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Papst Franziskus: Jesus findet auch Atheisten gut

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Es kommt darauf an, Gutes zu tun – Mit einer ungewöhnlichen Predigt hat Papst Franziskus am Mittwoch gläubige wie nichtgläubige Menschen gleichermaßen überrascht. Auch ohne im Besitz der Wahrheit zu sein könnten Menschen gute Taten vollbringen, erklärte das Oberhaupt der katholischen Kirche. Die Jünger Jesu, so der Papst, seien „ein wenig intolerant“ gewesen.
Donnerstag, 23. Mai 2013

Während deutschsprachige Medien derzeit vor allem Gerüchte diskutieren, laut denen Franziskus während der Pfingstmesse einen Exorzismus durchgeführt haben soll, reißen weltweit Aufsehen erregende Neuigkeiten über das Verhalten des neuen Bischofs von Rom nicht ab.

Foto: BostonCatholic / Flickr / CC-BY-SA

Im März meinte Franziskus noch: „Wer nicht zum Herrn betet, betet zum Teufel“ Foto: BostonCatholic / Flickr / CC-BY-SA

Wie Radio Vatikan nun berichtete, hat der prominente Vertreter der mehr als 1,2 Milliarden Katholiken weltweit in der morgendlichen Messe am Mittwoch in Rom davon gesprochen, dass der christliche Messias sein Leben auch für Atheisten geopfert habe.

Franziskus hatte sich in seiner Predigt auf das Evangelium nach Markus bezogen, in dem die Jünger Jesu drüber stritten, ob auch derjenige gute Dinge tun könne, der ihnen nicht nachfolge. Die Jünger, erklärte der Papst in einer Geschichte über einen Dialog zwischen einem katholischen Gläubigen und einem Priester, waren da „ein wenig intolerant“. Da sie die Überzeugung teilten, im Besitz der Wahrheit zu sein, glaubten sie, dass diejenigen nichts Gutes tun können, die nicht ihre Wahrheit besitzen. Das sei falsch, so der Papst.

Jesus sei für alle Menschen gestorben und einen gemeinsamen „Treffpunkt“ könnten Gläubige und Nichtgläubige daher dort finden, wo gute Werke vollbracht werden. Gutes zu tun sei keine Frage des Glaubens sondern ein universelles Prinzip, das die Menschheit jenseits der Vielfalt von Ideologien und Religionen vereine, so Franziskus. Es schaffe eine „Kultur der Begegnung“, die das Fundament des Friedens bildet. „Alle Menschen seien vor allem anderen Geschöpfe Gottes, auch der Glaube und das Katholischsein kämen erst danach“, fasste die deutschsprachige Ausgabe von Radio Vatikan seine Ausführungen zusammen.

Mit den Äußerungen setzt sich Franziskus von seinem Vorgänger Benedikt XVI. ab, der sich wiederholt mit drastischen Warnungen vor „Atheismus“ und „materialistischen Philosophien“ an die Gläubigen gewandt hatte. Unklar bleibt schließlich aber, wie stabil die Verfassung des jetzigen Papstes ist. In seiner Predigt zum Amtsantritt im März hatte Franziskus noch behauptet, wer sich nicht zu Jesus Christus bekenne, bekenne die Weltlichkeit des Bösen und würde den Teufel anbeten. Im April zog Franziskus mit einem Gebet für „die Befreiung von der Versuchung des gesunden Menschenverstands“ die Aufmerksamkeit auf sich.