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Bedingungen und Praxis der Sterbehilfe

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Um die Bedingungen und Praxis der kontrovers diskutierten Sterbehilfe in Deutschland ging es am 11. Januar 2012 im Kulturzentrum PFL in Oldenburg. Der Humanistische Verband Oldenburg hatte zu diesem Vortragsabend mit anschließender Fragerunde eingeladen, zu dem zahlreiche Interessenten erschienen waren.
Freitag, 20. Januar 2012
Urnenfeld HVD-Berlin

Das Humanistische Urnenfeld in Berlin. Die Debatte, ob aktive Sterbehilfe zum humanen Sterben gehört, ist allerdings längst nicht am Ende.

Käthe Nebel, Mitglied des Humanistischen Verbands und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes, erklärte in ihrem Vortrag, dass die in diesem Zusammenhang häufig verwendete Bezeichnung „Selbstmord" nicht zutreffend ist, da kein Mord im juristischen Sinne vorliegt. Richtig sei in diesem Zusammenhang die Verwendung der Begriffe „Suizid" oder „Selbsttötung". In ihrem rund 30-minütigen Referat stellte die engagierte Humanistin den Unterschied zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe dar und berichtete über die Aktivitäten von derzeit drei praktizierenden Sterbehilfe-Organisationen in Deutschland und der Schweiz.

Die aktive Sterbehilfe ist die gezielte Verabreichung tödlich wirkender Substanzen auf Wunsch der betreffenden Person; das Präparat wird dabei nicht von der Person selbst zugeführt. Aktive Sterbehilfe ist in Deutschland ausnahmslos verboten und wird bestraft – in Europa wird nur in Belgien, den Niederlanden und Luxemburg die aktive Sterbehilfe unter dezidierten Bedingungen erlaubt. Unter passiver Sterbehilfe versteht man den Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen oder deren Beendigung, um ein leidvolles Sterben nicht zu verlängern – man lässt den natürlichen Sterbeprozess einfach geschehen. Nach einer in 2008 durchgeführten Meinungsbefragung der deutschen Bevölkerung durch das Institut für Demoskopie Allensbach befürworten rund 53 % die aktive Sterbehilfe, einer passiven Sterbehilfe stimmten rund 72 % der Befragten zu.

Die Aktivitäten von Organisationen wie Dignitas in der Schweiz fallen weder in die Kategorie passive noch aktive Sterbehilfe. Dem Betroffenen wird das Präparat nicht verabreicht, sondern lediglich zur Verfügung gestellt; der Patient nimmt die Substanz selbst ein. Es ist die Beihilfe zur Selbsttötung, die in der Schweiz und auch in Deutschland nicht strafbar ist. Nach Ansicht der deutschen Bundesärztekammer verstößt die Beihilfe zum Suizid jedoch gegen das ärztliche Ethos. Ärzten in Deutschland ist die Hilfeleistung zur Selbsttötung durch die Berufsordnung verboten. Es droht den zuwider handelnden Ärzten die Aberkennung der Approbation.

In ihrem Fazit führte Käthe Nebel an, dass sie persönlich ein gutes Gefühl habe mit der Vorstellung, dass die Bürger in der Bundesrepublik Deutschland nicht nur das Recht auf Leben, sondern auch das selbstbestimmte Recht auf Tod hätten, wenn das Ende unmittelbar bevorstehe. Leider ist die derzeitige Realität häufig so, dass todkranke Menschen befürchten müssen, dass ihnen die Ärzte selbst auf ihren ausdrücklichen Wunsch hin nicht helfen wollen oder können, um schmerzfrei aus dem Leben zu scheiden. Es sei zu hoffen, so Nebel unter breiter Zustimmung der Zuhörer, dass die Sterbehilfe auch in Deutschland liberalisiert wird.