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Gabriel: Humanisten und Konfessionsfreie bilden „wichtige Traditionslinie“

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Aufatmen an der Basis: Sozialdemokraten ohne religiöses Bekenntnis sollen von der Partei nicht diskriminiert werden. Diese Position hat der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel gegenüber dem Präsidenten des Humanistischen Verbandes Deutschlands bekräftigt. Doch vor der vollen Gleichstellung von konfessionsfreien Genossen liegt noch einiges an Arbeit.
Montag, 25. November 2013
Foto: © Dominik Butzmann / SPD

Gabriel: Gleichstellung von Konfessionsfreien kann kommen. Foto: © Dominik Butzmann / SPD

Der SPD-Chef will sein Wort halten: Sofern von der Parteibasis das deutliche Signal ausgeht, dass die Anerkennung eines Arbeitskreises von nichtreligiösen und konfessionsfreien Genossen gewollt wird, ist er für den Wunsch nach der Gleichgestellung mit den existierenden Arbeitskreisen von Parteimitgliedern mit christlichen und jüdischem Bekenntnis offen. Das hat Sigmar Gabriel in einer Antwort an den Präsidenten des Humanistischen Verbandes Deutschlands, Frieder Otto Wolf, deutlich gemacht.

In seinem Schreiben erklärte der Parteivorsitzende, die Partei suche „selbstverständlich auch das Gespräch und die Zusammenarbeit mit humanistischen und freien Weltanschauungsgemeinschaften, die eine wichtige Traditionslinie der SPD sind.“

Zuvor hatte sich Wolf mit einer Anfrage an den SPD-Chef gewandt, in der er die Bedeutung des Wirkens von kirchenfernen und nichtreligiösen Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten in der 150-jährigen Parteigeschichte unterstrich. Wolf plädierte für die Einrichtung eines „Arbeitskreises Konfessionsfreie und HumanistInnen“. Parteimitglieder, „die der humanistischen Traditionslinie der Sozialdemokratie und den damit verbundenen Überzeugungen nahe stehen“ sollten „gleichberechtigt mit bereits bestehenden Arbeitskreisen der Glaubensgemeinschaften die Möglichkeit haben, ein anerkanntes Forum innerhalb der SPD und eine organisierte Schnittstelle des Dialogs zwischen Partei, Öffentlichkeit und nicht zuletzt den Religionsgemeinschaften in unserem Land zu bilden.“

In einer ersten Reaktion auf die Anfrage teilte die SPD-Generalsekretärin und bekennende Katholikin Andrea Nahles Anfang September in einer knappen Antwort mit, dass die Gründung eines „Arbeitskreises für konfessionsfreie und religiöse Menschen in der SPD (…) derzeit und bis auf weiteres nicht beabsichtigt“ wäre. Die Antwort der Generalsekretärin sorgte für Überraschung und auch Empörung, denn traditionell engagiert sich ein erheblicher Anteil kirchenferner Menschen mit humanistischen Überzeugungen für die Partei oder steht der Sozialdemokratie nahe. Der negative Bescheid von Nahles löste außerdem Irritationen aus, da der SPD-Vorsitzende bereits im Januar 2012 angekündigt hatte, gegenüber einem solchen Arbeitskreis aufgeschlossen zu sein.

Nun hat Gabriel erneut grünes Licht für eine Gleichstellung von Konfessionsfreien in der SPD gegeben. Im Schreiben erklärte er, dass der Parteivorstand den Wunsch aufgreifen werde, sobald „sich in mehreren Landesverbänden und Bezirken der SPD stabile Arbeitszusammenhänge“ etabliert haben und „von dort die Bildung eines bundesweiten Arbeitskreises befürwortet werden sollte.“

Und ausgerechnet im verhältnismäßig frommen Bayern haben die Genossen dabei schon einigen Vorlauf. Bereits vor zweieinhalb Jahren hat sich in Nürnberg ein Arbeitskreis „Humanistinnen und Humanisten und Konfessionsfreie in der SPD“ gegründet. Wenige Wochen später stimmte der Vorstand des SPD-Landesverbandes Bayern für die Anerkennung als Gesprächskreis auf Landesebene, zeitgleich mit der Anerkennung eines Gesprächskreises „Kirche und SPD“.

Foto: privat

Vertreter des Gesprächskreises im Landesverband Bayern. Foto: privat

Während letzterer sich dem Dialog mit den Kirchen widmen will und sich als Ansprechpartner für gläubige Menschen, die den Kontakt zur SPD suchen, versteht, bietet der Gesprächskreis der Konfessionsfreien „eine Plattform für all jene, die aus einem säkularen humanistischen Weltverständnis heraus ihr sozialdemokratisches Engagement begründen.“

Michael Bauer, Sprecher des Gesprächskreises, bezeichnete die jüngsten Klarstellungen des Parteivorsitzenden Gabriel dementsprechend in einer ersten Reaktion als eine „erfreuliche Aufforderung, die wir gerne annehmen.“ Der Kurs zur gleichberechtigten Interessenvertretung kirchenferner Sozialdemokraten in der SPD ist somit klar. Jetzt muss die Arbeit beginnen.