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Bundesregierung verurteilt „in aller Schärfe“ den Mordaufruf gegen Hamed Abdel-Samad

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Nachdem die Giordano Bruno Stiftung (gbs) am Wochenende darauf aufmerksam gemacht hatte, dass radikale ägyptische Islamisten im Internet zum Mord ihres Beiratsmitglieds und Buchautors Hamed Abdel-Samad aufrufen, hat nun auch die Bundesregierung auf die Bedrohung des deutschen Staatsbürgers reagiert. Angesichts der akuten Bedrohung Abdel-Samads reicht das aber nicht aus.
Dienstag, 11. Juni 2013

Wie das Börsenblatt des deutschen Buchhandels berichtet, hat der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, die ägyptische Regierung aufgefordert, die Unversehrtheit von Hamed Abdel-Samad sicherzustellen.

Der öffentliche Mordaufruf gegen Herrn Abdel Samad ist durch nichts zu rechtfertigen. Ich erwarte, dass sich die ägyptische Regierung deutlich und unmissverständlich davon distanziert. Ich fordere die ägyptische Regierung auf, Meinungs- und Religionsfreiheit zu garantieren und die Sicherheit von Herrn Samad zu gewährleisten.

Hamed Abdel-Samad

Hamed Abdel-Samad | Foto: Evelin Frerk | www.who-is-hu.info

Darüber hinaus sei der Geschäftsträger der ägyptischen Botschaft am 10. Juni zu einem Gespräch im Auswärtigen Amt gewesen. Dabei sei diesem erklärt worden, "dass die Bundesregierung den Mordaufruf gegen den Publizisten Abdel Samad in aller Schärfe verurteilt und die ägyptischen Behörden dazu aufruft, die Veröffentlichung und Ausstrahlung von Mordaufrufen zu unterbinden."

Wie die gbs am Sonntag erklärte, hätten seit Tagen mehrere Facebook- und Internetseiten von Muslimbrüdern und Salafisten ein Bild von Hamed Abdel-Samad mit dem Aufruf "Wanted Dead!" veröffentlicht. Am Freitagabend habe mit Assem Abdel-Maged einer der Köpfe der militant-islamistischen Bewegung Dschamaa Islamiya im salafistischen Fernsehsender Al-Hafez zur Ermordung des islamkritischen Autors Abdel-Samad aufgerufen. Radikale Islamisten werfen dem gbs-Beiratsmitglied vor, den Propheten Mohammed und den Islam beleidigt zu haben. Grund für die Kampagne war ein Vortrag, den der Islamkritiker am vergangenen Dienstag in Kairo über den religiösen Faschismus in Ägypten gehalten hatte.

Hamed Abdel-Samad nehme dem Börsenblatt zufolge den Mordaufruf sehr ernst. Derzeit ist er in Ägypten untergetaucht. In einem Interview mit dem Spiegel hatte Abdel-Samad erklärt, dass er eine Reaktion von Bundeskanzlerin Merkel und Außenminister Westerwelle erwarte. Sie sollten den ägyptischen Präsidenten Mursi dazu aufrufen, den öffentlichen Mordaufruf ebenfalls zu verurteilen." Gleiches tat stellvertretend auch gbs-Sprecher Michael Schmidt-Salomon am Sonntag auf der Seite der Stiftung.

Margot Ketterle, die Verlagsleitern des Verlagshauses Droemer Knaur, in dem auch Abdel-Samads nächstes Buch im Frühjahr 2014 erscheinen wird, erklärte, dass man "schockiert über die Verfolgung unseres Autors" sei. Man unterstütze ihn, wo man könne, heißt es im Börsenblatt weiter. "Denn wenn es eines braucht in dieser Lage, dann kritische Aufklärung, und für die steht Hamed Abdel-Samad nicht nur in Deutschland, und für die wird er nun mit dem Tod bedroht". Zuletzt waren bei Droemer Knaur die Titel Krieg oder Frieden: Die arabische Revolution und die Zukunft des Westens sowie Der Untergang der islamischen Welt: Eine Prognose erschienen.

Seit Bekanntwerden der Bedrohung von Abdel-Samad haben sich die Ereignisse rasant entwickelt. Nachdem zahlreiche Anfragen an Facebook zur Sperrung der Facebook-Seiten mit dem Mordaufruf zunächst gescheitert waren, wurde gestern die Muslimbrüder-Seite Masrawy, die die Morddrohung verbreitet hatte, gesperrt. In Ägypten selbst hat die Bewegung der Säkularen eine Anzeige gegen die zum Mord aufrufenden Islamisten gestartet.

Bedenklich stimmt trotz dieser Erfolge, dass es zum einen noch keine Reaktion der ägyptischen Regierung gibt. Das Kabinett um den Präsidenten Mohammed Mursi, Mitglied der von den Muslimbrüdern gegründeten Freiheits- und Gerechtigkeitspartei, hält sich bedeckt, wahrscheinlich auch, weil die eigene Organisation in den Aufruf verwickelt ist. Umso wichtiger ist, dass die Bundesregierung offensiv und sichtbar die ägyptische Regierung zum Handeln auffordert, um den deutschen Staatsbürger zu schützen. Bislang ist Lönings Erklärung weder publiziert noch anderweitig öffentlich auf den Regierungsseiten sichtbar. Aufgrund der akuten Lebensgefahr für Hamed Abdel-Samad ist es durchaus ungewöhnlich, dass die Regierung hier mit solcher Zurückhaltung agiert. Zum Vergleich: Die Kritik am gestrigen Urteil gegen den Schwager des chinesischen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo ist bereits publiziert.