Direkt zum Inhalt

Italien: Rechtspopulisten in Verona verbieten Kampagne „Gut ohne Gott“

DruckversionEinem Freund senden
Der von der rechtspopulistischen Partei Lega Nord dominierte Stadtrat von Verona hat den italienischen Humanisten unter Strafandrohung untersagt, Plakate der im Juni gestarteten Kampagne „Gut ohne Gott“ auszuhängen.
Donnerstag, 12. September 2013
UAAR Kampagne Gut ohne Gott

Drei mal sechs Meter groß sind die Plakate, die aktuell in zahlreichen italienischen Städten Werbung für Humanismus und Glaubensfreiheit machen. In Verona wurden sie nun von der rechtspopulistischen Kommunalregierung verboten | Foto: UAAR

Seit Ende Mai kann man in mehreren italienischen Städten großformatige Plakate mit der Aufschrift „10 Millionen Italiener leben gut ohne D“ entdecken. Angebracht wurden sie von den italienischen Humanisten (Union der Atheisten, Agnostiker und Rationalisten – UAAR), um die Sichtbarkeit und das Ansehen von Konfessionsfreien und Nicht-Gläubigen im Land zu stärken. Das D auf den Plakaten steht für Dio (dt. Gott). Auf dem Plakat steht Dio mit einem durchgestrichenen D, so dass io (dt. ich) stehen bleibt (diesseits berichtete).

Diese drei mal sechs Meter großen Plakate sind nach Ansicht des Stadtrats von Verona, der fest in der Hand der rechtspopulistischen Partei Lega Nord ist, „potentiell schädlich für Religionen“. Mit dieser Begründung hat die Stadtverwaltung der UAAR verboten, zehn der bereits nach den kommunalen Vorgaben gedruckten Aushänge anzubringen. Bei Zuwiderhandlung werde eine Geldstrafe von 2.200 Euro fällig.

So weit wie die von den Rechtspopulisten dominierte Stadtverwaltung in der heimlichen Hauptstadt des italienischen Nordens ging noch keine kommunale Regierung. Die Plakate der UAAR sind seit dem Start der Kampagne bereits in Rom, Mailand, Bologna, Florenz, Bari, Ancona und Cagliari angebracht worden, ohne dass die Kommunen Bedenken geäußert hätten.

Entsprechend will die UAAR umgehend gegen die Entscheidung des Stadtrats des Schauplatzes von Romeo und Julia vorgehen. Die italienischen Humanisten werfen der Kommunalregierung vor, persönliche christliche Positionen zur politischen Norm zu erheben. Fast die Hälfte der rechtspopulistischen Lega Nord, die inzwischen die drittgrößte parlamentarische Fraktion in Italien ist, bezeichnen sich als treue Kirchgänger, weitere 20-30 Prozent als nicht praktizierende Gläubige. Die Partei unterstützt aufgrund ihrer engen, mitunter auch persönlichen Verbindungen ins konservativ-katholische Milieu den Kurs der katholischen Kirche.

Vor diesem Hintergrund überrascht die Entscheidung des Veroneser Stadtrats nicht unbedingt. Allerdings bietet das Motiv der UAAR-Kampagne selbst kaum Angriffsfläche, weshalb es in zahlreichen Städten auch schon im öffentlichen Raum aushing, ohne Anstoß zu erregen. Schließlich wird in der Mitteilung „10 Millionen Italiener leben gut ohne Gott“ keinerlei Aussage über die Existenz oder Nicht-Existenz von Gott getroffen. Die Kampagne will lediglich deutlich machen, dass Atheisten und Agnostiker ein fester Bestandteil der italienischen Gesellschaft sind und ein erfülltes Leben führen können. So will die UAAR Humanisten, Agnostiker und Atheisten in Italien in ihrem Selbstbewusstsein und Ansehen stärken.

Nicht-Gläubige sind in Italien immer wieder Dämonisierung und Vorurteilen ausgesetzt, ihr Unglaube werde oftmals mit dem Fehlen von Menschlichkeit und Empathie oder einem mangelnden Sinn für Ethik gleichgesetzt. „Womöglich wollte der Veroneser Stadtrat die Aussage unsere Kampagne unterstützen, indem er Atheisten und Agnostiker zu Bürgern zweiter Klasse degradiert“, kommentierte UAAR-Vorstand Raffaele Carcano mit einem Augenzwinkern die Entscheidung. Auf einen Widerspruch zur Entscheidung des Stadtrats wird man deshalb aber nicht verzichten.