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Vatikan-Sprecher nach Papstpredigt: Jesus rettet weiterhin nur Katholiken

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Erlösung gibt es auch in Zukunft nur für waschechte Katholiken. Das hat ein Vatikan-Sprecher nach der Predigt von Franziskus am vergangenen Mittwoch klargestellt. In Atheisten, die gute Werke tun, sei sein Gott aktiv. Humanisten und Atheisten in den Vereinigten Staaten zeigten sich aber vorsichtig optimistisch.
Sonntag, 26. Mai 2013

Lange hat sich keine Botschaft mehr so schnell verbreitet wie die Berichte internationaler Medien in der vergangenen Woche, denen zufolge das katholische Kirchenoberhaupt in einer Predigt die Gläubigen daran erinnert hat: Auch Menschen, die nicht katholisch sind, können gute Dinge tun.

Thomas Rosica, katholischer Priester und verantwortlicher Pressesprecher des Vatikans zur Zeit der letzten Papstwahl, veröffentlichte daraufhin eine Klarstellung zu den Äußerungen von Franziskus. Die Aussagen des Papstes stehen theologisch in vollem Einklag mit den Positionen der Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, erinnerte er. Der christliche Messias sei am Kreuz gestorben, um die Sünden aller Menschen auf sich zu nehmen. Rosica bekräftigte auch die Lehre, nach der es eine Erlösung im Jenseits nur für die Menschen gebe könne, die ein Teil seiner Kirche sind. Der Sohn des christlichen Gottes, welcher den Überzeugungen der Gläubigen zufolge über alle lebenden und toten Menschen richtet, werde niemanden retten, der die katholische Kirche kennt und es abgelehnt hat, ihr beizutreten oder in ihr zu verbleiben.

Der Vatikan-Sprecher stellte außerdem klar, dass die Ablehnung des Evangeliums nicht gleich als Ablehnung von Jesus Christus zu verstehen sei, eine Ablehnung des Christentums dürfte nicht als Ablehnung seines Gott verstanden werden. Man könne zudem nicht sagen, dass Nicht-Christen ohne eine göttliche Hilfe zur Nächstenliebe in der Lage sind, hieß es.

Vielmehr seien Handlungen von Nicht-Christen, die dem Geist der Nächstenliebe entsprechen, so Rosica weiter, „tatsächlich ein Beweis für Gottes Aktivität in dieser Person“. Schachmatt für Atheisten, die mit „Gut ohne Gott“-Kampagnen die Gläubigen für ihren nichtreligiösen Lebenswandel zu begeistern versuchen? Bei den Humanisten in den Vereinigten Staaten freute man sich jedenfalls über die „ermutigenden“ Worte des Papstes.

Roy Speckhardt, Direktor der American Humanist Assocation, zog gegenüber dem Nachrichtensender CNN aus Franziskus' Predigt den Schluss, dass sich die Perspektive des katholischen Papstes für die religiöse und philosophische Vielfalt auf der Welt öffne. „Während Humanisten seit Jahren davon sprechen, dass man gut ohne einen Gott sein kann, ist es recht ermutigend, das nun auch vom Führer der katholischen Kirche zu hören“, so Speckhardt.

Foto: AHA

Werden laut katholischem Glauben wahrscheinlich nicht von Jesus gerettet: Roy Speckhardt (l.) mit Aktivistinnen bei einer Demo vor dem Obersten US-Gerichtshof in Washington im März. Foto: AHA

Wenn weitere religiöse Führer sich diesen Worten von Franziskus anschlössen, könne das viel von dem Misstrauen und der Diskriminierung verringern, mit dem Atheisten, Humanisten und andere nichtreligiöse Menschen heute regelmäßig konfrontiert sind.

David Silverman, Präsident der American Atheists, begrüßte die Bemerkungen von Franziskus ebenfalls, wenn auch mit Zurückhaltung. Das theologische Konzept, demzufolge Jesus auch für Atheisten am Kreuz gestorben sei, enthalte Fehler auf „vielen Ebenen“ – zumal der Messias Gotteslästerern eine Fahrt in die Hölle versprochen habe, wie Silverman betonte. Die Geste des Papstes könne er trotzdem als Versuch würdigen, Atheisten in den moralischen Diskurs einzuschließen. Atheisten würden nicht Teil des Katholizismus sein wollen, „aber natürlich sind wir alle an den grundlegenden Menschenrechten interessiert.“