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Einblicke in ein unbekanntes Universum

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Die britische Wochenzeitung "The Economist" widmet sich in der aktuellen Ausgabe dem „unheiligen“ Finanzgebaren der katholischen Kirche in den USA. Dies sei derart undurchsichtig, dass die Autoren nicht ausschließen wollen, dass eines Tages amerikanische Steuerzahler für die Entschädigungen der Missbrauchsopfer der katholischen Kirche aufkommen.
Dienstag, 21. August 2012
The Economist

Fakten über die Finanzlage der katholischen Kirche in den USA sind insofern spannend, als dass wenig bekannt ist über den „weltlichen Konzern" der amerikanischen katholischen Kirche. Die Journalisten des britischen Wirtschaftsfachblattes The Economist liefern nun einige Zahlen und stellen diese in Zusammenhang mit den aktuellen Schwierigkeiten der Kirche. Man erhält in dem Beitrag einen Eindruck, wie es um die katholische Kirche in den USA steht.

Fast ein Drittel aller Amerikaner ist katholisch getauft, etwa ein Viertel bezeichnet sich als katholisch. Hinter diesen Mitgliederzahlen steht ein Konzern, der nach Economist-Angaben 6.800 Schulen (5 % aller Schulen in den USA), 630 Krankenhäuser (11 % aller Kliniken in den USA) sowie 224 Colleges und Universitäten, von denen viele einen exzellenten Ruf genießen, betreibt.

2010 gab die katholische Kirche in den USA den Autoren zufolge 170 Mrd. US-Dollar aus, wovon laut Economist etwa 99 Mrd. US-Dollar in die Gesundheitsfürsorgeleistungen der Kirche geflossen sind, rund 49 Mrd. US-Dollar für Bildungsaufgaben in Colleges und Universitäten ausgegeben wurden, 11 Mrd. US-Dollar an die Gemeinden und Diözesen gingen und circa 13 Mrd. US-Dollar für karitative und andere Zwecke verwendet wurden. Dass von diesen Geldern kein unwesentlicher Teil vom amerikanischen Staat, den Bundesstaaten oder lokalen Behörden zur Verfügung gestellt wurde, versteht sich von selbst. Welch geldwertes Vermögen darüber hinaus noch vorhanden ist, macht die Tatsache deutlich, dass der Erzbischof von New York, Timothy M. Dolan, als mutmaßlich größter Immobilienbesitzer Manhattans in dem Beitrag aufgeführt wird.

Auf der anderen Seite aber stehen unzählige Missbrauchsklagen, die die Kirche im Durchschnitt eine Million US-Dollar Entschädigung pro Fall kosten. Um diese zu bewältigen, würden undurchsichtige Geldtransfers geleistet und Gelder ihrem Zweck entfremdet. Dazu kämen intransparent organisierte und zum Teil hoch riskante Geldanlagen, die in der Wirtschafts- und Finanzkrise zu enormen Verlusten geführt hätten. Die undurchsichtige Finanzpolitik sowie die finanziellen Belastungen infolge der Missbrauchsfälle in der amerikanischen katholischen Kirche habe zunehmend zu einem Liquiditätsproblem in den Diözesen geführt, heißt es in der aktuellen Ausgabe des Economist. Allein in den letzten acht Jahren sei acht Diözesen das Geld ausgegangen.

Aus diesem Grund habe in den vergangenen Jahren ein Strategiewechsel stattgefunden, demzufolge die katholische Kirche zunehmend auf staatliche Unterstützung statt auf die eigenen Finanzen setzt. Allein in Kalifornien, wo die finanzielle Unterstützung religiöser Gruppen gesetzlich verboten ist, haben katholische Institutionen 12 Mrd. US-Dollar in den vergangenen zehn Jahren erhalten, wovon drei Viertel in katholische Krankenhäuser gingen. Krankenhäuser, in denen Abtreibungen verboten sind, Verhütungsmittel nicht verschrieben werden und Menschen in existenziellen Fragen religiös motiviertem Druck ausgeliefert sind.

Viel folgenreicher und alarmierender sei aber, so die Autoren, dass es womöglich nur noch eine Frage der Zeit, bis der amerikanische Steuerzahler für die Entschädigungszahlungen der Missbrauchsopfer aufkommt. Schließlich seien Geldtransfers innerhalb der Kirche nicht ungewöhnlich und die Geldflüsse absolut undurchsichtig.

Den kompletten Beitrag können Sie hier lesen.