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Humanisten diskutieren auf dem Kirchentag in Berlin

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Im Rahmen des Evangelischen Kirchentags vom 24. bis 28. Mai 2017 werden auch Vertreterinnen und Vertreter humanistischer Positionen bei aktuellen Streitthemen zu Wort kommen. Eine begleitende Karikaturenausstellung im Roten Rathaus soll sowohl atheistische wie auch religiöse Auffassungen aufs Korn nehmen.
Freitag, 7. April 2017

Drei Veranstaltungen des diesjährigen Deutschen Evangelischen Kirchentags (DEKT) in Berlin und Wittenberg beziehen am 27. Mai 2017 die Sichtweisen und Argumente vier bekannter Persönlichkeiten aus dem konfessionsfreien Teil der deutschen Gesellschaft ein. In der ersten Podiumsdiskussion wird nach einem Vortrag des ehemaligen Bundesverfassungsgerichtspräsidenten Hans-Jürgen Papier in der Sophienkirche die Frage diskutiert, wie und warum nichtreligiöse Menschen in Deutschland diskriminiert werden. Michael Bauer, Vorstand des Humanistischen Verbandes Bayern und Co-Autor des Berichts Gläserne Wände, wird im Anschluss an den Vortrag anhand von Beispielen und Analysen aus langjähriger Arbeit darlegen, welche Formen und Folgen der andauernden systematischen Benachteiligung kirchen- und religionsferner Menschen aus humanistischer Perspektive bis heute festgestellt werden können. Die kirchliche Perspektive auf die aktuellen Problemlagen wird in der Diskussion Reinhard Hempelmann, Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, vertreten.

In den Festsaal im Roten Rathaus laden am Samstagnachmittag zwei weitere Podiumsdiskussionen der Reihe „Dialog mit humanistischen Gemeinschaften“ ein. Zuerst werden die Kirchentagspräsidentin Christina von der Au, Diakoniepräsident Ulrich Lilie sowie der Politikwissenschaftler und Soziologe Armin Pfahl-Traughber und der Philosoph Michael Schmidt-Salomon darüber debattieren, wo und wie in der offenen Gesellschaft „Grenzen der Toleranz“ zu ziehen seien. Nach einem Grußwort des Berliner Staatssekretärs Gerry Woop (DIE LINKE) sollen in einem jeweils fünfminütigen Impulsvortrag die vier Podiumsgäste ihre Positionen skizzieren und dann in die Diskussion kommen. Anschließend werden die Podiumsgäste über einen „Publikumsanwalt“ zu weiteren Fragen und Einwürfen Stellung nehmen. Im gleichen Format wird sich die darauf folgende Podiumsdiskussion im Roten Rathaus unter der Titelfrage „Brauchen wir eine neue Sterbekultur?“ dem politisch hochkontroversen und umstrittenen Thema der Selbstbestimmung am Lebensende zuwenden. Unter Moderation des ARD-Fernsehkorrespondenten Arnd Henze werden die Hospizbeauftragte des Evangelischen Kirchenkreises Teltow-Zehlendorf und Geschäftsführerin der Diakonie-Hospiz Wannsee, Angelika Behm, der Erlanger Theologe und Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock sowie der Philosoph und Ethiker Dieter Birnbacher, seit November 2016 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben, und Gita Neumann, Leiterin der Bundeszentralstelle Patientenverfügung des Humanistischen Verbandes Berlin-Brandenburg, dem Publikum ihre Haltungen zur Ausgangsfrage erklären.

Die Podiumsdiskussionen im Roten Rathaus wurden in Kooperation mit dem Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg und den Evolutionären Humanisten Berlin-Brandenburg, einem Verein von Fördermitgliedern der Giordano-Bruno-Stiftung, entwickelt. Der Eintritt zu den zwei Veranstaltungen am Samstagnachmittag wird kostenfrei sein, sodass interessierte Besucher dafür kein Kirchentagsticket erwerben müssen. Begleitet werden sie von einer Karikaturenausstellung, die sowohl vermeintliche Schwächen, Widersprüche und wunde Punkte auf Seiten des Atheismus wie auf Seiten der Religionen auf die Schippe nehmen wollen.

Weitere Informationen zu den Veranstaltungen des Deutschen Evangelischen Kirchentags bieten die Programmsuche auf der Website bzw. das DEKT-Programmheft. Drei Wochen nach dem Kirchentag lädt in Nürnberg mit dem HumanistenTag 2017 vom 15. bis 18. Juni Deutschlands größtes humanistisches Festival ein. Alle Informationen dazu auf www.ht17.de