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Bestattungsanlage für Humanisten und Freidenker in Wuppertal wiederentdeckt

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Vor rund 75 Jahren entstand in Wuppertal der erste Bestattungshain für Verstorbene ohne Kirchenzugehörigkeit. Trotz Verbot und brutaler Verfolgung in der NS-Zeit besteht die ursprüngliche Grabanlage noch heute, vor kurzem wurde sie wiederentdeckt. Die Humanisten in Wuppertal/Bergisches Land laden dazu ein, die humanistische Bestattungskultur in der Region zu unterstützen.
Montag, 31. Oktober 2016
Gräberfeld „M“. Foto: H.-P. Schulz

Gräberfeld „M“. Foto: H.-P. Schulz

Anfang der dreißiger Jahre hatte der damalige Freidenker-Verband eine Massenumbettung von Urnen seiner verstorbenen Mitglieder auf dem neu entstandenen Kommunalfriedhof in Wuppertal-Ronsdorf organisiert. Es waren an die 100 Urnen ehemaliger Mitglieder aus Barmen, Elberfeld und Vohwinkel, die vorher größtenteils in Hagen bestattet worden waren. Vordem gab es in Wuppertal nur christlich betriebene Friedhöfe, auf denen damals keine Feuerbestattung erlaubt war. Darauf macht Jürgen Köster, Feiersprecher des Humanistischen Verbandes Nordrhein-Westfalen und Vorsitzender der Gemeinschaft Wuppertal/Bergisches Land, aufmerksam. Die Barmer Freidenker hatten damals ihren Mitgliedern versprochen, nach der Schaffung eines Kommunal-Friedhofes die Urnen der Verstorbenen hierher zu überführen, erinnert Köster.

Gräberliste (Auszug)

Gräberliste (Auszug)

So kam es, dass im Juni 1931 innerhalb weniger Tage eine Grabanlage für die Urnen verstorbener Freigeister entstand. Aus dem „Gräberlisten-Buch“ von damals geht hervor, dass diese Urnen im Wesentlichen in der Zeit vom 9. bis 14. Juni auf dem Feld „M“ beigesetzt wurden. In der Wuppertal-Beilage der sozialdemokratischen „Freien Presse“ wurden am 3. Juni 1931 alle „proletarischen Kultur-Organisationen“ dazu aufgerufen, sich an einer Feier zur Einweihung der Grabanlage am Sonntag, dem 14. Juni 1931 zu beteiligen. Es waren Tausende, die an diesem Sonntag von überall her zu Fuß nach Ronsdorf zogen, um an dieser feierlichen Einweihung teilzunehmen. Um 15 Uhr begann die Feier mit einer Gedächtnisrede des Vorsitzenden der Freidenker Löwenstein. Die Reichsbannerkapelle, der Arbeitergesangverein und andere Chöre sorgten für eine angemessene musikalische Umrahmung. Auch Vertreter von SPD und Gewerkschaften hielten Ansprachen. So wurde es eine eindrucksvolle Kundgebung, ein Bekenntnis zur Feuerbestattung und damit zum kulturellen Fortschritt. Dies erscheint heute vielen als selbstverständlich. „Das ist auch gut so“, findet Armin Schreiner, Feiersprecher des Humanistischen Verbandes aus Sprockhövel, noch heute.

Jürgen Köster und Nora Krohm. Foto: H.-P. Schulz

Jürgen Köster und Nora Krohm. Foto: H.-P. Schulz

Doch 18 Monate später wurde Hitler zum Reichskanzler ernannt, es folgte die brutale Unterdrückung des gesellschaftlichen Fortschritts durch zwölf Jahre Faschismus-Herrschaft. Die Arbeiterparteien, Gewerkschaften und Freidenker wurden verboten, ihr Vermögen konfisziert, ihre Mitglieder verschwanden in den Folterkellern der Gestapo, wurden in Zuchthäusern und Konzentrationslagern ermordet. So ist in dieser Zeit die Erinnerung an die Grabanlage vergessen worden.

Humanisten wollen die Erinnerung wachhalten

Friedhofslageplan

Friedhofslageplan

Vor einiger Zeit sind aufmerksame und engagierte Bürger wieder auf diese Historie gestoßen. Nach einigen Recherchen hat Herr von Balen, Leiter des Kommunal-Friedhofes Wuppertal-Ronsdorf, dankenswerterweise die alten Unterlagen zur Verfügung gestellt. Jürgen Köster konnte sich von den Einträgen in das Gräberlisten-Buch überzeugen. Auch die Grabanlage „M“ besteht noch in der ursprünglichen Form. „Einige neue Gräber sind inzwischen dazu gekommen.“ Darauf macht Nora Krohm aufmerksam. Als Feiersprecherin des Humanistischen Verbandes in Nordrhein-Westfalen kennt sie sich auf Wuppertaler Friedhöfen aus. „Wir Freigeister und Humanisten wollen die Erinnerung wach halten“, sagt Jürgen Köster von der Gemeinschaft Wuppertal/Bergisches Land des Humanistischen Verbandes Nordrhein-Westfalen abschließend. Er lädt im Namen des Verbandes alle Menschen mit freidenkerisch-humanistischer Lebensauffassung dazu ein, auch bei der Pflege der Bestattungskultur die wichtige Traditions- und Kulturarbeit in der Region zu unterstützen.

Mehr über den Humanistischen Verband Nordrhein-Westfalen können Sie auf der Website des Verbandes erfahren www.hvd-nrw.de und die Gemeinschaft Wuppertal/Bergisches Land informiert online auf www.hvd-bergischesland.de