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EKD-Ratspräsident Schneider: Mehr Geld für Kirchen und Sportvereine

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Auf einer gemeinsamen Tagung forderten die beiden großen Kirchen gemeinsam mit dem Deutschen Olympischen Sportbund außerdem eine stärkere Anerkennung ihrer „nonformalen“ Bildungsleistungen sowie eine Öffnung der Ganztagsschulen für ihre Angebote.
Montag, 23. April 2012
Kirche und Sport

Auf der Homepage der EKD ist das einträchtige Miteinander von Politik, Kirche und Sport - hier DOSB-Präsident Bach, EKD-Präses Schneider und der DBK-Vorsitzende Zollitzsch Hand in Hand - eindrucksvoll dokumentiert | Screenshot

Am vergangenen Donnerstag und Freitag lud der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) gemeinsam mit den Akademien der katholischen und der evangelischen Kirche zu einer Tagung nach Berlin ein. Kirche und Sport lautete der Titel der als Bildungskonferenz angekündigten Tagung, bei der es darum gehen sollte, gemeinsam deutlich zu machen, dass in den Zeiten von PISA-Studien und Zentralabitur Bildung mehr sei, als nur Schule. Bildung finde ganz wesentlich auch im Bereich des Sports und unter dem Dach der Kirchen statt, so der einhellige Tenor auf der zweitägigen Tagung, für die das Spitzenpersonal des DOSB, der beiden Kirchen sowie mit dem für Sport zuständigen Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter Friedrich auch höchste Politprominenz anreisten.

Nach der Eröffnung der Konferenz durch Innenminister Friedrich diskutierten unter der Leitung des renommierten Journalisten Peter Limbourg der Präsident des DOSB, Dr. Thomas Bach, der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Dr. Nikolaus Schneider, und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) Dr. Robert Zollitzsch über die Gemeinsamkeiten von Sport und Kirche. Vorausgegangen war der Diskussion ein „Spitzentreffen" von Bach, Schneider und Zollitzsch, bei denen man gemeinsam über die Herausforderungen des Rechtsextremismus, über Nachhaltigkeit in Kirche und Sport sowie über die Prävention von sexualisierter Gewalt gesprochen habe. So kann man dies zumindest der gemeinsamen Pressemitteilung von DBK, EKD und DOSB entnehmen.

Aus dieser geht auch hervor, dass sich die drei Organisationen auch eine stärkere Anerkennung ihrer Bildungsleistungen wünschen, da sie in ihren Angeboten Kompetenzen und Fähigkeiten vermittelten, von denen die ganze Gesellschaft profitiere. Es sei bedauerlich, dass sich diese „nonformalen" Bildungsleistungen nicht im Bildungsbericht der Bundesregierung niederschlagen würden, heißt es in der Pressemitteilung. Mit dieser Erklärung stellen beide Kirchen und DOSB die eigenen Freizeitangebote ganz selbstverständlich über die aller anderen Vereine, Verbände und freier Träger.

Darüber hinaus verschweigt die Mitteilung auch eine andere Forderung, auf die man sich im Hinterzimmer zurvor geeinigt hatte. EKD-Präses Schneider formulierte diese im Rahmen des von Limbourg moderierten Interviews im Namen von EKD, DBK und DOSB folgendermaßen aus:

Wir sind uns darüber einig, dass in Deutschland überhaupt zu wenig Geld für Bildung ausgegeben wird. Darin sind wir uns einig. Alle Leute mit Sinn und Verstand, die das fachgerecht untersuchen, wissen das. Da muss mehr investiert werden. Und jetzt sage ich, keine Schulen schließen, um Sportvereine zu fördern oder kirchliche Jugend zu fördern, sondern in beiden Bereichen mehr Anstrengungen, mehr Ressourcen, dass diese beiden Bereiche verstärkt gefördert werden können.

Wieviel Geld die Kirchen für diese Tätigkeiten bereits bekommen, ist schwer zu ermitteln. Mutmaßlich konzentrieren sich die Aktivitäten der Kirchen in diesem Bereich auf die Jugendsozialarbeit. Selbst hpd-Chefredakteur Carsten Frerk, der mit seinem Violettbuch Kirchenfinanzen wohl die detaillierteste Aufstellung der Finanzierung der Kirchen durch die öffentliche Hand vorgelegt hat, kann in seinem Buch nur Schätzungen anstellen. Auf der Basis prozentualer Ableitungen gibt er für die Kinder-Jugendhilfe insgesamt 357 Mio. Euro an staatlichen Finanzierungen für die konfessionellen Träger an. Aus diesem Topf speist sich neben Erziehungshilfen, Betreuten Wohnformen, Jugendzentren und Familienberatungsstellen auch die Jugendsozialarbeit.

Dieses kleine Stück vom staatlichen Finanzierungskuchen ist de Kirchen zu klein. Es soll wachsen. Dies ist offenbar aber nicht genug. Der kaum missverständlichen Forderung nach zusätzlichen Geldern für Sportvereine und Kirchen für den Bereich der Jugendarbeit und Jugendförderung fügte der ehemalige Ministrant und jetzige DOSB-Präsident Bach noch eine weitere interessante Ergänzung hinzu. Diese betraf die schulischen Reformen in Bezug auf die zunehmende Umstellung auf einen Ganztagsschulbetrieb. Hier dürften Kirchen und Sport deshalb nicht zu den „Verlierern dieser Reform" gehören. „Hier müssen wir sehr genau darauf achten, dass dieses nicht zulasten der Kirche und des Sports und der damit zu vermittelnden und verbundenen Werte geht." Bach forderte „bessere Kooperationen", so dass sich Schulen am Nachmittag stärker für die Angebote von Sportvereinen und Kirchengruppen zu öffnen.

Kirche und Sport, das heißt heute durchaus auch gemeinsam über die Prävention von sexualisierter Gewalt nachdenken. Dies ist wahrlich zu begrüßen. Wenn man jedoch im selben Moment darüber nachdenkt, wie man mit vereinten Kräften mehr Geld beim Staat herausschlagen und einen bevorzugten Zugang zu Kindern und Jugendlichen in ihrer Freizeit erlangen könnte, dann erscheint alles andere nur wie Makulatur.