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Island: Atheisten-Verein beschließt Aufnahme aller Einwohner

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Auch Neugeborene sollen seit dem 1. März automatisch als Mitglied registriert werden.
Mittwoch, 25. März 2015

Das teilte der 2003 gegründete Verein Vantrú, dessen Name soviel wie „Unglaube“ bedeutet, nach seiner letzten Vorstandssitzung auf der Homepage mit. In der Mitteilung hieß es weiter, auch werdende Eltern bräuchten sich nicht um den „Verlust ihrer Kinder“ zu sorgen, denn Neugeborene würden auch ohne deren Zustimmung „Teil dieser lebendigen Gemeinschaft“ werden. „Das ist natürlich bei weitem der beste Weg. Und fair“, so der Vorstand. Und: „In dem unwahrscheinlichen Fall, dass Sie kein Mitglied sein wollen“ sei es, vorausgesetzt der Betreffende ist mindestens 18 Jahre alt, einfach durch Einsendung einer E-Mail mit einer Ausweiskopie an den Verein möglich, die Mitgliedschaft zu kündigen. Man hoffe aber, dass die Medien in Zukunft über das Erreichen der Vantrú-Mitgliederzahl von 330.000 berichten werden. Denn in etwa so viele Einwohner hat der kleine Inselstaat im Nordatlantik.

Was tatsächlich als satirische Aktion gemeint war, hat – wie bei Satiren üblich – einen ernsthaften Hintergrund. Denn offiziell gelten rund 80 Prozent der Bevölkerung als Angehörige der evangelisch-lutherischen Isländischen Staatskirche. Diese wird nicht nur gemäß Verfassung besonders vom Staat unterstützt und geschützt. Auch beim Thema der Glaubensfreiheit gelten, wie in vielen Ländern weltweit, höchst fragwürdige Regeln. In Island sieht das Gesetz vor, dass Neugeborene automatisch als Mitglied der Isländischen Kirche registriert werden, sofern die Mutter des Kindes der Kirche angehört – ferner ist die Person bei Erreichen der Volljährigkeit der Kirchensteuerpflicht ausgesetzt, sofern sie sich nicht vorher abgemeldet hat. Um aus der nationalen Kirche aus- oder in eine andere Religionsgemeinschaft überzutreten, ist wie in Deutschland der Gang zur Behörde erforderlich. Heranwachsende bis zum Alter von 16 Jahren benötigen die Zustimmung der Eltern oder des Vormunds, womit die sogenannte Religionsmündigkeit zwei Jahre höher liegt als etwas in Deutschland. Die Austrittszahlen bei der Isländischen Kirche liegen trotzdem seit längerem über der Zahl der Neuzugänge, d.h. die Mitgliederzahl sinkt. Auch sei laut Medienberichten der Anteil der Neugeborenen, die in der Kirche registriert werden, in den letzten zehn Jahren von 80 auf 59 Prozent gefallen.

Im Netz führte die Vantrú-Mitteilung rasch zu viel Aufmerksamkeit und auch Kontroversen. Mehrere Einwohner kommentierten unter der Mitteilung, nicht mit dem Verein in Verbindung gebracht werden zu wollen und erklärten, nicht registriert werden zu wollen. Ein anderer meinte: „Das ist das Beste, was für die isländische Nation geschehen ist!“ Auf Facebook schrieb hingegen ein unitarischer Geistlicher, die Aktion „bietet eine nützliche und wichtige Kritik an einem Gesetz, das sowohl veraltet wie auch fehlgeleitet ist.“ Eine Bürgerin aus der isländischen Hauptstadt Reykjavík meinte, hinsichtlich der Kirchenmitgliedszahlen sei Island ein sehr christliches Land, hinsichtlich der religiösen Praxis der Bewohner und der Beachtung religiöser Lehren und Moralvorstellungen jedoch sehr weltlich. Ein anderer Leser aus Reykjavík teilte wiederrum mit, als Stufe-3-Pastafari sei er über das Vorgehen äußerst empört: „Diese Atheisten sind nicht stroganoff (wohl pastafarianisch für „strong enough“, d.h. „stark genug“, d. Red.) genug, um mich zu konvertieren!“