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US-Katholiken drängen auf Einwanderungsreform

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Das Verhältnis der aktuellen US-Regierung unter Barack Obama und der katholische Kirche in den USA war bislang vor allem von Dissonanzen geprägt. Nun unterstützt die Kirche Obamas Einwanderungsreform, weil ein Anwachsen der hispanischen Bevölkerung ihre politische Schlagkraft wesentlich stärken könnte.
Freitag, 13. September 2013
Kirche USA

Die "Basilica of the National Shrine of the Immaculate Conception" in Washington D.C. ist die größte katholische Kirche in den USA. | wikimedia commons

Die katholische Kirche in Amerika unterstützt in auffälligem Aktionismus das Anliegen der Obama-Administration, die lang geplante Einwanderungsreform endlich umzusetzen. Mehrere Bischöfe sprachen sich vor wenigen Tagen für den parteiübergreifenden Gesetzentwurf aus, der im Juni den Senat passiert hat und nun noch vom Repräsentantenhaus beschlossen werden muss, bevor er in Kraft treten kann. Dieser sieht eine Legalisierung des Aufenthaltsstatus eines Teils der etwa 11,5 Mio. irregulären Migranten in den Vereinigten Staaten sowie die Möglichkeit der Erlangung der US-amerikanischen Staatsbürgerschaft vor.

Hauptmotivation dieses Votums kurz vor Ende der parlamentarischen Sommerpause sei dabei jedoch nicht, wie von Kirchenseite immer wieder behauptet, christliche „Nächstenliebe“, sondern die Hoffnung, die US-Gesellschaft mit den Stimmen der Einwanderer stärker christlich-katholische zu beeinflussen, berichtet aktuell das britische Magazin The Economist. Da Einwanderer eher zum Glauben neigen als Nicht-Migranten, sei deren Einfluss insbesondere bei Fragen der Verhütung und Abtreibung relevant. Bei diesen Themen kollidieren die Positionen der Obama-Regierung mit denen der Kirche.

Wie Recherchen des US-amerikanischen Pew Research Center ergeben haben, kommt mehr als die Hälfte aller regulär Eingewanderten aus Latein-Amerika. Der Anteil der irregulären Migranten aus Süd- und Mittelamerika dürfte noch größer sein. Die größte Migrantengruppe in den USA ist die der Mexikaner. Vier Fünftel aller Mexikaner sind katholisch.

Das Anwachsen der Gruppe der Einwanderer hat der katholischen Kirche in den USA immens Rückenwind verschafft. Über die Hälfte der so genannten Hispanics in den Vereinigten Staaten sind katholisch, sie machen ein Drittel der gesamten katholischen US-Bevölkerung aus. Deren Anteil liegt aktuell bei 22 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Im Hinblick auf die anstehende Abstimmung der vorgelegten Einwanderungsreform im Repräsentantenhaus ist das Votum der katholischen Kirche in den USA besonders bedeutsam. Fast ein Drittel der Abgeordneten im Repräsentantenhaus ist katholisch, es gibt dort keine größere religiöse Gruppe. Wenn sich nun die katholische Kirche für den vom Senat beschlossenen Entwurf ausspricht, votiert sie automatisch gegen einen weiteren Entwurf, den eine überparteiliche Arbeitsgruppe im Repräsentantenhaus aktuell erstellt, aber noch nicht vorgelegt hat. Dieser könnte zusammen mit dem Senatsentwurf in einem Vermittlungsausschuss verhandelt werden, was den Prozess einer Reform noch weiter in die Länge ziehen würde. Je eher die Reform aber umgesetzt und der Aufenthalt von mehreren Millionen lateinamerikanischen Katholiken legalisiert würde, umso schneller würde die katholische Gemeinde in den USA wachsen und der politische Einfluss der Kirche in den Wahlkabinen steigen.