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Sterbehilfe: Stephen Hawking für das Recht auf ein selbstbestimmtes Lebensende

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„Wir lassen Tiere nicht leiden, warum dann Menschen?“ – Todkranke sollen das Recht haben, sich beim Sterben helfen zu lassen, ohne dass ihre Helfer strafrechtliche Konsequenzen fürchten müssen. Dafür hat sich der britische Kosmologe und Physiker Stephen Hawking, der seit langem an einer degenerativen Nervenerkrankung leidet, ausgesprochen.
Mittwoch, 25. September 2013

Hawking ist seit rund 23 Jahren auf einen Rollstuhl und eigens entwickelte Hilfsmittel zur Kommunikation angewiesen. Im Alter von 21 Jahren wurde bei ihm die motorische Nervenerkrankung Amyotrophe Lateralsklerose diagnostiziert. Trotz der Krankheit gelang es dem heute 71-Jährigen, zu einem der führenden Wissenschaftler weltweit sowie als ein Autor von zahlreichen erfolgreichen populärwissenschaftlichen Büchern außerhalb der Fachwelt bekannt zu werden.

In einem Interview mit der BBC sprach sich Hawking in der vergangenen Woche nun dafür aus, die Suizidbeihilfe unter bestimmten Voraussetzungen zu legalisieren. Im Vereinigten Königreich ist es wie in vielen Ländern verboten, auch todkranken und leidenden Menschen bei einem Suizid zu helfen, um sie in der Wahrnehmung ihres Rechts auf ein selbstbestimmtes Lebensende zu unterstützen. Für die Aufhebung gesetzlicher Verbote in diesem Bereich wirbt in dem Land unter anderem die Organisation Dignity in dying („Würde beim Sterben“), sie zählte nach eigenen Angaben im Jahr 2010 rund 25.000 Mitglieder.

Bild: Screenshot / BBC

"Hawking" – Ein neuer Film über das Leben des Astrophysikers hatte am vergangenen Donnerstag Premiere in den US-amerikanischen und britischen Kinos. Bild: Screenshot / BBC

Gegenüber der BBC sagte Hawking: „Ich denke, dass jene, welche eine unheilbare Krankheit haben und große Schmerzen erleiden, das Recht haben sollten, sich für ein Ende des Lebens zu entscheiden.“ Diejenigen, die ihnen dabei helfen, sollten nicht strafrechtliche Konsequenzen fürchten müssen. Wichtig sei aus seiner Sicht aber auch, dass die zum Sterben entschlossenen Menschen Begleiter haben, die eine freiwillige und bewusste Entscheidung sicherstellen.

In Deutschland ist die Suizidbeihilfe derzeit zwar nicht generell illegal, soll aber nach dem Willen der Kirchen und der regierenden Unionsparteien auch hier so weit wie möglich verboten werden. Darauf wies am vergangenen Montag erneut der Verein Sterbehilfe Deutschland in einer Pressemitteilung zur Bundestagswahl 2013 hin. Und auch in der Öffentlichkeit fordern radikale christlich-religiöse Gruppierungen unter dem Missbrauch des Begriffs „Lebensrecht“ seit Jahren ein Verbot jeglicher Form von Suizidbeihilfe in ganz Europa.

Gegner des Rechts von selbstbestimmtem Sterben argumentieren, dass die Legalisierung eine zu große Missbrauchsgefahr mit sich bringe und es keine menschliche bzw. ausschließlich eine göttliche Verfügbarkeit über das menschliche Leben geben dürfe.

Mit ihren Forderungen stoßen die Gegner zwar auf Rückhalt vor allem in den C-Parteien, aber kaum in der Bevölkerung: Laut einer im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben im August 2012 durchgeführten repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Forsa sind lediglich 22 Prozent der Bevölkerung gegen die Möglichkeit einer Unterstützung von Schwerstkranken beim Freitod. Mehr als drei Viertel der Befragten befürworteten die Möglichkeit, Suizidbeihilfe in Anspruch nehmen zu können.