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Berlin: Humanistische Perspektiven bei FES-Jahrestagung

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„Religion verbindet – Religion trennt“ ist Thema der diesjährigen religionspolitischen Jahrestagung der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) am 20. November 2017. Neben Repräsentanten von Religionen und Vertretern der Politik wird in diesem Jahr auch eine Stimme aus dem Humanistischen Verband Deutschlands auf dem Podium miteinbezogen.
Mittwoch, 15. November 2017

Nun sag, wie hältst Du es mit der Religion? Die alte Gretchenfrage aus Goethes Faust war in den vergangenen Jahren wieder häufiger zu hören – und zwar in Diskussionen über den gesellschaftlichen Zusammenhalt und Bedrohungen für diesen. Die einen betonen die gemeinschafts- und friedensstiftende Kraft der Religion(en). Das starke Engagement von Kirchen, Moscheegemeinden, Christinnen und Christen, Musliminnen und Muslimen und anderen Gläubigen in der Flüchtlingshilfe, das soziale Engagement von Religionsgemeinschaften und religiösen Initiativen und die Positionierung an der Seite der in der Gesellschaft Schwächeren bieten gute Belege für diese Aussage. Andere erinnern hingegen, dass Religion vielfach zu Spannungen führe zwischen Konfessionen, zwischen Religionen oder zwischen religiösen und nichtreligiösen Menschen, dass religiöser Extremismus ein Sicherheitsrisiko sei und der Wahrheitsanspruch religiöser Glaubenssätze nicht selten mindestens tendenziell ausgrenzend wirke.

In einer Gesellschaft, in der auch das Ergebnis der jüngsten Bundestagswahl eindrücklich vorhandene Spaltungstendenzen verdeutlicht hat, stellt sich dringlich die Frage, was die weltanschaulich-religiös und kulturell heterogene Gesellschaft zusammenhält. Mit der diesjährigen religionspolitischen Jahrestagung der Friedrich-Ebert-Stiftung wird daher nach der verbindenden oder auch trennenden Kraft von Religion und deren Wechselwirkung(en) mit Gesellschaft und Politik gefragt. Die Tagung soll Impulse für das gemeinsame Nachdenken darüber liefern, unter welchen Bedingungen religiöse Überzeugungen und Gemeinschaften friedensstiftend in der derzeit polarisierten Gesellschaft wirken können und welche gesellschaftspolitisch wertvolle Aufgaben dabei religiöse und weltanschauliche Gemeinschaften übernehmen können.

Zum Thema der FES-Jahrestagung diskutieren werden der Bundestagsabgeordnete Lars Castellucci (SPD), die evangelische Theologin und Ethikerin Elisabeth Gräb-Schmidt (Universität Tübingen) sowie der humanistische Islamwissenschaftler und Religionspädagoge Mouhanad Khorchide (Universität Münster). Eine dezidiert religionsdistanzierte Perspektive wird Arik Platzek, u.a. Leiter des Antidiskriminierungsprojekts um den Bericht Gläserne Wände und langjähriger Mitarbeiter beim Humanistischen Verband Deutschlands (Bundesverband) mit über internationale Ereignisse und Entwicklungen berichterstattender Funktion, beisteuern. Die Podiumsdiskussion wird moderiert von der Bundestagsabgeordneten Kerstin Griese, Beauftragte für Kirchen und Religionsgemeinschaften der SPD-Bundestagsfraktion. Im Anschluss werden Vertreterinnen und Vertreter jüdischer, christlicher, muslimischer und alevitischer Jugendorganisationen mit Kurzimpulsen die zweite Podiumsdiskussion über die gesellschaftspolitische Dimension von Religion in konfliktreicher Zeit einleiten.

Die religionspolitische Jahrestagung am 20.11.2017 beginnt um 15 Uhr im Konferenzsaal in Haus 1 am Sitz der FES in Berlin. Weitere Informationen zur Veranstaltung und zur Anmeldung auf www.fes.de.