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Uni Düsseldorf verweist islamkritischen Vortrag

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Ein Vortrag der exil-iranischen Aktivistin Mina Ahadi ist am Dienstag kurzfristig vom Rektorat der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf untersagt worden. Die Entscheidung wurde mit mangelnder weltanschaulicher Neutralität begründet. Die Veranstalter vermuten religiöse Motive hinter der Untersagung.
Dienstag, 11. November 2014

Zu dem Vortrag mit dem Titel „Islamkritik zwischen Aufklärung und Rassismus“ war von der atheistischen Aktionsgruppe Düsseldorfer Aufklärungsdienst und der kommunistischen Studierendenvereinigung Association début d'histoire eingeladen worden. Referentin Mina Ahadi sollte vor dem Publikum darüber sprechen, wie es möglich sei, in einem aus rassistischen und apologetischen Haltungen geprägten Meinungsfeld aufgeklärten und rationalen Standpunkten zu den Kontroversen über die islamische Religion Gehör zu verschaffen. Ahadi ist unter anderem Vorsitzende des 2007 gegründeten Zentralrats der Ex-Muslime. Sie wurde im Iran wegen ihrer politischen Aktivitäten zum Tode verurteilt.

Wenige Stunden vor der geplanten Veranstaltung am Dienstagabend ließ das Rektorat jedoch mitteilen, dass der seit langem angekündigte Vortrag untersagt werde. Zur Begründung hieß es, dass eine islamkritische Veranstaltung in den Räumen der Universität Düsseldorf weltanschaulich nicht neutral und daher nicht zulässig sei.

Die Veranstalter reagierten mit Empörung und Unverständnis auf die kurzfristige Absage. Im Widerspruch zur Begründung der Universitätsleitung habe es in der Vergangenheit bereits Veranstaltungen von Evangelikalen gegeben, „in denen ein Professor erklärte, dass der Urknall in Gottes Händen lag.“ Die Veranstalter verwiesen auch darauf, dass seitens der Hochschule seit zehn Jahren zu einer „Bibelpflanzenausstellung“ durch den Botanischen Garten eingeladen wird, bei der ausgewählte Pflanzen gezeigt werden, „die in der biblischen Geschichte von Bedeutung sind“. Vermutet wurde daher, dass das Rektorat sich von religiösen Motiven bei der Entscheidung zur Ablehnung der Vortragsveranstaltung habe leiten lassen. Für eine Stellungnahme war die Universität am Abend nicht zu erreichen. Die Veranstalter kündigten Protest gegen die Einschränkung „der Rechte von Studierenden“ an.

Fest steht, dass es diese restriktive Vergabepolitik für Räumlichkeiten der Hochschule nicht immer gegeben hat. Mediales Aufsehen wegen eines Vortrags zum Thema Islam an der Uni Düsseldorf hatte es zuletzt im Jahr 2006 nach einem Streit unter Studierenden gegeben. Der damalige Referent: der Salafisten-Prediger Pierre Vogel.