen Aktivitäten der säkularen Humanisten widerlegt ist. Das wird konstruktive Dialoge zwischen beiden Seiten ermöglichen, wie das ansatzweise in der Akademietagung erlebbar war. Damit sollen aber nicht die großen Unterschiede verwischt werden. Badewien sah im Atheismus und säkularen Humanismus die Gefahr, dass sich die Menschen selbst zu Göttern machten, womit einst die Schlange im Paradies schon für den Konsum verbotener Früchte warb. Ist dies für den einen eine „Versuchung", der es zu widerstehen gilt, ist es für das fröhliche Humanistenvolk eine selbstbewusste Tat der Menschheit, die eben nicht mit dem Anspruch der Selbstvergötterung einhergeht sondern der Humanisierung der Welt.

Fazit

  • Im Ergebnis ergab die Tagung interessante Beiträge zum Thema Konfessionslosigkeit. Da zum Beispiel die durchaus relevanten esoterisch beeinflussten Strömungen ausgeklammert wurden, konnte allerdings nur ein Teil dieses Spektrums wirklich ausgeleuchtet werden.
  • Das Thema Spiritualität war zwar explizit und implizit auch in vielen Vorträgen gegenwärtig. Das Thema der Tagung hieß sogar: Spirituell? Ja! – Aber wozu Kirche? Konfessionslosigkeit in unserer Gesellschaft. Neue Erkenntnisse konnten allerdings für die säkulare Szene nicht erwachsen, weil man die anregenden naturalistisch-ästhetischen Vorschläge von Joachim Kahl dort als bekannt voraussetzen darf. Die zeremoniellen Dienstleistungen, die von der freien Theologin vorgestellt worden sind, führen nicht per se zu neuen spirituellen Ufern. Das schließt nicht aus, dass von dort vielleicht zur „humanistischen" Sterbebegleitung und Trauerkultur einige interessante Anregungen zu bekommen sind. Die Evangelen hatten ihrerseits nicht das Bedürfnis, den Kern ihrer Spiritualität zu thematisieren, weil sie als Selbstverständlichkeit empfunden wird. Insofern kam es hier auch zu keinem fruchtbaren Dialog.

Der Bericht der Evangelischen Akademie Baden über die Tagung findet sich auf deren Website.