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Polen: Palikot-Führer glaubt an Reinkarnation

Janusz Palikot, der Anführer der antiklerikalen polnischen “Bewegung zur Unterstützung Palikots“, die im vergangenen Herbst als drittstärkste Fraktion in das polnische Parlament eingezogen ist, glaubt an Reinkarnation und die platonische Vielgötterlehre.
Freitag, 27. Januar 2012

Dies geht aus einem Interview mit dem polnischen Magazin Gazeta Wyborcza hervor. Gefragt nach seiner Position zur Abtreibung – die Partei hatte sich im Wahlkampf für die Lockerung des Abtreibungsverbots ausgesprochen – sagte er, dass er keineswegs der Ansicht sei, dass eine Abtreibung nicht auch eine seelische Belastung darstelle. Ob sich eine Frau allerdings einer solchen unterziehen dürfe, sei keine Frage, die gesetzlich zu regeln ist, sondern eine „spirituelle" Entscheidung, eine Frage des persönlichen Gewissens.

Janusz Palikot - Interview

Auf seiner Homepage veröffentlichte das polnische Magazin "Gazeta Wyborcza" einen Auszug aus dem Interview, welches im gedruckten Heft erschien.

Weiter sagte Janusz Palikot in dem Interview, dass die Antwort auf die Frage, wann das Leben beginne, eine philosophische sei. Er persönlich glaube, dass sich die Seele ihren Körper erst nach der Geburt wähle. In dem Interview führt er weiter aus:

Ich fühle mich den platonischen und hinduistischen Positionen früherer Generationen verbunden. Entsprechend glaube ich, dass die Seele wieder zur Erde zurückkehrt in Form von verschiedenen Gremien und in diesem Sinne ist sie unsterblich und stirbt nicht mit dem Körper. Und das bedeutet, dass die Frage der Abtreibung ein Problem des Körpers und nicht der Seele ist."

In dem Interview geht Palikot auch auf die antiklerikalen Forderungen seiner Partei ein. So spricht er sich für die Entfernung religiöser Symbole aus den öffentlichen Schulen und Einrichtungen aus und fordert Gesetze, die das Verhältnis von Staat und Kirche, etwa bei staatlichen Zeremonien, der Finanzierung der Kirche oder dem öffentlichen Gebet im Parlament neu regulieren. Es sei empörend, das Abgeordnete der konservativen, kirchentreuen Parteien im Sejm laut beten und so die Plenarsitzungen stören dürften, ohne dass sie strafrechtliche Konsequenzen fürchten müssen.

Der umstrittene Führer der Palikot-Bewegung sprach sich außerdem dafür aus, dass Taufen erst nach dem 18. Lebensjahr stattfinden sollten. Außerdem forderte er die Abschaffung des persönlichen Erscheinens vor dem zuständigen Pfarrer beim Kirchenaustritt. Mit mindestens zwei Zeugen muss man in Polen in der zuständigen Pfarrkanzlei erscheinen und den Taufschein vorlegen, will man aus der Kirche austreten (siehe auch: Druckausgabe diesseits 4/2011).

In ihrem Wahlkampf zur Parlamentswahl 2011 plädierte die Partei u.a. „für einen weltlichen Staat ohne Einmischung der Kirche", ein liberaleres Abtreibungsgesetz, die Zulassung der künstlichen Befruchtung nach der In-Vitro-Methode und für den kostenlosen Zugang zu Verhütungsmitteln. Die Partei fordert auch eine Stärkung der Rechte von Homosexuellen und die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Zu den 40 Palikot-Abgeordneten im Sejm gehören auch der bekannte Homosexuellenaktivist Robert Biedroń, die erste Transsexuelle im polnischen Parlament Anna Grodska sowie die Feministin Wanda Nowicka. Die linksliberale Partei ist aufgrund der populistischen und medienwirksamen Auftritte ihres "Gurus" in Polens säkularer Szene sowie unter Humanisten und Atheisten in ganz Europa umstritten.