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Hochrangige Kirchenangestellte hinter kreuz.net

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Gilt das Prinzip Vertuschung auch in Sachen kreuz.net? Der Theologe und Koordinator der Aktion Stoppt Kreuz.net, David Berger, erhebt im diesseits-Interview schwere Vorwürfe gegen die Amtskirche. Nächste Woche will er der Berliner Staatsanwaltschaft erstmals Belege zur direkten Verbindung der katholischen Kirche mit der Hassseite vorlegen.
Samstag, 3. November 2012
Stoppt Kreuz.net

Der Theologe und Philosoph David Berger erhebt in einem Interview, das in der Dezember-Ausgabe des diesseits-Magazins erscheint, schwere Vorwürfe gegen die Amtskirche in Sachen kreuz.net. Entgegen der Aussagen der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) gehören zu den Hintermännern des Hassportals „kirchliche Angestellte bzw. Diözesanpriester". Dies betreffe insbesondere die österreichische und schweizer Redaktionsspitze. Darüber hinaus gebe es deutliche Hinweise darauf, dass auch mindestens ein Pfarrer aus der deutschen Spitze des Netzwerks Katholischer Priester Informationen an kreuz.net-Autoren weitergegeben habe, sagte Berger gegenüber diesseits. In dem extremistischen Internetportal wird seit Jahren unverdeckt zu Gewalt gegen Homosexuelle und Andersgläubige aufgerufen, die in den entsprechenden Beiträgen mit menschenverachtenden Hasstiraden überzogen werden.

Der deutsche Verfassungsschutz stuft kreuz.net als teilweise antisemitisch und muslimfeindlich ein, der österreichische Verfassungsschutz beobachtet die Seite. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hat Teile der Seite indiziert. Da die Server der Seite im Ausland stehen und die Seite mit speziellen Programmen geschützt wird, die Daten verschleiern, ist es dennoch schwierig, an die Hintermänner zu gelangen.

Lange konnten die Macher der Seite unbehelligt ihr Unwesen treiben. Spätestens seit dem Tod des offen homosexuell lebenden Entertainers Dirk Bach, dessen Ableben die Katholiban der Seite mit einem Beitrag unter dem Titel „Jetzt brennt er in der ewigen Homo-Hölle" goutierten, hat das ein Ende. Denn der niederträchtige Beitrag, der auf der Seite veröffentlicht wurde, fand nicht nur Millionen Leser, sondern brachte das Fass zum Überlaufen. Der Bruno Gmünder Verlag in Berlin, der auf schwule Medien spezialisiert ist, hatte gegen den Autor des Beitrags und gegen das Portal Strafanzeige "wegen Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener, Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung" gestellt. Der Lesben- und Schwulenverband Deutschlands zeigte die Macher der Seite wegen Volksverhetzung an.

David Berger

Aktiv gegen kreuz.net: David Berger

Der Bruno Gmünder Verlag rief infolge des Beitrags die Kampagne Stoppt Kreuz.net ins Leben und setzte eine Belohnung von 15.000 Euro für Informationen aus, die zur Ergreifung der Hintermänner des Hassportals kreuz.net führen. Durch Spenden konnte diese Belohnung inzwischen auf 23.000 Euro erhöht werden. Die Koordination der Kampagne hat David Berger übernommen, der bereits 2007, als Funktionär der katholischen Kirche, erstmals vor dem Portal warnte.

Berger vermutet seit Jahren, dass das Portal von kirchlichen Mitarbeitern mit Informationen versorgt werde und über gute Verbindungen in die Amtskirche verfüge. Nun scheint er erstmals handfeste Belege zu haben. In der nächsten Woche will er diese der Berliner Staatsanwaltschaft vorlegen. Die DBK hatte jüngst behauptet, dass niemand aus dem Kirchendienst für kreuz.net tätig sei. In der Vergangenheit hatte die DBK immer nur behauptet, dass die extremistische Nachrichtenseite nichts mit der katholischen Kirche zu tun habe. Bestätigen sich Bergers Aussagen - und dafür scheint es einige Hinweise zu geben - dann stehen der katholischen Kirche einige unangenehme Monate bevor. Denn dann wäre nach dem Missbrauchskandal in katholischen Einrichtungen ein weiteres Mal Vertuschung als Prinzip der katholischen Problembewältigung entlarvt.

Wenn Sie weitere Informationen der Kampagne Stoppt kreuz.net suchen bzw. diese direkt oder indirekt unterstützen wollen, klicken Sie hier.

Zur Person: Als Kritiker der reaktionären und schwulenfeindlichen Kreise in der katholischen Kirche stieß David Berger als Herausgeber der Zeitschrift Theologisches und als Lektor der Päpstlichen Kongregation für die Glaubenslehre auf Widerstand. Sein Coming-Out als Homosexueller und seine Kritik an der Doppelmoral der katholischen Kirche in seinem Buch Der heilige Schein sorgten für eine Kontroverse, die bis heute anhält. Während er bei Reformchristen und Säkularen ein hohes Ansehen genießt, wird er von konservativen Katholiken als „Nestbeschmutzer" geschmäht.