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Olympische Spiele in London: Atheisten unerwünscht?

193 Kaplane und Priester sowie ein multireligiöses Glaubenszentrum sollen die geistig-kulturellen Bedürfnisse der Sportler, Mannschaften und Helfer bei den Olympischen Spielen in London befriedigen. Nicht-Gläubige kommen im „Glaubens-Konzept“ des Organisationskomitees jedoch nicht vor.
Montag, 21. November 2011
Olympische Spiele London Faith Pin Badge

Glaubenslogo London 2012 | Copyright: LOGOC

Anfang November fand eine Führung über den Olympischen Park in London statt. An dieser Führung teilgenommen haben die Führer der neun im sog. Glaubenszentrum vertretenen Religionen, d.h. von Christentum, Islam, Judentum, Hinduismus, Buddhismus, Jainismus, der Bahai-Religion, der Sikh-Religion und der zarathustrischen Religionsgemeinschaft. Sie werden vom Organisationskomitee der Olympischen Spiele in London umgarnt, um die „vielfältigsten und inklusivsten Spiele aller Zeiten" gestalten zu können.

Dafür entsteht im olympischen Dorf eine Kathedrale der Religionen. Insgesamt 193 Kaplane und Priester der unterschiedlichen Religionen sollen während der Olympischen Spiele und der Paralympics im Sommer kommenden Jahres für den geistig-kulturellen Ausgleich der 17.000 Sportler, 200.000 Teammitglieder sowie der 20.000 freiwilligen Helfer sorgen. Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der Religionen soll das Organisationskomitee in der weiteren Organisation beraten, um Glaubensfragen rechtzeitig und adäquat ins Spiel zu bringen.

Im Rahmen der Visite wurde auch ein „Glaubens-Logo" vorgestellt, um den Gedanken der multikulturellen Toleranz nach außen zu tragen. Der Cheforganisator der Olympischen Spiele in London, Paul Deighton, sagte anlässlich des Treffens des Organisationskomitees mit den religiösen Führern:

Die Olympischen Spiele und Paralympischen Spiele sind nicht nur ein Schaufenster für sportliche Höchstleistungen, sondern auch ein Fest der verschiedenen Religionen und Kulturen. In den letzten vier Jahren haben wir eng mit allen neun Konfessionen zusammengearbeitet, um sicherzustellen, dass Menschen aller Glaubensrichtungen das Gefühl haben, ihren Teil zu den Olympischen Spielen in London  2012 beitragen zu können – egal ob als Zuschauer, Sportler oder Mitglied der lokalen Gemeinschaft.

Olympische Spiele London_Glaubensführer

Führer und Vertreter von neun Religionen besuchten das Olympische Velodrome und präsentierten gemeinsam das Glaubenslogo für die Olympischen Spiele in London 2012 | Copyright: LOGOC

Eine geistig-kulturelle Anlaufstelle für Atheisten und Agnostiker ist nicht vorgesehen. Entsprechend zufrieden zeigte sich das Oberhaupt der Kirche in England, der Erzbischof von Canterbury Rowan Douglas Williams. Er frohlockte nach der Führung, dass es „sehr ermutigend" sei, zu sehen, wie Glaubensgemeinschaften in diesem großen Unternehmen der Feier und Regeneration einbezogen würden.

Kritisch positionierte sich hingegen der hinduistische Vertreter Rajan Zed, der sagte, dass auch Nicht-Gläubige ihren Platz bei den Olympischen Spielen bekommen müssten, da sie „einen erheblichen Batzen" der Bevölkerung repräsentieren. Auch Terry Sanderson, Präsident der Nationalen Säkularen Gesellschaft (NSS), kritisierte das Organisationskomitee und seine Fixierung auf die Religionsgemeinschaften:

Diese Überbetonung der Religion ist für ein Ereignis, das Menschen aller Nationalitäten und Rassen zusammenzubringen sucht, nicht angemessen. Wenn es eine Sache gibt, die für Streit und Ausfälle sorgen kann, dann ist es Religion. Säkulare Olympische Spiele, aus denen die Religion herausgehalten wird und sich auf die private Praxis beschränkt, wären sicherer und sympathischer für alle.