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Island: Parlament beschließt Gleichstellung für säkulare Verbände

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Am Mittwoch hat das isländische Parlament ein Gesetz verabschiedet, auf dessen Grundlage die nichtreligiösen Weltanschauungsvereinigungen im Land mit den Religionsgemeinschaften rechtlich gleichgestellt werden können.
Donnerstag, 31. Januar 2013
Foto: privat

Hope Knutsson, Präsidentin von Sidmennt

Als einen historischen Wendepunkt bezeichnete Hope Knutsson, Präsidentin des humanistischen Verbandes Sidmennt, den jüngsten Beschluss des isländischen Parlaments, den säkularen Verbänden den Weg zur Gleichberechtigung mit den Kirchen und anerkannten Religionsgemeinschaften zu bahnen.

Dem neuen Gesetz nach ist es für nichtreligiöse Weltanschauungsgemeinschaften nun möglich, auf Antrag die rechtliche Gleichstellung zu erhalten. Dazu gehört unter anderem die Möglichkeit, rechtlich wirksame Trauungen vorzunehmen und Zuschüsse aus dem öffentlichen Haushalt für die eigene Arbeit zu erhalten.

Sidmennt wurde 1990 gegründet und hat rund 300 Mitglieder. Dem neuen Gesetz waren zwei Anläufe seit 2002 vorausgegangen, eine offizielle Anerkennung und Gleichbehandlung durch den rund 320.000 Einwohner zählenden Staat zu erhalten.

Neben dem Beschluss zur Gleichstellung von weltanschaulichen Vereinigungen wie Sidmennt gab es weitere Gesetzesänderungen. So sollen Neugeborene künftig nicht mehr automatisch in die Konfessionsgemeinschaft der Mutter eingetragen werden. Die automatische Aufnahme in die Konfessionsgemeinschaft der Eltern soll nur noch in dem Fall erfolgen, wenn beide Elternteile das gleiche Bekenntnis haben.

Knutsson erklärte, dass die Reformen nicht weitreichend genug seien. Es sei eine Menschenrechtsverletzung, wenn der Staat die Bekenntnisse der Bürger des Landes registriert und es sei „besonders abnormal“, dies bei Neugeborenen zu tun. Die Unterstützer der Reform wollten weiter daran arbeiten, dies zu ändern. Die Veränderung können aber nur stufenweise erfolgen, hieß es.

Der privilegierte Status der isländischen Staatskirche wurde aber durch das Gesetz nicht weiter angerührt. Die evangelisch-lutherische Kirche, der 2011 rund 78 Prozent der Bevölkerung angehörten, wird durch die Verfassung des Landes besonders unterstützt. Erhebungen zufolge nehmen jedoch lediglich zwei Prozent der Bevölkerung an den sonntäglichen Gottesdiensten teil, nur rund acht Prozent besuchen einmal pro Monat eine Kirche. Keiner Religionsgemeinschaft gehören in Island etwas mehr als drei Prozent aller Einwohner an.

Von den internationalen Dachverbänden und in anderen europäischen Ländern wurde das Ereignis begrüßt. Sonja Eggerickx, Präsidentin der Internationalen Humanistischen und Ethischen Union, gratulierte den Mitgliedern von Sidmennt und sagte, der isländische Verband nehme eine aktive Rolle in der Arbeit für einen Wandel wahr.  „Sie reden nicht nur über Humanismus und verweisen auf Vorfälle der Diskriminierung, sondern betreiben aktiven Lobbyismus, arbeiten mit den Parlamentariern und anderen an der Reform der Gesetze im Sinne der Gleichstellung.“

Sidmennt bietet wie humanistische Verbände in anderen Ländern heute ebenfalls eine Reihe von Dienstleistungen an, darunter Namensfeiern und weltliche Bestattungen sowie Vorträge und Lesungen über nichtreligiöse Lebenseinstellungen. Insbesondere die Jugendfeier hält Hope Knutsson für ein wichtiges Angebot.

Rund 98 Prozent der Heranwachsenden in Island nehmen jedes Jahr an der Konfirmation der evangelisch-lutherischen Staatskirche teil, darunter auch viele nichtgläubige Jugendliche. Bei Sidmennt ist man jedoch überzeugt, dass die wenigsten Jugendlichen in diesem Alter wissen, was für einen Glauben sie haben. Daher sei ein nichtreligiöses Ritual wichtig, um einen alternativen Weg für den Übergang zwischen Kindheit und Erwachsensein möglich zu machen, so Knutsson. Seit der Einführung vor 20 Jahren hätten bis heute mehr 1.000 Familien und insgesamt mehr als 15.000 Gäste an den Zeremonien teilgenommen.

Hope Knutsson hofft, dass Sidmennt in Zukunft einen Ableger der Skeptikerorganisation Center for Inquiry in Island gründen und eine eigene Bibliothek eröffnen kann. Ein Ziel ist, so besser das Potential der 12-wöchigen Vorbereitungskurse im Vorfeld der Jugendfeier nutzen zu können.