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US-Atheisten mehrheitlich lese- und debattierfreundlich

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Atheisten sind unterschiedlicher, als bisher angenommen. Zu diesem Ergebnis kamen die US-amerikanischen Wissenschaftler Chris Silver und Thomas Coleman der Universität in Tennessee. Über ein Drittel der befragten US-Atheisten klassifizierten sie als intellektuell.
Donnerstag, 1. August 2013
American Atheist Promotion

Werbung der Atheisten in Minnesota | Foto: HeatherKay7 via wikimedia commons (CC BY-SA 3.0)

Bei der Auswertung von 1.000 Befragungen und 59 Tiefeninterviews mit selbsterklärten Nichtgläubigen, bei denen diese zu den Wesensmerkmalen und Ansichten von Atheisten befragt wurden, stellten der Leiter des Psychologischen Instituts der Universität Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee Dr. Chris Silver und der Wissenschaftler Thomas Coleman fest, dass es kein homogenes Bild des Atheismus gibt.

In ihrer Studie fanden die Wissenschaftler heraus, dass sich bestimmte Einstellungen und Verhaltensweisen wiederholten, andere aber grundsätzlich ineinander unterschieden. Die Forscher isolierten sechs Typen der Religionsferne: intellektuelle Atheisten und Agnostiker, aktivistische Atheisten und Agnostiker, suchende Agnostiker, Anti-Theisten, Non-Theisten und Atheisten und Agnostiker, die religiösen Ritualen offen gegenüberstehen. So zeigten sich die intellektuellen Glaubensfernen überaus lese- und debattenfreudig, bei den suchenden Agnostiker stellten die Forscher eine große Unsicherheit bezüglich einer göttlichen Existenz bei gleichzeitiger Ideologieferne fest, Anti-Theisten fielen vor allem durch eine offensiv antireligiöse Einstellungen auf und die ritualisierten Atheisten zeichneten sich dadurch aus, dass sie zwar nicht an eine höhere Macht glaubten, aber an traditionellen religiösen Zeremonien teilnahmen.

American Atheists

Logo der American Atheists

Den größten Anteil unter den befragten Personen stellten die intellektuellen Atheisten (38 Prozent). Es folgten die aktivistischen (23 Prozent) Atheisten und die Anti-Theisten (15 Prozent). Für humanistische Organisationen, die kulturelle Veranstaltungen wie Rituale und Feiern vorhalten, ist sicher von Interesse, dass der Anteil der gegenüber Ritualen offen eingestellten Glaubensfernen bei 12 bis 13 Prozent liegt.

"Wir gehen davon aus, dass Menschen zwischen den verschiedenen Typen im Laufe ihres Lebens wechseln. Es kann sein, dass sich Menschen mit mehreren Typen identifizieren können, aber ein einzelner Typus scheint ihr primärer zu sein", erklärte Thomas Coleman in einer Mitteilung der Universität. Darüber hinaus schloss Coleman nicht aus, dass es nicht noch weitere Typen als die sechs isolierten geben könne. "Identität ist komplex und permanent im Fluss."

Dass Silver und Coleman mit ihrer Studie ein kontroverses Thema berühren, zeigen die Reaktionen auf ihre Untersuchung. Zahlreiche englischsprachige Medien berichteten über ihre Studie, ein CNN-Bericht erhielt über 8.000 Kommentare. "Wir hoffen", so Coleman", dass wir mit unserer Studie etwas zum Verständnis von Glauben und Nicht-Glauben in unserer Gesellschaft beitragen können."

Silver und Coleman sind beide als Konfessionsfreie bei den Freidenkern in Chattanooga aktiv. Sie werden Ende August im schweizerischen Lausanne ihre Studienergebnisse auf der diesjährigen Jahrestagung des Internationalen Verbands der Religionspsychologie vorstellen. Darüber hinaus arbeiten sie an einer Publikation zur Studie.

Langfristig arbeiten die Wissenschaftler daran, ihre Studie zu erweitern und dezidierte atheistische Kultureinstellungen wie Humanismus sowie die Einstellungen zur politischen Forderung der Trennung von Staat und Kirche im US-amerikanischen Kontext zu untersuchen. 

Weitere Informationen auf der Website zur Studie.