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Berlin: Humanistische Lebenskunde mit fast sieben Prozent mehr Teilnehmern

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Erstmals seit seiner Einführung 1982 nehmen im laufenden Schuljahr über 60.000 Schülerinnen und Schüler am Lebenskundeunterricht teil. Dies geht aus einer aktuellen Mitteilung der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft zum Weltanschauungs- und Religionsunterricht hervor.
Mittwoch, 16. Dezember 2015

Die Teilnehmerzahl im Humanistischen Lebenskundeunterricht hat sich demnach auf 60.257 erhöht. Dies stellt ein Wachstum von 6,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr dar, als 56.380 Schüler am Lebenskundeunterricht teilnahmen. 17,94 Prozent aller Schüler in Berlin besuchen nunmehr dieses freiwillige Fach, welches Schüler zur weltanschaulichen Orientierung und zur Diskussion über Sinnfragen entlang der Werte und Prinzipien einer nichtreligiösen und humanistischen Lebensauffassung motiviert.

In der Spreemetropole ist Lebenskundeunterricht somit weiterhin das zweitbeliebteste Fach nach dem evangelischen Religionsunterricht, den laut zuständiger Senatsverwaltung derzeit 79.549 Schüler bzw. 23,7 Prozent aller Schüler besuchen. Am katholischen Religionsunterricht auf Platz drei nehmen 24.234 Schüler teil, was 7,2 Prozent der Schülerschaft entspricht. Die Islamische Föderation verzeichnet in ihrem Religionsunterricht 4.991 Teilnehmende, der jüdische Religionsunterricht wird von knapp 1.000 Schülern besucht.

Ein Großteil des christlichen Religionsunterrichts wird an Schulen in freier Trägerschaft erteilt. So finden 31,3 Prozent des evangelischen Religionsunterrichts und 22,6 Prozent des katholischen Religionsunterrichts an kirchlichen Privatschulen statt. Humanistische Lebenskunde wird hier kaum nachgefragt.

Insgesamt besuchen derzeit 173.135 Schüler in Berlin einen freiwilligen Religions- oder Weltanschauungsunterricht, das ist etwas mehr als die Hälfte der insgesamt 330.232 Schüler. Ein Drittel aller Schüler, die an einem der freiwilligen wertebildenden Unterrichtsfächer teilnehmen, besucht den humanistischen Lebenskundeunterricht.

Der Präsident des Humanistischen Verbandes Berlin-Brandenburg, Jan Gabriel, sagte zu den aktuellen Zahlen, er freue sich „über das große Interesse an humanistischer Wertevermittlung. Es zeigt, dass das gemeinsame Nachdenken darüber, wie wir als Gesellschaft miteinander leben wollen, schon früh beginnt und gefördert werden muss. Der Lebenskundeunterricht, der in altersspezifischer Form Fragen von Verantwortung, Selbstbestimmung und Toleranz in den Mittelpunkt rückt, bietet den Schülerinnen und Schülern einen geschützten Raum, um dieses gemeinsame Nachdenken und Diskutieren zu lernen.“

Das größte Interesse an den wertebildenden und bekenntnisgeprägten Schulfächern in Berlin gibt es an den Grundschulen. Hier besuchen drei von vier Schülern entweder einen Religionsunterricht oder Humanistische Lebenskunde, in den Klassenstufe 1 bis 4 sind es sogar vier von fünf Schülern. Mit aktuell 53.845 Teilnehmenden ist der Lebenskundeunterricht in der Primarstufe das beliebteste bekenntnisorientierte Schulfach.