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Erkenntnisreiches Rousseau-Symposium

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Facettenreiche Vorträge und eine kontroverse Podiumsdiskussion bot ein Symposium aus Anlass von 300 Jahren Jean-Jacques Rousseau am vergangenen Wochenende in Nürnberg. Eingeladen hatten die Humanistische Akademie Bayern und die Gesellschaft für kritische Philosophie.
Dienstag, 13. November 2012
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Jean-Jacques Rousseau (1712-1778)

Ganz unterschiedliche Referenten konnten die interessierten Besucherinnen und Besucher des Rousseau-Symposiums am vergangenen Samstag hören   ̶ den berühmten Philosophen aus Genf mehr interpretierend oder eher kritisierend, mehr pro oder kontra Rousseau. Ein Eindruck zog sich allerdings durch die gesamte Veranstaltung: Rousseau hat Themen angeschnitten, die auch heute noch zu denken geben.

Daher entfaltete sich nach fast jedem der sechs Vorträge eine kritische Diskussion. Rousseau warf Fragen auf wie: Gab es jemals einen „Urzustand“, in dem der Mensch glücklicher war als heute? Was bedeutet die Ungleichheit unter den Menschen? Wo ist sie hinzunehmen oder gar wünschenswert? Oder sollten wir alle „gleich“ sein? Wie sind Rousseaus Vorstellungen von Freiheit und Frieden zu verstehen? Und schließlich: Welche seiner Ideen sind in unserem politischen und wirtschaftlichen System verwirklicht und welche nicht?

Foto: Helmut Walther

Foto: Helmut Walther

Die facettenreichen Vorträge mündeten in eine abschließende, kontroverse Podiumsdiskussion. Dabei erwies sich die These als unstrittig, dass Rousseau wichtige Züge der Reformpädagogik angestoßen hat. Inwieweit sein Menschenbild den heutigen Humanismus noch anzuregen vermag, musste jedoch offen bleiben. Es gehört allemal zu einer aufgeklärten Weltsicht, eine ganz andere Perspektive einnehmen zu können als die von den Zeitgenossen erwartete. Und darin war Rousseau ein Meister.   

Nächstes Jahr hat erneut – nach David Hume im letzten und Jean-Jacques Rousseau in diesem Jahr – ein großer Aufklärer 300. Geburtstag, nämlich Denis Diderot. Auch ihm zu Ehren wird es nach bewährtem Muster ein gemeinsames Symposium von Humanistischer Akademie Bayern und Gesellschaft für kritische Philosophie in Nürnberg geben. Denn säkularer Humanismus und kritische Aufklärung gehören zusammen.