Direkt zum Inhalt

Baden-Württemberg: Nur 18 Millionen für Ausbau von Ethikunterricht

DruckversionEinem Freund senden
Die grün-schwarze Koalition will den Ethikunterricht in den nächsten vier Jahren bis einschließlich Klassenstufe 5 ausbauen. Im angelaufenen Schuljahr soll ein Bildungsplan für den Ausbau erstellt werden.
Montag, 12. September 2016

Laut den Mitte Juli von der regierenden Koalition veröffentlichten Nebenabreden sollen bis zum Jahr 2019/2020 zusätzlich 280 Lehrerstellen geschaffen werden, um das Angebot von Ethikunterricht in den Schulen von Baden-Württemberg auszuweiten. Bisher gibt es Ethikunterricht ab der achten Klasse, an bestimmten Schultypen ab Klassenstufe 7. Laut den Nebenabreden soll der Ausbau in der laufenden Legislaturperiode bis zur Klassenstufe 5 erfolgen. Die Kosten dafür werden auf knapp 18 Millionen Euro beziffert. Ein Bildungsplan für den Ausbau soll im laufenden Schuljahr entstehen.

Keine Änderungen soll es beim Status des Ethikunterrichts geben, der auch zukünftig lediglich ein Ersatzfach zum Religionsunterricht sein soll. Dies bedeutet, dass Religionsunterricht der „Normal“- bzw. Regelfall bleiben wird und Schüler bzw. deren Eltern zunächst eine Abmeldung davon durchführen müssen, um am Ethikunterricht teilnehmen zu können. Zudem mangelt es in den Ländern, in denen Ethikunterricht lediglich einen Ersatzfachstatus hat, laut zahlreichen Elternberichten häufig an ausreichenden Informationen zu dem Angebot einer Alternative und der Wahlmöglichkeit. Rund ein Viertel der Bevölkerung von Baden-Württemberg gehört keiner Konfession an, die Mehrheit davon teilt humanistische und nichtreligiöse Lebensauffassungen.

Mit den Plänen bleibt die grün-schwarze Koalition unter Ministerpräsident Winfried Kretschmann weit hinter den Erwartungen auf Seiten konfessionsfreier Eltern und der Humanisten Baden-Württemberg (DHUBW) zurück. Diese fordern seit langem die Einführung einer wertebildenden Alternative zum Religionsunterricht ab der ersten Klassenstufe, die personell und pädagogisch gleichwertig ausgestattet ist. Dementsprechend sind die jetzigen Pläne zum Ausbau des Ethikunterrichts auf Kritik bei den Humanisten gestoßen, die bisher unter anderem eine Verfassungsbeschwerde der Freiburgerin Anna I. gegen die Ablehnung der Einführung von Ethikunterricht ab Klassenstufe 1 an den Schulen des Landes unterstützen. „Wer wirklich Integration will, der will Ethikunterricht – und am besten für alle. Nur in diesem Fach können alle Schüler Informationen erhalten über den Inhalt von Religionen und verschiedenen philosophischen Richtungen. Dabei kann durchaus beim Thema „Judentum“ ein Rabbi zu Gast sein oder ein Theologe beim Thema „Christentum“. Konfessionsunterricht wäre daneben ein freiwilliges Angebot, das von den jeweiligen Religionsgemeinschaften organisiert und finanziert wird“, sagte dazu Gabriele Will, DHUBW-Vorstandssprecherin. Dieses Modell bleibe in Baden-Württemberg aber vorläufig unerreichbar, so Will weiter. Als umso wichtiger bezeichnet sie es, dass wenigstens eine gleichwertig entwickelte Alternative schon ab der Klassenstufe 1 bestünde, die den Schülern ohne Interesse an Religionsunterricht sowie deren Eltern eine fundierte ethisch-moralische Bildung biete.

Insbesondere gegenüber den Bündnisgrünen habe es hohe Erwartungen gegeben, dass der Ausbau des Ethikunterrichts zügig genug vorangetrieben werde, um mit der sich weltanschaulich wandelnden Landschaft Schritt halten zu können. Das Erreichen dieses Ziels werde durch die zögerlichen Ansätze der Koalition nun auch in der laufenden Legislaturperiode verhindert. Der Verband will aber weiter auf die Verbesserung bei den Angeboten schulischer Wertebildung drängen. „Wir nehmen es nicht hin, dass konfessionsfreie und nichtreligiöse Steuerzahlerinnen und -zahler mit Kindern im Grundschulalter auch in diesem Bereich weiterhin Bürger zweiter Klasse bleiben sollen“, so Will.