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Rumänien: Schauplatz des Kampfes für säkulare Ideen

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Humanismus, Erziehung und Wissenschaft: Am vergangenen Wochenende fanden die diesjährigen Delegiertenversammlungen der Internationalen Humanistischen und Ethischen Union (IHEU) und der Europäischen Humanistischen Föderation (EHF) in Bukarest statt. Eine Konferenz nahm außerdem die kulturellen Probleme Rumäniens in den Blick.
Donnerstag, 30. Mai 2013
Foto: AUR

Cezar Maroti, Präsident von Asociația Umanistă Română und Sonja Eggerickx, Präsidentin der IHEU. Foto: AUR

Zusätzlich hatte der junge und sehr engagierte rumänische Verband einen Kongress zu den Themen „Humanismus, Erziehung und Wissenschaft“ organisiert. Einen Hintergrund für die Themenwahl bildet das rumänische Schulsystem, in dem die Kinder bis zur 8. Klasse nur die biblische Schöpfungslehre kennenlernen. Die Vermittlung der Evolutionstheorie wird von der orthodoxen Kirche bekämpft.

Der Kongress fand einige Aufmerksamkeit im Fernsehen und anderen Medien, wurde aber auch von einigen konservativen Medien als „Homosexuellentreffen“ diffamiert – nicht zuletzt, da die globale Kontroverse um die gesetzliche Gleichstellung der sogenannten Homo-Ehe auch Rumänien erreicht hat.

Cezar Maroti betonte auf der Konferenz, dass es für eine Verstärkung säkularer Interessen in Rumänien einen enormen Bedarf gäbe. Auch in Rumänien gibt es vielfache Privilegierungen der orthodoxen Kirche, die Diskriminierung von sexuellen Minderheiten und Angriffe auf ihre Angehörigen – sogar seitens führender Politiker – gehörten zum Alltag. Nur ein Bruchteil der Menschen in der rumänischen Gesellschaft bekennt sich öffentlich zu einer nichtreligiösen Weltanschauung.

Die Mitgliederversammlung der EHF beschloss, eine Kampagne zur Europawahl 2014 für die Trennung von Staat und Religion durchzuführen. Zusätzliche Mitgliedsverbände aus Rumänien und Großbritannien wurden aufgenommen. Neu im Vorstand sind jetzt Vertreter aus Rumänien, Frankreich und Italien. Nicht mehr im Vorstand vertreten ist der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften, dessen Präsidentin Renate Bauer viele Jahre die Arbeit der EHF unterstützte.

Außerdem wurde eine Studie der schottischen Humanisten zu Aktivitäten der Verbände im Rahmen der Feierkultur vorgestellt. Sie soll zu einem besseren Erfahrungsaustausch zwischen den in den Ländern arbeitenden Kollegeninnen und Kollegen führen.

Mehr erfahren über die Arbeit der EHF unter www.humanistfederation.eu

Die IHEU musste sich auf ihrer Generalversammlung erneut mit dem Antrag auf eine eigenständige Sektion von Freidenkerverbänden und Atheisten im Rahmen der IHEU auseinandersetzen. Die Vertreter der französischen Freidenkerorganisation Libre pensée konnten ihre Position nicht durchsetzen, da für die große Mehrheit der Delegierten der Sinn einer solchen Unterorganisation nicht einsichtig gemacht werden konnte.

Foto: privat

Rein Zunderdorp. Foto: privat

Neu im Vorstand der IHEU ist hier nun der frühere Vorsitzende des niederländischen Verbandes Rein Zunderdrop. IHEU-Präsidentin Sonja Eggerickx dankte Roger Lepeix von Libre pensée für seine zehnjährige Tätigkeit im Vorstand, er schied am vergangenen Wochenende aus dem Amt aus.

Josh Kutchinsky, langjähriger Aktivist in humanistischen Organisationen und früheres Kuratoriumsmitglied der British Humanist Association wurde für seine Verdienste mit dem Distinguished Services to Humanism Award geehrt. Zur Zeit engagiert sich Kutchinsky  als Sekretär der Central London Humanists, welche unter anderem regelmäßige Treffen von Humanistinnen und Humanisten in der britischen Hauptstadt organisieren.

Die Ehrung war zuletzt 2011 an den ehemaligen EHF-Präsidenten David Pollock verliehen worden, im Jahr 2007 hatte Keith Porteous Wood von der britischen National Secular Society die Auszeichnung erhalten.

Ein Thema der Beratungen zwischen den Delegierten war ferner die Schaffung eines Online-Kommunikationsnetzwerkes für die in der IHEU vertretenen Organisationen und ihre ehrenamtlich aktiven Mitglieder, mit der die Zusammenarbeit zwischen den Experten in der praktischen Arbeit, Ehrenamtlichen und anderen Menschen in Zukunft verbessert werden soll. Die IHEU engagiert sich weiterhin besonders in Afrika und Indien. Sie unterstützt dort humanistische Organisationen, deren Mitglieder oft unter der Gefahr für Leib und Leben für Aufklärung und Freiheit kämpfen.

Zum Abschluss der Konferenz betonte der ehemalige Präsident des Humanistischen Verbandes in Rumänien und heutige Abgeordnete der Grünenpartei Remus Cerna, dass sein Land einen Kampfplatz in der Auseinandersetzung für liberale und säkulare Überzeugungen in Europa bilde. Die Durchführung der Delegiertenversammlungen und die Ausrichtung der Konferenz in Rumänien stellten aus seiner Sicht einen großen positiven Schritt für den Humanismus in Osteuropa dar, weshalb er schließlich den Vertretern von IHEU und EHF für ihre Unterstützung bei diesem Ereignis seinen herzlichen Dank aussprach.

Der nächste Kongress der IHEU findet unter dem Titel „Freedom of thought and expression“  vom 8. bis 10. August 2014 im britischen Oxford statt. Tagungsort der von der British Humanist Association getragenen Konferenz wird das altehrwürdige Sheldonian Theatre der Universität von Oxford sein.