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ARD korrigiert Sterbehilfe-Informationen nach diesseits-Kritik

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Am Montag wurden an dieser Stelle berichtet, dass verschiedene Aussagen zur Sterbehilfe auf der ARD-Webseite zur Themenwoche „Leben mit dem Tod“ falsch sind. Die ARD hat nach unserer Berichterstattung die fehlerhaften Behauptungen gelöscht, wie uns der Sender mitteilte. Ihren Fehler öffentlich eingestehen will die Sendeanstalt aber nicht.
Freitag, 23. November 2012
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Als „ganz neue Dimension der Verdummung von Volk und somit auch Politik" hatte die Bundeszentralstelle Patientenverfügung am Dienstag in ihrem Newsletter die Erläuterungen zur Sterbehilfe auf der Homepage zur laufenden ARD-Themenwoche kritisiert. diesseits hatte dies aufgegriffen und von einer „befremdlichen" Auslegung des Bildungsauftrags der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt gesprochen. Statt seriös aufzuklären, hatte sich die ARD in fehlerhaften Darstellungen verstiegen. Der medizinethische Experte Dr. Meinolfus Strätling, der Mitglied im HVD ist und diesen als Berater in der Vergangenheit immer wieder unterstützt hatte, wendete sich in einem persönlichen Beschwerdebrief an den Sender.

Unsere kritische Berichterstattung hatte die Verantwortlichen veranlasst, „die betreffenden Passagen noch einmal prüfen [zu] lassen", wie es in einer E-Mail eines der im Impressum der Seite genannten Autoren heißt. In dem Schreiben an die Redaktion werden „irreführende" und fehlerhafte Informationen eingeräumt.

In einem Fall betrifft dies den Einleitungstext („Einleitungsteaser") zur Sterbehilfe. In diesem hatte der Sender das „Töten oder Sterbenlasssen eines schwer kranken, sterbenden Menschen aufgrund seines eigenen, ausdrücklichen oder mutmaßlichen Wunsches" in einen Topf. Beides werde „Sterbehilfe genannt" die in Deutschland „verboten" sei.

In der Tat fehlte in dem Einleitungsteaser zum Thema ein Satz, der den Unterschied zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe verdeutlicht. Der anschließende Hinweis auf das Verbot war damit irreführend. Wir haben den Satz gestrichen.

ARD Themenwoche Vergleich

Links alt, rechts neu - die ARD hat auf die diesseits-Kritik reagiert und die Informationen zur Sterbehilfe auf der Homepage der Themenwoche überarbeitet

Nun unterscheidet der Sender zwar immer noch nicht zwischen Töten und Sterbenlassen, aber zumindest hat man eingesehen, dass die pauschale Behauptung, Sterbehilfe sei verboten, falsch ist. In der Passage „Was ist in Deutschland erlaubt?" ergänzte der Sender nun den Satz „Beihilfe zum Suizid ist nach geltendem Recht nicht strafbar" (siehe vergleichende Abbildung).

Ebenfalls kritisiert hatten wir die Falschbehauptung, dass in Finnland, Frankreich und Ungarn Sterbehilfe erlaubt sei. Ganz genau hieß es auf der Seite, dass „Ärzte in der Schweiz, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Finnland, Ungarn und Frankreich – teils in engem Rahmen – Hilfe zum Sterben leisten" dürften. Auch hier räumt die ARD ein, dass dies nicht korrekt gewesen sei:

Die Länder Finnland, Ungarn und Frankreich haben wir gestrichen. Sie haben Recht, die Regelungen dort sind nicht - wie in dem Satz nahegelegt - mit den Regelungen in der Schweiz, Niederlanden, Belgien und Luxemburg vergleichbar.

Die Korrektur der Falschdarstellungen darf man durchaus als selbstverständlich ansehen angesichts der gravierenden Fehlinformationen, die die ARD zuvor veröffentlicht hat. Vielmehr ist es irritierend, dass der Sender diese Änderungen still und leise vorgenommen hat, ohne die Besucher der Seite nicht noch einmal explizit darauf hinzuweisen, dass die Informationen geändert oder korrigiert wurden. Die Begründung dafür ist hanebüchen. Auf Nachfrage teilt uns die Redaktion mit, dass Korrekturen "üblicherweise" auch als solche gekennzeichnet würden. Aber:

Gerade bei dieser Darstellung hätte das nach unserer Einschätzung allerdings eher zur Irritation der Nutzer führen können, daher haben wir darauf verzichtet.

Wer nicht zufällig zweimal dieselben Informationen abruft, bleibt bei der ARD falsch informiert. Das erscheint vielmehr irritierend als alles andere. Aber das nennt man dann wohl Bildungsauftrag 2.0.