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Kinderbetreuung in Deutschland: „Flächendeckende Trägervielfalt sieht anders aus“

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Helmut Fink, Vizepräsident des Humanistischen Verbandes Deutschlands, hat am Donnerstag den Abbau von Monopolen bei freien Trägerschaften gefordert. Vielfalt sei gerade bei Kindern und im Bereich der frühkindlichen Bildung unverzichtbar.
Donnerstag, 18. Oktober 2012

Anlass war die Veröffentlichung des ersten Fachberichts des Statistischen Bundesamtes über die Finanzen der Kindertageseinrichtungen in freier Trägerschaft. Der Fachbericht zeigte auf, dass fast zwei Millionen Kinder im Jahr 2010 in Kindertageseinrichtungen freier Träger betreut wurden.

Und künftig könnten es noch deutlich mehr werden. Denn ab August 2013 gibt es für alle Kinder ab dem ersten Lebensjahr einen Recht­sanspruch auf einen Betreuungsplatz. Die Regierung strebt an, so die frühkindliche Bildung zu fördern und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter zu verbessern. Im Hintergrund steht auch der demografische Wandel: Um ihn zu bewältigen, wird es zukünftig noch wichtiger, dass Mütter mit kleinen Kindern und auch ältere Menschen sich beruflich besser engagieren können.

Der Bericht zeigte auch, dass die Mehrheit der in öffentlichen Einrichtungen betreuten Kinder die Kindertagesstätten freier Träger besuchten: 64 Prozent besuchten eine der 34.000 Betreuungseinrichtungen im Land, die pro Jahr insgesamt 12,6 Milliarden Euro kosten. 77 Prozent der Ausgaben sind Personalkosten. Der Bericht kam zu dem Ergebnis, dass freie Träger wichtig für die Kindertages­betreuung sind.

„Unterschiedliche Trägerprofile stellen für Eltern und ihre Kinder eine begrüßenswerte Wahlmöglichkeit dar“, sagte Helmut Fink zur Veröffentlichung des Fachberichts.  Er betonte, dass sich der Verband bewusst seit vielen Jahren erfolgreich als freier Träger im Bereich der Kinderbetreuung und Kinderbildung engagiere. Fink: „Humanismus ist für uns nicht nur eine theoretische Weltanschauung, sondern bewährt sich in der täglichen Praxis des Lebens.“

Helmut Fink kritisierte allerdings, dass es bis heute regionale Monopole bei den freien Trägerschaften gibt: „Flächendeckende Trägervielfalt sieht anders aus“. Zwar werde der Ausbau von Kindertagesstätten durch das Sondervermögen Kinderbetreuungsausbau gefördert, doch in vielen Regionen käme die staatliche Förderung faktisch nur einer kleinen Gruppe von kirchlichen Trägern zugute.

„Fairer Wettbewerb setzt Wahlmöglichkeiten durch Angebotsvielfalt voraus“, so Fink, und der Abbau von Monopolstellungen im Bereich der freien Trägerschaften sei notwendig, damit der vom Grundgesetz vorgesehene Zweck der freien Trägerschaften verwirklicht werden kann. Der Sinn der verfassungsrechtlich garantierten Institution besteht darin, eine Gleichschaltung von Bildungseinrichtungen zu verhindert und Reforminitiativen zu unterstützen.

Fachbericht

Aber in vielen Gegenden Deutschlands ist das bis heute kaum machbar. Eltern, die etwa im rheinland-pfälzischen Trier nach echten Alternativen suchen, können kaum welche finden. Es gibt zwar zahlreiche Kindertagesstätten in der Stadt und im Umland, allerdings besitzen fast alle einen kirchlichen Träger.

Doch damit eine echte Wahl möglich gemacht werden könne, „darf es aber kein Monopol eines einzigen Anbieters geben, zu dem dann mangels Alternativen alle Eltern ihr Kind bringen müssen“, sagte dazu Helmut Fink.

Um das Potential der freien Träger in Deutschland wirklich auszuschöpfen, müssten nicht nur die Monopole im Bereich der Kinderbetreuung abgebaut werden. Ebenso sei eine ausreichende Vielzahl von Ausbildungsstätten für die pädagogischen Fachkräfte ein wichtiges Thema, das von der Politik zu lange vernachlässigt worden sei.

„Als Folge herrscht heute in vielen Teilen Deutschlands ein akuter Fachkräftemangel in diesem Bereich“, kritisierte Fink. „Zudem gibt es zwar viele Ausbildungseinrichtungen in kirchlicher Hand, aber noch kaum welche mit einem säkularen und humanistischen Profil.“

Hier liege daher eine wichtige Aufgabe der Politik. „Vielfalt sollte gerade bei Kindern und im Bereich der frühkindlichen Bildung als unverzichtbar angesehen werden. Wenn also alle freien Träger und nicht nur einige kirchliche und konfessionelle wichtig sind, müssen endlich Grundlagen für einen fairen Wettbewerb geschaffen werden. Der das Potential und das Engagement nichtreligiöser und humanistisch denkender Menschen bei der Kinderbetreuung und Ausbildung von Fachkräften nicht länger blockiert, sondern nutzt.“