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Beschneidung: Petition von Deutscher Kinderhilfe und HVD freigegeben

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Zwei Jahre keine gesetzlichen Schritte zur Legitimation der Beschneidung und die Einberufung eines Runden Tisches - dies ist die Forderung der von Humanisten und Kinderschutzexperten getragenen Petition 26078, die nach langem Ringen seit heute beim Bundestag freigeschaltet ist. Ab sofort kann jeder Staatsbürger die Petition mitzeichnen. Insgesamt 50.000 Unterstützer müssen in den nächsten vier Wochen gefunden werden, um eine Anhörung im Petitionsausschuss des Bundestages zu erreichen.
Donnerstag, 13. September 2012
Deutsche Kinderhilfe

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, zunächst für zwei Jahre keine gesetzlichen Schritte zur Legitimation der Beschneidung von Jungen in Deutschland zu ergreifen. Weiterhin möge der Deutsche Bundestag die Einsetzung eines Runden Tisches mit Experten aus allen Gebieten beschließen, um das Thema Beschneidung in Deutschland wissenschaftlich fundiert zu diskutieren und eine Strategie zu erarbeiten, welche alle Interessen, vor allem aber die Belange des Kindeswohls, berücksichtigt.

Lange hat es gedauert, bis der Deutsche Bundestag diesen Petitionstext angenommen hat und die Petition 26708 zum Mitzeichnen freigegeben hat. Ursprünglich war die Petition abgelehnt worden, weil bereits zwei die religiös motivierte Beschneidung betreffende Petitionen vorlagen. Diese forderten aber entweder eine grundsätzliche Freigabe oder ein grundsätzliches Beschneidungsverbot.

Die von der Deutschen Kinderhilfe, dem Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK), dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V., der Verband Betroffener sexuellen Kindesmissbrauchs MOGIS e.V. sowie dem Humanistischen Verband Deutschlands (HVD) getragene Petition fordert weder das eine noch das andere. Ziel der Petenten ist es, ein zweijähriges Gesetzesmoratorium zu erreichen, um die damit gewonnene Zeit zu nutzen, einen Runden Tisch aus Religionsvertretern, muslimischen und jüdischen Befürwortern und Gegnern der Beschneidung, Psychologen, Psychoanalytikern, Kinderärzten, Kinderchirurgen, Kinderschützern und Vertretern der Jugendhilfe sowie weiteren Experten einzuberufen, „um das Thema Beschneidung in Deutschland wissenschaftlich fundiert zu diskutieren und eine Strategie zu erarbeiten, welche alle Interessen, vor allem aber die Belange des Kindeswohls, berücksichtigt." Darüber hinaus soll der gesellschaftliche Dialog und Austausch in der Frage vorangebracht werden.

In den vergangenen Wochen hatten sich Humanisten, Kinderärzte, Psychologen und Kinderschutzvertreter immer wieder für die Petition stark gemacht, um deutlich zu machen, dass es nicht um die pauschale Ablehnung religiöser Riten geht, sondern um die überfällige Auseinandersetzung über die Notwendigkeit ritualisierter Bräuche und möglicher Alternativrituale in einer modernen Welt unter den Bedingungen religiös-weltanschaulicher Toleranz.

Die Petition kann bis zum 11. Oktober hier gezeichnet werden. Findet die Petition 50.000 Unterstützer, müssen die Petenten in einer öffentlichen Sitzung des Petitionsausschusses angehört werden.