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Humanisten bitten um Erdbebenhilfe für Nepal

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Nach den katastrophalen Erschütterungen im Himalaya vor zehn Tagen ist die Lage in Nepal immer noch extrem chaotisch. Die Regierung geht von mehr als 10.000 Todesopfern aus. Etwa 130.000 Häuser sind zerstört, rund 2,8 Millionen Menschen obdachlos. Es fehlt an Rettungskräften, Nahrungsmitteln und Medikamenten. Humanisten wollen hier helfen.
Dienstag, 5. Mai 2015
Foto: Debris2008 / Flickr / CC-BY-SA

Das Erdbeben am 25. April 2015 war das schlimmste seit 80 Jahren in Nepal. Foto: Debris2008 / Flickr / CC-BY-SA

Der Appell aus Nepal, der das Humanistische Hilfswerk Deutschland am Montag erreicht hat, spricht eine klare Sprache: Derzeit seien über 90 Prozent der Bevölkerung in den betroffenen Gebieten ohne medizinische Behandlung, Nahrungsmittel und trotz Regen und Kälte ohne Unterkunft. Die Zahl der registrierten Toten im Land beläuft sich bereits auf mehr als 6.000, über 100.000 Menschen benötigen dringend medizinische Hilfe. Der eindringliche Hilferuf, der von der Society for Humanism (SOCH) Nepal versandt wurde, weist darauf hin, dass Nepal eines der ärmsten Länder der Welt (auf dem Human Development Index der Vereinten Nationen steht das Land auf Platz 145, zwischen Pakistan und Äquatorialguinea) ist und die Monsunzeit sehr bald beginnt. Die Menschen werden ihre Häuser vorher nicht wieder aufbauen können, so der Aufruf von SOCH. In der 2005 gegründeten Organisation arbeiten nepalesische Atheisten und Agnostiker zusammen, um in der ganz überwiegend hinduistisch geprägt Gesellschaft für ein wissenschaftliches Weltbild und humanistische Ideen zu werben.

Im Vordergrund werden in den kommenden Monaten jedoch zunächst die humanitäre Hilfe und der Kampf um die allernotwendigsten Dinge stehen, denn die Bevölkerung ist nach dem Katastrophen-Beben in vielfacher Hinsicht auf jede denkbare Hilfe angewiesen – sogar längerfristig, wie Betroffene in Nepal es jetzt schon absehen können. Denn es gibt nicht nur zahlreiche Opfer unmittelbar zu versorgen. In dem stark von Landwirtschaft abhängigen Land (80 Prozent der Exportgüter sind landwirtschaftliche Produkte) werden Ernten ausfallen. Bereits jetzt wissen die betroffenen Bauern nicht, wie sie die Aussaat von Reis bewerkstelligen sollen, die vor Beginn des Monsuns erfolgen muss. Zahlreiche Terrassenfelder mit Weizen und Mais sind zerstört. Viele Bauern haben nicht nur ihr Haus verloren, sie müssen sich vor weiteren Erdrutschen und Lawinen fürchten.

Die Mitglieder der Society for Humanism haben bereits damit begonnen, Betroffenen bei der Versorgung mit Lebensmitteln und der Suche nach Obdach zu helfen und dafür hunderte Freiwillige mobilisiert. Schon jetzt ist aber klar, dass auch sie auf Unterstützung der internationalen Gemeinschaft angewiesen sind, um dem riesigen Bedarf an Hilfe nachzukommen. Das Humanistische Hilfswerk ruft deshalb nun dazu auf, die Humanisten in Nepal bei ihrer Hilfe zur Selbsthilfe nicht allein zu lassen. „Die Tragödien, welche die Menschen im Land derzeit durchmachen müssen, können wir nur erahnen“, sagte der ehrenamtliche Präsident des als gemeinnützig anerkannten Hilfswerks, Michael Bauer, am Dienstag zu dem Hilferuf für die nepalesische Bevölkerung. „Die Bilder, die uns täglich über die Medien erreichen, lassen niemanden von uns unberührt. Die Not und das Elend machen keinen Unterschied zwischen Menschen in der Frage, ob sie religiös oder nichtreligiös sind. Wir blicken deshalb mit großem Respekt auf das konkrete humanistische Engagement unserer Freunde in Nepal“, so Bauer weiter in seinem Aufruf für die Hilfsaktionen der Society for Humanism zu spenden.

Foto: IHEU

Angehörige der Society for Humanism im Jahr 2014, als in Nepal die 2nd World Conference on Untouchability stattfand. Foto: IHEU

Die Unterstützung für die humanitäre Hilfe der Humanisten in Nepal liefert den Erdbebenopfern aber nicht nur die finanziellen Mittel, auf die sie zur Fortführung der bisher angelaufenen Aktionen bei der Versorgung mit Nahrungsmitteln und Unterkunft angewiesen sind. Absehbar ist auch, dass das Engagement der nepalesischen Humanisten für die Erdbebenopfer in der tiefreligiösen Gesellschaft neben der Dankbarkeit von denen, die Hilfe erhalten, als Nebeneffekt einen nicht ganz unbeachtlichen ideellen Ertrag bringt: denn die Tätigkeiten helfen dabei, Vorurteile gegenüber Menschen, die keine Religion haben, in der Bevölkerung abzubauen. Diese sind in vielen ärmeren Gesellschaften noch wesentlich stärker verankert als etwa in Deutschland. Jede helfende Hand, welche die Society for Humanism in dem von Naturgewalten tief erschütterten Land jetzt mobilisieren kann, steht somit auch für die wichtige Botschaft: Ich glaube nicht an einen Gott, aber ich glaube an das Gute.

www.humanistisches-hilfswerk.de