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Religiöse in Malta machen gegen Scheidung mobil

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Malta ist das einzige europäische Land, in dem Scheidungen verboten sind. Doch es regt sich Widerstand in dem Inselstaat, der als katholisches Bollwerk Europas gilt. Ein Referendum soll Scheidungen legalisieren, der Kirche passt das gar nicht.
Freitag, 6. Mai 2011

Die religiösen Kräfte in Malta unterstützen mit hohen Beträgen eine Kampagne zu einem Referendum, welches verhindern will, dass eine gesetzliche Regelung für Scheidungen verhindern will. Neben den Philippinen ist Malta das einzige Land auf der Welt, in dem Scheidungen verboten sind.

Malta_Scheidungskampagne

Mit riesigen Aufstellern nimmt die Katholische Kirche Einfluss auf das Referendum zur Legalisierung von Scheidungen auf Malta

Malta gilt als katholisches Bollwerk in Europa. 98 % der etwa 400.000 Malteser sind katholisch und mehr als die Hälfte davon besucht regelmäßig die Kirche. Diese nutzt nun ihren Einfluss und unterstützt eine Kampagne mit riesigen Plakaten, auf denen zu lesen ist "Christ JA, Scheidung NEIN". Diese Kampagne begleitet die ohnehin schon starke Stimmungsmache der Katholischen Kirche gegen einen Gesetzvorschlag, der Scheidungen in Malta legalisieren will. In zahlreichen Fällen sagten katholische Würdenträger öffentlich, dass ein guter Christ nicht sein könne, wer für die Legalisierung der Scheidungen stimme. Menschen, die dies täten, begingen eine "Todsünde". Die Bischofskonferenz des Inselstaates drohte den Befürwortern mit Exkommunikation. Selbst Papst Benedikt XVI. nahm Einfluss auf die Debatte und sagte zu den Maltesern: "Ihr solltet stolz darauf sein, dass euer Land sowohl die Ungeborenen schützt wie auch ein stabiles Familienleben fördert, indem es die Abtreibung und die Ehescheidung ablehnt."

Eingereicht wurde der Vorschlag im vergangenen Jahr von einem Abgeordneten der konservativ-katholischen Regierungspartei PN (Partit Nazzjonalista). Jeffrey Pullicino Orlando, der selbst von seiner Frau getrennt lebt, orientiert sich dabei am Beispiel Irlands. Sein Gesetzesvorschlag will Scheidungen dann ermöglichen, wenn Beziehungen unwiderruflich zerbrochen sind. Mit dieser Initiative löste er eine intensiv geführte Debatte aus. Während die oppositionelle Arbeitspartei dem Vorschlag zustimmte, regte sich im Lager der Regierungspartei um Ministerpräsident Lawrence Gonzi reger Widerstand. Da die PN mit 35 Sitzen im Parlament nur ein Sitz mehr innehat als die Arbeitspartei (34 Sitze) und die Gesetzgebungsinitiative von einem Abgeordneten der eigenen Partei ausging, müsste Gonzi bei einer Abstimmung im Parlament um seine Regierungsmehrheit bangen. Aus diesem Grund will er die Entscheidung dem maltesischen Volk überlassen, welches in einem Referendum darüber abstimmen soll.

Neben dem Referendum hat eine maltesische Anwältin angekündigt, gegen das bestehende Scheidungsverbot vor dem landeseigenen Verfassungsgericht und anschließend vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof klagen.

Was die Katholische Kirche offensichtlich nicht akzeptieren will: In Malta sind in den vergangenen Jahren die Zahlen gescheiterter Ehen rasant gestiegen. Auch in einer katholisch geprägten Gesellschaft kann man nicht verhindern, dass Paare vielleicht erkennen müssen, dass ein Zusammenleben nicht mehr möglich ist. Statistischen Angaben zufolge leben etwa 15.000 Malteser, das sind ca. 7 % aller Verheirateten, von ihrem Partner getrennt. Diese Paare können sich im Ausland scheiden lassen, aber nur wenige machen davon Gebrauch. Stattdessen durchlaufen die meisten getrennten Paare ein Verfahren zur gesetzlichen Trennung. Nach einem Mediationsverfahren können sie getrennt leben, die Heirat eines neuen Partners bleibt aber unmöglich. Die Treuepflicht zwischen den Ehegatten sowie mögliche Unterhaltsverpflichtungen bleiben bestehen.