Direkt zum Inhalt

World Humanist Day: Berlin stellt Feiertag gleich

Druckversion
Zukünftig können sich Schüler mit einer humanistischen Weltanschauung zum internationalen Feiertag am 21. Juni jeden Jahres vom Unterricht freistellen lassen. Das teilte die Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres am Montag mit. Noch im vergangenen Jahr war der Gleichbehandlungsanspruch vom Berliner Verwaltungsgericht verneint worden.
Montag, 8. Dezember 2014
Illustration: Daniel Focke

Der Tag der Sommersommenwende wurde 1986 zum offiziellen humanistischen Feiertag erklärt.

Die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft hat den internationalen humanistischen Feiertag (World Humanist Day) entsprechend der Regelungen für religiöse Feiertage in die neue Ausführungsvorschrift Schulbesuchspflicht aufgenommen. Dies gibt ab kommendem Schuljahr humanistischen Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, sich zur Pflege ihrer Fest- und Feierkultur auf Antrag beurlauben zu lassen.

„Der Welthumanistentag soll humanistischen Schülerinnen und Schülern die Gelegenheit geben, über den Zusammenhalt und das Miteinander in unserer Gesellschaft nachzudenken und ihre Feierkultur zu pflegen“, so Bildungssenatorin Sandra Scheeres in der Mitteilung zur neuen Ausführungsvorschrift.

Um die Aufnahme des Feiertages, der am 21. Juni 1986 auf einer internationalen Konferenz in Oslo als Feiertag ins Leben gerufen wurde, in die Ausführungsvorschrift hatte der Humanistische Verband Berlin-Brandenburg im vergangenen Jahr gebeten. Zuvor war die Klage einer Mutter auf Gleichbehandlung des Feiertages vom Verwaltungsgericht Berlin abgewiesen worden.

Schülerinnen und Schüler werden nun auf Antrag von der Schulleiterin oder dem Schulleiter für den Feiertag beurlaubt. Der Tag gilt, wie die freien Tage aus religiösen Gründen, als unterrichtsfreier Tag und nicht als Fehltag. Die Beurlaubung setzt die Zugehörigkeit zu einer Weltanschauung voraus. Schüler, die das 14. Lebensjahr vollendet haben, können den Antrag auf Befreiung selbst einreichen. Praktische Relevanz entfaltet die Neuregelung jedoch erst im übernächsten Jahr. 2015 ist der 21. Juni ein Sonntag, erst ab dem Jahr 2016 wird der Feiertag wieder auf einen Wochentag fallen.

Einen weiteren Anlass für die Gleichstellung des Feiertages bildet das Wachstum der Teilnehmerzahlen am Schulfach Humanistische Lebenskunde. Während in Berlin im Jahr 2007/2008 noch 44.758 Kinder am Lebenskundeunterricht teilnahmen, sind es im Jahr 2013/2014 bereits 55.559 und im Schuljahr 2014/15 55.689 Schülerinnen und Schüler. Dem Humanistischen Verband gehören in Berlin und Brandenburg rund 10.000 Menschen an.

Die Internationale Humanistische und Ethische Union (IHEU) hatte den Feiertag 1986 erstmalig als World Humanist Day ausgerufen. Er soll dazu dienen, das Bewusstsein für die Bedeutung von humanistischen Ideen und Überzeugungen zu verbessern und für sie zu werben. Der Feiertag wird von weltweit etwa fünf Millionen Humanistinnen und Humanisten begangen.

Foto: privat

Schweiz: Humanisten musizieren zum 21. Juni in einer Einkaufspassage. Foto: FVS/privat

Vertreter des Verbandes begrüßten die Gleichstellung des humanistischen Feiertages in Berlin. Bruno Osuch, Präsident des Humanistischen Verbandes in Berlin und Brandenburg, freute sich über die Würdigung des praktischen Humanismus. „Die Anerkennung des Welthumanistentages als mit den religiösen Feiertagen gleichberechtigter Feiertag ist für uns Ausdruck der Bedeutung und Wertschätzung der humanistischen Kultur“, so Bruno Osuch. Der 21. Juni soll künftig noch stärker dazu genutzt werden, um den offenen Dialog über das Zusammenleben in der modernen Gesellschaft anzustoßen und Fragen von Toleranz und Akzeptanz, Menschenrechten und Solidarität sowie von Empathie und Mitgefühl in den Vordergrund zu stellen.

Foto: privat

Rumänien, 2013: Frauen werben mit Luftballons für ihre Gemeinschaft, die Asociația Umanistă Română.

Frieder Otto Wolf, Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschlands, bezeichnete die Anerkennung des Feiertages „als Durchbruch bei der Gleichbehandlung konfessionsfreier Menschen und ein historisches Ereignis mit großer Signalwirkung.“ Erneut sei in der deutschen Hauptstadt, wie schon mit der Einführung des mittlerweile auch in Brandenburg und Bayern zugelassenen Schulfachs Lebenskunde, Vorbildfunktion für ein tolerantes und gleichberechtigtes Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Bekenntnisse übernommen worden. Wolf sagte weiter, er hoffe, „dass sich in Zukunft weitere Bundesländer diesen richtungsweisenden Beispielen anschließen. Menschen mit nichtreligiöser und humanistischer Weltanschauung tragen ebenso wie die Angehörigen konfessioneller Gemeinschaften zur allgemeinen Kultur, dem gesellschaftlichen  Zusammenhalt und den Werten einer offenen und toleranten Gesellschaft bei. Deshalb ist es wichtig und vielfach sogar überfällig, dass ihnen auch die gleichen Rechte eingeräumt werden.“