Energiewende: Wer soll das bloß bezahlen?

Die Studie von Greenpeace und dem Bundesverband WindEnergie sorgt für dunkle Wolken am Himmel der Energieriesen | Foto: Thomas Hummitzsch
Zumindest ist die Energiegewinnung aus erneuerbaren Quellen nicht teurer als die aus fossilen, so die Studie. Denn der private Verbraucher zahlt für den konventionellen Strom verdeckte und versteckte Kosten, die in der Stromrechnung nicht ausgewiesen würden und über Steuern finanziert werden müssten. „Unterm Strich sind Atom und Kohle eben nicht nur gefährlich und schmutzig – sondern darüber hinaus auch teurer als Wasser und Wind."
Was Strom kostet kann jeder Stromkunde auf seiner Rechnung nachlesen. Je nach Anbieter sind es derzeit ca. 25 Cent je Kilowattstunde. Ein besonderes Ärgernis stellt für viele die Förderung des Ausbaus der regenativen Stromerzeugung dar. Derzeit sind es 3,53 Cent pro Kilowattstunde. Das sind laut Wikipedia immerhin 14,2% des Gesamtpreises. Diese Abgabe soll in Kürze auf ca. 5 Cent steigen. Zu viel meinen, die Kritiker, und fordern eine Drosselung des Ausbaus der Ökoenergieanlagen über eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Zu Recht?
Eine ganz andere Rechnung macht eine Studie auf, die im Auftrag von Greenpeace Energy und dem Bundesverband WindEnergie erstellt wurde: Die Studie Was Strom wirklich kostet vergleicht die direkten und indirekten Förderungen der jeweiligen Energieträger für den Zeitraum 1970 bis 2012 und legt die errechneten Kosten auf die geleisteten Kilowattstunden um. Dabei legt sie nicht nur einen „weit gefassten Subventionsbegriff zugrunde", „der neben direkten Finanzhilfen und Steuervergünstigungen auch weitere vom Staatshaushalt unabhängige Regelungen" umfasst. Besonders in den Blick geraten die wahlweise als „Zusatzkosten" oder „externe Kosten" bezeichneten Posten. Als solche werden zum einen staatliche Förderungen, zum anderen „Folgekosten" miteinbezogen. Letztere entstehen zum Beispiel durch Klimaschäden und durch mit der Atomenergie verbundenen Risiken. Bei allem Kostenwirrwarr stehen die Erneuerbaren am Ende gut dar:
Im Ergebnis trägt die Gesellschaft im Jahr 2012 bei einer Kilowattstunde Windstrom umgerechnet Kosten von 8,1 Cent und bei Wasserstrom 7,6 Cent. Die Gesamtkosten für Strom aus Braun- und Steinkohlekraftwerken summieren sich hingegen auf 15,6 bzw. 14,8 Cent und für Atomenergie sogar auf mindestens 16,4 Cent je Kilowattstunde. Die Kosten für Erdgasstrom liegen bei 9,0 Cent.
Auffällig ist hier die Ausklammerung der teuren Photovoltaik-Förderung. Doch gerade bei dieser Energiegewinnungsart sehen Kritiker den größten Handlungsbedarf. Denn die EEG garantiert Stromproduzenten einen weit über dem Handelspreis liegenden Abnahmepreis und befördert so den immensen und teuren Ausbau der Sonnenernergiegewinnung und setze damit falsche Anreize.
Die Studie summiert die Kosten der Förderung der fossilen Energieträger analog zur EEG zu einer „Konventionellen-Energien-Umlage" und kommt zu dem Schluss:
Würde man die Belastungen des Staatshaushalts und die externen Kosten durch die konventionellen Energieträger nach EEGMethode auf den Verbrauch der nicht privilegierten Stromabnehmer umlegen, läge diese KonventionelleEnergienUmlage im Jahr 2012 bei umgerechnet 10,2 Cent pro Kilowattstunde.
Trotzdem bleibt die Frage, wer den Preis für den Umstieg auf die erneuerbaren Energien zu zahlen hat. Die energieintensive Industrie ist es nicht: Laut einem Artikel der Süddeutschen Zeitung haben sich allein in diesem Jahr „bis zum Stichtag Ende Juni insgesamt 2.023 Unternehmen um Ausnahmen beworben - mehr als doppelt so viel wie im Jahr zuvor: Da waren es 813." Vermutlich bezahlen die normalen Verbraucher die Energiewende und in einem besonders hohen Maße die Armen. Denn die Höhe der Abgabe für das EEG ist nicht solidarisch, sondern je nach Verbrauch geregelt. Energie ist teuer und wird immer teurer werden. Und für manche unbezahlbar.







