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Österreich: Freidenker lehnen „Religioten“-Begriff ab

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Stellungnahme verspricht Verzicht auf herabwürdigende Bezeichnung von Gläubigen.
Montag, 26. Januar 2015

Der in Wien ansässige Freidenkerbund Österreichs will in Zukunft auf die Verwendung des Begriffs „Religioten“ als Bezeichnung für religiöse Menschen verzichten. Dies geht aus einer Stellungnahme in der aktuellen Ausgabe der vom Freidenkerbund Österreichs herausgegebenen Zeitschrift freidenker hervor.

„Religiot“ ist ein Neologismus aus den Begriffen „Religion“ und „Idiot“. In der Stellungnahme heißt es dazu, der von dem Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung und Buchautor Michael Schmidt-Salomon erfundene Begriff betone eine „Diskrepanz im Leben religiöser Menschen“, die sich darin ausdrücke, dass ein Mensch einerseits auf die Errungenschaften wissenschaftlicher Forschung vertraue, zugleich aber „völlig aberwitzigen Unsinn glaubt und diese weltfremden Überzeugungen – unter Preisgabe jeglicher intellektueller Redlichkeit – verteidigt.“

Sehr stark an Popularität gewonnen hat der Begriff insbesondere durch eine nach dem Erscheinen des Buches Keine Macht den Doofen im Jahr 2012 bei Facebook veröffentlichte Seite, die für den Begriff wirbt. Die Seite besitzt derzeit knapp 34.000 Anhänger und verbreitet hauptsächlich religionskritische Karikaturen und Zeichnungen.

Weiter heißt es in der Stellungnahme, im gegenwärtigen Diskurs sei der Eindruck entstanden, dass Freidenker religiöse Menschen generell als Idioten ansehen. „Hierbei handelt es sich aber um eine sachlich unzutreffende und pauschale Diffamierung von Mitmenschen“, von denen sich der Freidenkerbund deutlich distanziere. „Wir Freidenker und Humanisten fordern – im Gegensatz zu vielen Religionen – den Basisrespekt gegenüber allen Menschen ein. Wir kritisieren daher – auch durchaus mit den Mittel der Satire – die ‚Idiotie‘ der absurden Ideologie, lehnen aber die herabwürdige Bezeichnung von Gläubigen als ‚Idioten‘ ab“, so der promovierte Althistoriker und freidenker-Chefredakteur Ronald Bilik. Der Freidenkerbund werde künftig in seinen Publikationen auf die Verwendung des Begriffs verzichten.

Die Stellungnahme des Freidenkerbunds Österreich traf auch in Deutschland auf Zuspruch. Der Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschlands, Frieder Otto Wolf, begrüßte die klarstellenden Äußerungen aus Wien. „Religiös geprägter Fanatismus und Extremismus wird nicht nur von nichtreligiösen Menschen mit humanistischen Überzeugungen abgelehnt, sondern auch von den meisten der hier lebenden Angehörigen der verschiedenen Konfessionen“, so Wolf. Es gebe zwar immer wieder erschreckende Berichte aus anderen Ländern, in denen die Verletzung der Menschenrechte mit religiösen Vorstellungen begründet wird. Doch auch bloßer Atheismus schütze nicht vor ideologischen Irrwegen und widersprüchlichen oder falschen Handlungen, erinnerte er. Die pauschale Herabwürdigung von Gläubigen sei bei dem Versuch, Akte der Gewalt oder die systematische Benachteiligung nichtreligiöser Menschen zu thematisieren, jedoch wenig hilfreich, so Wolf.