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Hessen: Humanisten verstärken ihre Zusammenarbeit

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Die Humanistische Gemeinschaft Wiesbaden tritt dem Humanistischen Verband Deutschlands (HVD) bei. Dadurch wird der erst vor sechs Jahren gegründete HVD Hessen zum sechstgrößten Landesverband. In Zukunft soll unter anderem das Angebot von Lebenskunde-Unterricht als humanistischer und nichtreligiöser Alternative zum Religionsunterricht ausgebaut werden.
Mittwoch, 5. April 2017

An zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden haben die hessischen Humanisten im vergangenen Monat einen historischen Schritt vollzogen: Am 19. März 2017 hatte zunächst die Mitgliederversammlung der Humanistischen Gemeinschaft Wiesbaden den Beitritt zum Humanistischen Verband Deutschlands, Landesverband Hessen e.V. (HVD Hessen), beschlossen. Am 25. März 2017 bestätigte dann der HVD Hessen die Aufnahme.

Dem Zusammenschluss war eine langjährige enge Zusammenarbeit vorausgegangen. Bundesweit Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte im Februar der gemeinsame Aufruf gegen die Einführung eines Gottesbezugs in die hessische Landesverfassung. Aber vor allem in der Jugendarbeit gibt es seit langem eine enge Kooperation. Dabei kam es hin und wieder zu eigentlich überflüssigem Klärungsbedarf: „Es war schon schwierig, den Eltern bei unser gemeinsamen Jugendfeier zu erklären, warum wir zwei unterschiedliche humanistische Organisationen mit denselben Werten sind“, berichtet Florian Zimmermann, promovierter Mathematiker und seit 2014 Vorsitzender des HVD Hessen.

Der HVD Hessen ist seit der Gründung als eingetragener Verein tätig, strebt jedoch gemäß Satzung den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts (K.d.ö.R.) an. Die Humanistische Gemeinschaft besitzt diesen Status bereits. Neben der Mitgliedschaft im HVD Hessen behält die Humanistische Gemeinschaft Wiesbaden weiterhin ihre Rolle als vollwertiges Mitglied der Humanistischen Landesgemeinschaft Hessen (HuGH) K.d.ö.R., der noch fünf weitere Ortsgemeinschaften angehören.

Humanistische Kräfte bündeln, Lebenskunde-Unterricht ausbauen

Die 1848 im Zuge der Demokratiebewegung gegründete Humanistische Gemeinschaft hatte sich vor zwei Jahren als Weltanschauungsgemeinschaft neu aufgestellt und neben dem alten Namen der Freireligiösen Gemeinde ebenfalls die Mitgliedschaft im Bund Freireligiöser Gemeinden Deutschland abgelegt. Damit folgten sie der gleichen Entwicklung, die schon Anfang der 1990er Jahre sieben freireligiöse, freidenkerische und humanistische Vereinigungen zur Gründung des Humanistischen Verbands Deutschlands geführt hatte. Der Humanistische Verband Deutschlands bildet heute mit über 21.000 Mitgliedern die größte nicht-religiöse Weltanschauungsgemeinschaft in der Bundesrepublik und ist Träger von bundesweit mehr als 100 sozialen, pädagogischen und kulturellen Projekten bzw. Einrichtungen. In Berlin und Brandenburg nehmen über 62.000 Schüler und Schülerinnen am vom Verband getragenen Schulfach Humanistische Lebenskunde teil.

Foto:

Sitz der Humanistischen Gemeinschaft Wiesbaden in der Rheinstraße 78.

Die Humanistische Gemeinschaft Wiesbaden bietet ebenfalls einen Lebenskunde-Unterricht an, der vom Kultusministerium anerkannt und dem Religionsunterricht rechtlich gleichgestellt ist. Auch in Wiesbaden nehmen Schüler und Schülerinnen dieses Angebot teilweise bis zur Abiturprüfung wahr. Im Zuge der verstärkten Zusammenarbeit gab es bereits erste Gespräche mit Experten aus dem Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg zur Frage, wie sich das Angebot von Lebenskunde-Unterricht als wertebildender Alternative zum Religionsunterricht zukünftig gemeinsam ausbauen lässt.

Die Wiesbadener hatten schon in den vergangenen Jahren als Erste den Schritt der Umbenennung zur Humanistischen Gemeinschaft vollzogen und damit den Prozess zur gemeinsamen Aufstellung im Bundesland vorangebracht. In den weiteren Monaten folgten zahlreiche andere Ortsgemeinschaften sowie die Landesgemeinschaft. „In Absprache mit der HuGH ist die Wiesbadener Gemeinschaft erneut einen Schritt vorausgegangen, um die säkularen Kräfte in Hessen zu bündeln“, sagte nun Holger Behr, Vorsitzender der Wiesbadener Humanisten und HuGH-Landessprecher.