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„Griechenland muss Blasphemie-Gesetze abschaffen“

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Die Europäische Humanistische Föderation fordert gemeinsam mit der Menschenrechtsorganisation Greek Helsinki Monitor die Abschaffung der griechischen Blasphemie-Gesetze. Anlass und Hintergrund ist die Verhaftung dreier Schauspieler Anfang Juni wegen Blasphemie.
Donnerstag, 26. Juli 2012
Corpus Christi

Die verhafteten Schauspieler gehören zu einem Ensemble, dass in Athen Terrence McNallys Theaterstück Corpus Christi aufführte. In dem Bühnenstück werden Jesus und seine Jünger als homosexuelle Community im modernen Texas dargestellt. Dabei deutet das Stück die biblische Erzählung um: Jesus erteilt gleichgeschlechtlichen Ehen unter den Jüngern seinen Segen, Judas verrät Jesus aus Eifersucht. McNally erhielt Todesdrohungen, als das Stück in den USA Ende der 1990er Jahre aufgeführt wurde. Inzwischen fanden Aufführungen auch in Australien und Großbritannien statt. Inzwischen existiert auch ein Dokumentarfilm über die Resonanz, die das Stück hervorruft mit dem Titel Corpus Christi: Playing with Redemption.

Die Heilige Allianz bzw. Katholische Liga, ein Zusammenschluss, der sich gegen Feinde der römisch-katholischen Kirche richtet, verurteilte das Stück wegen Blasphemie, als Sakrileg und anti-katholischer Bigotterie. Auch die Synode der griechischen Kirche verurteilte das Stück und rief ihre Kirchenmitglieder vor der Athener Erstaufführung auf, dass Stück zu boykottieren.

Nach einer Anzeige wurden drei Schauspieler des das umstrittene Stück aufführenden Ensembles wegen Blasphemie festgenommen, am selben Tag aber wieder freigelassen. Dennoch droht ihnen eine Anklage, da das griechische Strafgesetzbuch in den Artikeln 198 und 199 das Beleidigen von Gott, göttlichen Dingen oder den in Griechenland akzeptierten Religionsgemeinschaften verbietet.

Die Europäischen Humanisten (EHF) und die Menschenrechtler des Greek Helsinki Monitor (GHM) fordern nun in ihrer gemeinsamen Pressemitteilung die griechische Regierung auf, diese Artikel abzuschaffen. Eine der „essentiellen Grundlagen einer demokratischen Gesellschaft" ist die Meinungsfreiheit, die von solchen Gesetzen bedroht sei. Dabei berufen sich die Organisationen auf mehrere entsprechende Aussagen des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofs. Anstatt die Meinungsfreiheit zu bedrohen sollten mehr Aktivitäten ergriffen werden, um Toleranz und den interkulturellen Dialog zu fördern, erklären EHF und GHM in ihrer aktuellen Mitteilung.

Bereits 2008 hatte die Europäische Kommission für Demokratie durch Recht, auch bekannt unter dem Namen Venedig-Kommission, die Abschaffung der Blasphemie-Gesetze in Europa gefordert. In Österreich, Italien, Dänemark und den Niederlanden werden die noch existierenden Blasphemie-Gesetze nicht mehr angewandt. Einzig in Griechenland, Irland und Polen droht weiterhin eine Anklage wegen Gotteslästerung.

In Deutschland hatte vor wenigen Wochen der erzkatholische Schriftsteller Martin Mosebach in der Berliner Zeitung die Wiedereinführung von Blasphemiegesetzen gefordert, erntete von Schriftstellerkollege Ingo Schulze in der Frankfurter Rundschau aber deutliche Kritik.

Corpus Christi: Playing with Redemption Teaser Trailer 1- 2012