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Berlin: SPD will Humanisten stärker unterstützen

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Bei einem Spitzentreffen am vergangenen Montag hat der SPD-Landesvorsitzende Jan Stöß die gewachsene Bedeutung des Humanistischen Verbandes in Berlin gewürdigt. Unterstützung kündigte er bei der Anerkennung des Verbandes als Körperschaft des öffentlichen Rechts und für den Aufbau eines Lehrstuhls an. Auch auf lokaler Ebene öffnet sich die Partei zunehmend.
Freitag, 19. Juni 2015

„Der Landesvorstand der SPD hält es für politisch sinnvoll, dass der Humanistische Verband den anderen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften auf Augenhöhe begegnet“, sagte Jan Stöß bei dem Treffen mit dem Präsidenten des Humanistischen Verbandes Berlin-Brandenburg, Bruno Osuch, sowie dem Vorstandsvorsitzenden des Verbandes und früheren Grünen-Abgeordneten Martin Beck im Kurt-Schumacher-Haus. Deshalb wollen die Sozialdemokraten unter anderem den 2014 gestellten Antrag auf Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts aktiv unterstützen. Mit dieser Anerkennung wären die Humanisten auch in Berlin-Brandenburg formell den Kirchen gleichgestellt, wie es bislang bereits in Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen der Fall ist.

Hintergründe des Spitzentreffens bilden das beachtliche Wachstum humanistischer Aktivitäten in der Spreemetropole und stetig zunehmende Mitgliederzahlen während der vergangenen Jahre. So gehören dem Humanistischen Verband in der Hauptstadtregion mittlerweile mehr als 12.000 Mitglieder an. Rund 1.200 hauptamtliche Beschäftigte leiten und betreuen rund 70 Kultur-, Bildungs- und Sozialprojekte in der Stadt, unterstützt werden diese dabei regelmäßig durch etwa 1.000 ehrenamtlich tätige Bürgerinnen und Bürger. Durch das umfangreiche Angebot des Verbandes werden jährlich über 300.000 Menschen in Berlin und dem Umland erreicht. Besondere Bekanntheit besitzen hier die humanistische JugendFEIER, an der jedes Jahr zwischen 6.000 und 7.000 Jugendliche teilnehmen, und das Schulfach Humanistische Lebenskunde als weltliche Alternative zu den Religionsunterrichten. Der Lebenskundeunterricht wird in Berlin derzeit von mehr als 56.000 Schülern besucht. Ein Thema bei den Gesprächen am Montag war daher auch der Aufbau eines entsprechenden Lehrstuhls an einer der drei Berliner Universitäten, damit dem ständig wachsenden Bedarf an hochqualifizierten Lehrkräften entsprochen werden kann. Stöß machte hier deutlich, dass die Berliner SPD den Aufbau eines Lehrstuhls grundsätzlich befürworte. Weitere Themen waren die stärkere Berücksichtigung und Einbeziehung im Rahmen der Flüchtlings- und Sozialpolitik. Landesverbandspräsident Bruno Osuch äußerte im Anschluss an das Treffen Freude darüber, dass die Sozialdemokraten die gewachsene Übernahme von Verantwortung in der Stadt anerkennen und zukünftig noch stärker an die „große Tradition einer engen Kooperation“ zwischen SPD und nichtreligiösen Humanisten anknüpfen wollen.

Und auch auf lokaler Ebene öffnet sich die Partei in Berlin zunehmend für die Einbeziehung und Beteiligung der Mitglieder des Humanistischen Verbandes auf Augenhöhe zu den Angehörigen der Religionsgemeinschaften. So war beim „Dialog der Religionen“ der Spandauer SPD am Montagabend erstmals ein Vertreter des Humanistischen Verbandes neben Repräsentanten der Kirchen und des Islam auf das Podium eingeladen, um die Perspektiven und Positionen nichtreligiöser Menschen zu aktuellen religionspolitischen Problemstellungen zu verdeutlichen. Zukünftig soll nun die Veranstaltungsreihe unter regelmäßiger Beteiligung der Humanisten als „Dialog der Religionen und Weltanschauungen“ fortgeführt werden. Raed Saleh, Initiator des Dialogs und Vorsitzender der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin, sagte nach der Podiumsdiskussion: „Ich freue mich, dass wir beim 13. Spandauer Dialog der Religionen gemeinsam mit einem Vertreter des Humanistischen Verbands über das Verhältnis von Staat und Religion diskutieren konnten. Das hat mir gezeigt: es ist gut, in den interreligiösen Dialog auch nicht-konfessionelle Berlinerinnen und Berliner stärker einzubeziehen. Sie haben eine Position, die Beachtung verdient.“