Direkt zum Inhalt

Russland: Zentrum zur Bekämpfung von „atheistischem Extremismus“ geplant

Druckversion
Vertreter der Russisch-Orthodoxen Kirche kündigten am vergangenen Montag in Moskau an, intensiver gegen religions- und kirchenkritische Gruppen vorgehen zu wollen. Zur Begründung wurde auf Proteste gegen das Bauprogramm „200 Kirchen“ verwiesen.
Donnerstag, 22. August 2013

Die Entscheidung sei bei einem Treffen zwischen Bürgern, Bezirksabgeordneten sowie Dozenten und Studierenden der Staatlichen Universität Moskau bekannt gegeben worden, das in der Nähe eines Pilgerzentrums des Moskauer Patriarchats im Südwesten der Stadt stattfand. Das berichtete die russische Nachrichtenagentur Interfax.

In einer Erklärung zur Gründung des Zentrums hieß es, derzeit  erhebe „ein atheistischer Extremismus sein Haupt“, der von Stiftungen und Nichtregierungsorganisationen finanziert werde, die ihre Wurzeln außerhalb Russlands haben.

Dieser erzeuge „künstliche Psychosen“, heize Hysterie durch Einschüchterung von Bürgern an und berufe sich auf nicht vorhandene Gesetze. In der Ankündigung wurde betont, dass atheistische Extremisten oft im Namen lokaler Graswurzelinitiativen tätig seien, wobei sich jedoch die wirklichen Strippenzieher im Dunkeln verbergen würden. Die Kirchenvertreter führten als Beleg verschiedentliche Fälle von Protest gegen den Bau neuer Kirchen in der Stadt an.

Hintergrund für solche Proteste bildet die Umsetzung des mit den Moskauer Behörden beschlossenen Programms „200 Kirchen“. Im Zuge des Projekts sollen während der nächsten zehn bis 15 Jahre insgesamt 200 neue Kirchengebäude in der Stadt errichtet werden. Die Stadt habe zugesichert, das Vorhaben zu unterstützen, u.a. durch kostenlose Überlassung von Bauflächen oder Hilfe bei den Verhandlungen über die erforderlichen Kommunikations-, Strom- und sonstigen Versorgungsnetze.

Foto: Kremlin.ru / CC-BY-SA 3.0

Russisch-Orthodoxer Partriarch Kyrill: Schulterschluss zwischen Staat und Kirche „absichtlich geschaffener Mythos“. Foto: Kremlin.ru / CC-BY-SA 3.0

Schätzungen von Medien zufolge soll die Umsetzung rund eine Milliarde US-Dollar kosten. Laut den offiziellen Angaben werden die Baukosten ausschließlich aus Spenden finanziert. Nach Abschluss des Projekts soll es in der Metropole mit ihren rund 12 Millionen Einwohnern eine Kirche pro 20.000 Einwohner geben. Keine Kirche soll dabei mehr als einen Kilometer von einer Wohngegend entfernt sein. Die Fortschritte zeigt seit Monatsbeginn eine eigene Sendereihe des TV-Senders Moskau 24.

Das bei religiösen Gruppen populäre Bauvorhaben hat zu Kritik seitens kommunistischer und pro-demokratischer Gruppen im Land geführt. Der Schulterschluss zwischen der politischen Führung und der orthodoxen Kirche unter Patriarch Kyrill war unter anderem Anlass für den Auftritt der Punkband „Pussy Riot“ in der Christ-Erlöser-Kathedrale im Februar 2012. Kyrill selbst bezeichnete den Schulterschluss als „absichtlich geschaffenen Mythos“, der von Gegnern einer Wiederbelebung des post-sowjetischen Russlands herrühre. Diese fürchten die Christianisierung der russischen Gesellschaft, so Kyrill.