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UN-Menschenrechtsrat: IHEU prangert weltweite Verfolgung von Atheisten an

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Das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit gilt auch für Menschen, die keinen religiösen Glauben haben. Das hat eine Sprecherin der Internationalen Humanistischen und Ethischen Union (IHEU) vor dem Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen am vergangenen Mittwoch in Genf betont. Im März findet die 25. Plenarsitzung des Menschenrechtsrates statt.
Samstag, 15. März 2014
Foto: IHEU/CFI

O’Casey: Sprache der Vereinten Nationen ist von fundamentaler Bedeutung. Foto: IHEU/CFI

IHEU-Sprecherin Elizabeth O’Casey sagte vor dem Plenum, dass das Recht auf Gedankenfreiheit-, Gewissens- und Religionsfreiheit fälschlicherweise zu oft einseitig zugunsten der Religionen ausgelegt werde. „Das Recht auf freies Denken ist Vorstufe und Vorläufer der anderen Grundfreiheiten“, so O’Casey in ihrer Stellungnahme. Sie begrüßte es, dass der UN-Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit, Heiner Bielefeldt, in seinem aktuellen Bericht darauf hingewiesen hat, dass die Religions- und Glaubensfreiheit nicht nur die „klassischen“ Religionen umfasst.

Insbesondere werde das Recht auf Gedankenfreiheit, das diejenigen ohne religiöse Überzeugungen schützt, zu oft vergessen oder wissentlich verletzt. Sie verwies dabei darauf, dass in 19 Staaten gesetzliche Strafen gegen die Abkehr vom Glauben existieren und sich Atheisten in einigen Ländern sogar von der Todesstrafe bedroht sehen. In anderen Staaten sind konfessionsfreie Menschen von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen oder der Erwerb der Staatsbürgerschaft ist vom Bekenntnis abhängig. Hass und Vorurteile gegenüber Atheisten sind weltweit verbreitet, betonte O’Casey.

Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion oder Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen.

– Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte

Anlässlich des internationalen Tages der Menschenrechte am 10. Dezember hatte die IHEU im vergangenen Jahr zum zweiten Mal einen umfassenden Bericht veröffentlicht, der die weltweite Diskriminierung und Verfolgung von Atheisten dokumentiert. IHEU-Präsidentin Sonja Eggerickx sagte zur Vorstellung des Berichts, dass „die überwältige Mehrheit der Länder bei der Respektierung der Menschenrechte von Atheisten und Freidenkern versagt, obwohl alle Staaten die UN-Konventionen zur gleichen Behandlung ihrer Bürger unterzeichnet haben.“

Elizabeth O’Casey forderte den UN-Menschenrechtsrat angesichts der dramatischen Missstände dazu auf, dass der weltweit verbreitete Hass gegen Nichtgläubige in den Berichten und entsprechenden Resolutionen des Rates ausdrücklich benannt werden muss. Zudem sollten alle Resolutionen, die das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit behandeln, nichtreligiöse Menschen als eigene Gruppe, die durch Artikel 18 ebenfalls geschützt ist, erwähnen. Sofern in den Dokumenten des Menschenrechtsrates von religiöser Verfolgung die Rede ist, müsse auch auf die Verfolgung von nichtreligiösen Menschen hingewiesen werden. Die Sprache der Vereinten Nationen, unterstrich O’Casey schließlich, sei hier von fundamentaler Bedeutung. Das müsse sich der UN-Sonderberichterstatter vergegenwärtigen, wenn es um die Diskriminierungen und Verfolgungen geht, mit denen nichtreligiöse Menschen auf der ganzen Erde konfrontiert sind.