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„GOTTLOS“: RTL-2-Serie wird Thema im bayerischen Medienrat

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Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, hat angekündigt, die Vereinbarkeit des Titels der von RTL 2 angekündigten TV-Serie „GOTTLOS – Warum Menschen töten“ mit den Programmgrundsätzen prüfen zu lassen.
Freitag, 30. Oktober 2015

Die bizarre Namenswahl für eine Drama-Serie nach niederländischem Vorbild, deren Start der Sender in den kommenden Wochen plant, wird nun Thema bei der zuständigen Aufsichtsbehörde. Dies hat Charlotte Knobloch, eines der 46 Mitglieder im Medienrat der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), in ihrer Antwort auf ein Schreiben des Präsidenten des Humanistischen Verbandes, Frieder Otto Wolf, angekündigt. Knobloch teilte in ihrem Schreiben mit, sie könne die „Irritation nachvollziehen“ und habe Verständnis für die Argumentation des Verbandes. Dieser hatte am Donnerstag vergangener Woche die BLM-Leitung sowie die Medienratsmitglieder gebeten, auf eine Änderung des von RTL 2 gewählten Serientitels hinzuwirken, „so dass dieser sich auf keine weltanschauliche Haltung bezieht, insbesondere nicht auf eine von konfessionsfreien und nichtreligiösen Menschen“. Zur Begründung erklärte Wolf, dass man die im RTL-2-Titel „vorgenommene pauschale Verknüpfung einer weltanschaulichen Haltung mit einem Motiv für die Tötung von Menschen als inakzeptabel und auf subtile Weise volksverhetzend“ empfinde.  Knobloch schrieb weiter, sie werde den Vorgang bei der nächsten Sitzung des Medienrates zur Sprache bringen.

Fraglich ist, ob der von RTL 2 gewählte Serientitel mit den allgemeinen Programmgrundsätzen des bayerischen Mediengesetzes vereinbar ist. So schreibt das Gesetz vor, dass die Programme „die sittlichen, religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen anderer“ zu achten haben. Das ist dem Sender offensichtlich nicht gelungen. Dies wird unter anderem angesichts Dutzender Kommentare von empörten Zuschauern im kurze Zeit später geschlossenen Kommentarbereich eines Eintrags im RTL-2-Corporate-Blog zum Serienstart deutlich.

RTL 2 hat bislang auf die Wahrnehmung der Chance zur Änderung des Serientitels verzichtet und eine zur Stellungnahme gesetzte Frist ungenutzt verstreichen lassen. In einer ersten Reaktion hatte der Leiter der Programmkommunikation des Senders formell den Vorwurf, dass man nichtreligiöse Lebensauffassungen mit der Tötung von Menschen verknüpfe, „entschieden“ zurückgewiesen und unter Berufung auf den Duden das Festhalten an dem Serientitel begründet.

Indes reagierte der Dudenverlag einsichtiger auf die aktuellen Vorgänge. Der Verlag teilte in einer Stellungnahme zur Kontroverse mit, dass man den entsprechenden Eintrag in den von ihm herausgegebenen Wörterbuch-Ausgaben überarbeiten werde. Aus technischen Gründen würden die entsprechenden Aktualisierungen jedoch erst in einigen Wochen unter anderem im Online-Wörterbuch Duden.de sichtbar.

Auf die Einsicht seitens RTL 2 oder die Möglichkeiten des BLM-Medienrates, der erst am 17. Dezember 2015 erneut zu einer öffentlichen Sitzung zusammenkommen wird, will man sich beim Humanistischen Verband indes nicht verlassen. Wie der Verband mitteilte, ist ein in den einschlägigen Rechtsgebieten versierter Experte beauftragt worden, Möglichkeiten zu prüfen, auf juristischem Wege direkt gegen die Ausstrahlung der Serie unter dem Titel „GOTTLOS – Warum Menschen töten“ vorzugehen.