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Ausstellung regt Hintergrundforschung an

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In Berlin wurde am vergangenen Freitag die Ausstellung „Humanisten im Fokus - Widerstand einer vielfältigen Bewegung und ihre Verfolgungsgeschichte“ eröffnet. Sie zeigt das Wirken der humanistisch aktiven Bevölkerung und die Zerschlagung der weltlichen Schulbewegung. Es wird aber auch deutlich, dass noch erhebliche Forschungslücken bestehen.
Donnerstag, 21. März 2013
Zerstörte Vielfalt Säule

Eine Litfaßsäule vor dem Rathaus Kreuzberg weist auf die Ausstellung "Humanisten im Fokus" hin

Will man sich über die Geschichte des Humanismus kundig machen, stößt man schnell an Grenzen. Öffentlich zugänglich sind oft nur die bei Wikipedia verfügbaren Informationen, und selbst im weltweit größten Online-Lexikon sind Informationen zu Freidenkern und Humanisten wenn, dann nur lückenhaft vorhanden.

Beim Humanistischen Pressedienst existiert die Gedenktag-Galerie, die vor Jahren mit engagierter Unterstützung durch den Historiker Michael Schmidt vom Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg e.V. erstellt wurde. Auch sie liefert einige Basisinformationen. Aber Quellen, Akten oder ähnliches zur oft tragischen Geschichte der aktiven Humanisten sind auch dort nicht vorhanden oder zugänglich.

Die Internetseite zur Ausstellung Humanisten im Fokus - Widerstand einer vielfältigen Bewegung und ihre Verfolgungsgeschichte, die im Rahmen des Themenjahres Zerstörte Vielfalt, Berlin 1933-1938-1945 erstellt wurde, bietet nun Abhilfe. Die Ausstellung stellt das Leben von Berliner Humanisten in den Mittelpunkt, die sich - anders als viele der heute bekannten und geehrten Widerstandskämpfer - von Anfang an gegen das NS-Regime auflehnten.

Zerstörte Vielfalt Ausstellung

Auf 20 Tafeln werden die Verfolgung der weltlichen Schulbewegung sowie das Engagement der Humanistinnen und Humanisten im Widerstand gezeigt | © Evelin Frerk

Auf der Webpage sind die für 20 humanistisch Aktive sowie für die humanistische Schulbewegung zusammengetragenen Informationen und bildet Hintergrundquellen versammelt, teilweise auch jene, die in der Wanderausstellung selbst nicht gezeigt werden können. Insgesamt stehen 74 hochaufgelöste Fotografien und Dokumente zur Einsicht und zum Download zur Verfügung.

Wie wichtig eine vertiefte Erforschung der Geschichte des Humanismus ist, macht die Ausstellung in ihrem Ansatz deutlich. Bisher wurden Humanisten von der historischen Forschung pauschal dem Widerstand der Arbeiterbewegung zugerechnet, die Motivation für ihr Handeln aus ihrer humanistischen Grundhaltung heraus nicht ausreichend gewürdigt. Diese Ausstellung will das ändern und betrachtet zugleich das Wirken und Handeln der humanistischen Bewegung vor 1933 und ihre Zerschlagung. Als Forschungshindernis erwies sich die unzureichende Quellenlage: Viele Akten, wie diejenigen der Berliner Gestapo, existieren nicht mehr. Nicht alle Personen, die Widerstand geleistet haben, sind ins Netz des NS-Verfolgungsapparats geraten, demzufolge haben sie keine Spuren hinterlassen oder nach 1945 über ihr Handeln geschwiegen.

Zerstörte Vielfalt Webpage

Die Ausstellung versammelt auch die wenigen Informationen zu den humanistisch aktiven Frauen | http://zerstoerte-vielfalt-humanismus.de/

Ein weiteres Problem bei der wissenschaftlichen Auseinandersetzung ist geschlechtsspezifischen Charakters. Frauen finden in den wenigen vorliegenden Quellen selten Erwähnung, oftmals werden sie nur über ihre männlichen Bezugspersonen definiert. Daraus erklärt sich das Missverhältnis zwischen männlichen und weiblichen Biographien in der Ausstellung. Hier ist vertiefte Forschung notwendig, um diese Wissenslücke zu schließen.

Die Ausstellung, die am vergangenen Freitag im Rathaus Kreuzberg eröffnet wurde und noch bis zum 12. April dort zu sehen ist, bevor sie durch Berlin wandert. Im Laufe des Jahres ist sie an folgenden Standorten zu sehen:

  • 15.04.-15.05. Rathaus Schöneberg, John-F-Kennedy-Platz
  • 16.05.-14.06. Gemeinschaftshaus Gropiusstadt, Bat-Yam-Platz 1
  • 29.07.-23.08. Rathaus Wilmersdorf, Fehrbelliner Platz 4
  • 26.08.-20.09. Rathaus Pankow, Breite Str. 24a
  • 23.09.-18.10. Rathaus Spandau, Carl-Schurz-Str. 2/6
  • 18.10.-15.11. Ausstellungszentrum Pyramide, Riesaer Str. 94, Hellersdorf
  • 18.11.-18.12. Rathaus Treptow, Neue Krugallee 4

Hier geht es zur die Ausstellung Humanisten im Fokus begleitenden Internetseite.